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Christiansens Netwelt : App mit Mobbing-Potenzial

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Internet ist ein grausamer Ort: Harmloseste Anwendungen bieten zahllose Mobbing-Möglichkeiten. Die Plattformbetreiber sind in der Pflicht, die Gefahr einzudämmen, meint unsere Kolumnistin.

von
erstellt am 24.Mär.2015 | 07:27 Uhr

Ein treudoofes Kuhgesicht kommt als Logo der anonymen Messaging-App Yik Yak harmlos daher. Die App an sich auch. Doch der Teufel steckt in der eigentlich netten Idee: Menschen, die sich in derselben Gegend – beispielsweise auf dem Campus – aufhalten, können Beiträge verfassen. Ganz ohne die Nennung von Namen – freie Bahn für anonymes Posten also. Doch wer nicht erkannt wird, neigt zuweilen dazu, seine gute Erziehung zu vergessen. So finden sich bei Yik Yak rassistische wie sexistische Äußerungen und vieles mehr. Nach Protesten soll’s eine Änderung der Sicherheitsbedingungen nun richten.

Wie Yik Yak war auch Facebook einst zur Kommunikation auf dem Campus gedacht, bevor es zum Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken wurde. Der Unterschied: Facebook setzt auf Klarnamen. Und doch sah sich das Unternehmen jüngst Kritik aus dem Netz ausgesetzt. Mit sogenannten Ecomotions können Facebook-Nutzer ihren Gefühlen Ausdruck verleihen: lächelnd oder grimmig kommen die gelben Comic-Gesichter daher. Doch was soll der Betrachter denken, wenn ein Ecomotion mit Doppelkinn und roten Wangen auf dem Bildschirm auftaucht? Schämt sich da jemand für seine Figur? Facebook liefert die Bedeutung: fett. Mit dem Hashtag #fatisnotafeeling (deutsch: „Fett ist kein Gefühl“) forderten Internetnutzer den Dienst auf, das Moppelgesicht zu entfernen. Das soziale Netzwerk lenkte ein: Die Bezeichnung wurde auf „vollgestopft“ geändert, der Ausdruck „fett“ könne vor allem von Menschen mit Essstörungen als Beleidigung verstanden werden, hieß es von Facebook. Mobbing-Potenzial erkannt – gut. Das pummelige Gesicht aber bleibt und lässt Raum für Interpretationen.
 

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