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Fietzes Netzwelt : Altersfreigabe bei mobilen Games: Wenn der Computer übernimmt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Altersgerecht oder nicht? Mobile Spiele werden per Software eingestuft – ganz ohne Diskussion.

Die Schulzeugnisse stehen vor der Tür – und seien Sie froh: Noch kommen die Noten direkt von der Lehrkraft, abgewogen aus schriftlicher und mündlicher Leistung, besprochen in der Lehrerkonferenz. Das bleibt sicher noch eine Weile so. Nicht so in der Medienwirtschaft: Computerspiele werden bisher von einem Gremium getestet, diskutiert und bewertet – die „USK“-Alterseinstufungen auf den Spielepackungen kennen viele.

Anders nun bei Smartphone-Spielen und Gameapps: Das IARC-System bewertet per Software. Anbieter füllen eine fragegeleitete Onlinebewertung aus. „Enthält das Angebot Gewalt?“ Ein „Yes“ oder „No“ führt zu jeweils weiteren Fragen. Die Einordnung übernimmt der Computer, das generierte Ergebnis ermöglicht keine Abwägung durch externe Fachleute, kein Diskussionsprozess wie bisher geht der Alterskennzeichnung voran. Aufmerksame Eltern, die eine komplexe Spiele-App nur aufs Kinderhandy laden wenn die Altersangabe stimmt, müssen sich auf herstellerseitig ausgefüllte Fragebögen verlassen. Ein wenig so, als würde die Schulnote durch einen Schülervertreter und mittels Software vergeben. „Hat der Schüler aktiv mitgearbeitet? Waren Unterrichtsaussagen logisch und ausführlich?“ Die Software würde unwiederbringlich die Zeugnisnote ausspucken.

Ach ja: Natürlich sind die IARC-Fragebögen nicht frei einsehbar. Natürlich können Eltern oder Jugendschützer keinen Einspruch erheben. Die Note steht, das Spiel ist ab XY Jahren verfügbar – die Wirtschaft freut’s, die Elternverantwortung steigt. Fast freut man sich jetzt auf die Schulnoten, oder?

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.
 

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