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Dreyklufts Netzwelt : Alter als Ausrede für Ignoranz im Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kenntnisse über das Internet sind keine Frage des Alters. Ältere sollten sich Wissen aneignen, Jüngere müssen es öfter als vermutet, meint unser Kolumnist.

von
erstellt am 30.Sep.2014 | 15:47 Uhr

Günther Oettinger ist 60. Er habe „keine Ahnung“ vom Internet, sagte er jüngst. „Oettinger schult um auf Nerd“, spottete am Montag die „Süddeutsche Zeitung“. Sein Sohn, soll Oettinger gesagt haben, sei nun sein bester Lehrer. Der ist gerade in der Pubertät.
Der EU-Kommissar ist ein Beispiel für eine verbreitete Ansicht: Das Internet sei etwas für Junge. Die seien „Digital Natives“. Ältere täten sich dagegen schwer, haben oft keine Ahnung und auch kein Interesse.

Das ist überhaupt das Schlimmste: kein Interesse. Auch Oettinger signalisierte, er habe eigentlich keine Lust. Er soll seine bevorstehende Ernennung zum Kommissar für Digitales sogar der „Bild“-Zeitung gesteckt haben, um sie so zu verhindern.

Das Argument mit dem Alter kommt mir seltsam vor. Ich kenne über 60-Jährige, die schon vor 20 Jahren im Internet waren und sich auch heute bestens auskennen. Und ich kenne über 50-Jährige, die nicht zu den Internet-Pionieren gehörten, sich aber schlau gemacht haben.
Und dann der Begriff „Digital Natives“, also, etwas plump übersetzt, „Digitalen Ureinwohner“. Damit sind meist pauschal Jüngere gemeint, die sich im Internet qua Geburt automatisch besser auskennen.
Wenn ich 15- bis 30-Jährige in ihrem Internet-Verhalten beobachte, stellt sich das oft so dar: Hier wird viel konsumiert, aber wahnsinnig wenig gewusst. Machen Sie die Probe aufs Exempel und fragen einen 20-Jährigen, ob er eine Website programmieren könne, auf der nichts steht als der schlichte Text: „Ich bin eine Website.“
Wenn Oettinger keine Ahnung hat, ist das für seinen neuen Job natürlich ein Nachteil. Aber, liebe Ältere: Traut euch ins Netz! Und versteckt euch nicht hinter eurem Alter.

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