Maas’ Netzwelt : Abschied von der SMS

Barbara Maas ist Leiterin des Online-Newsdesks von shz.de. Sie schreibt hier dienstags. Foto: shz.de
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SMS waren teuer und mussten kurz sein. Das hatte kuriose Auswirkungen, erinnert sich Kolumnistin Barbara Maas.

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17. Juni 2014, 04:00 Uhr

Mein erstes Handy kam im Jahr 2001 zu mir. Ein Siemens. Was für ein Modell? Keine Ahnung. Aber ich weiß noch, was ich auf die Anmerkung sagte, dass ich jetzt SMS verschicken könne: „Ganz nett, aber Mumpitz. Ich will doch nur telefonieren.“ Damit lag ich vollkommen falsch. In den folgenden Monaten und Jahren smste ich immer mehr. Ständig.  So wie alle anderen.13 Jahre später sind diese Zeiten vorbei. Der SMS-Versand in Deutschland bricht ein, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr in Deutschland um rund 700 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro zurück. 2012 wurden noch 60 Milliarden SMS verschickt, 2013 nur noch 37,9 Milliarden. In  diesem Jahr  sei ein weiterer starker Rückgang zu erwarten.

Schuldige gibt es auch. Sie heißen WhatsApp, Facebook  und Threema. Die Messenger fürs Smartphone sind kostenlos – allerdings braucht man eine Internetverbindung, was sie in Schleswig-Holstein nicht gerade zur zuverlässigsten Kommunikationsform macht.

Die kostenlosen Smartphone-Apps verleiten außerdem zum Labern und Schwadronieren.  Früher waren SMS teuer, zu lange Nachrichten wurden in zwei Partien versendet – und wir hatten einen neuen Sport: Wer zwängt die meisten Informationen in die kürzeste SMS? Es war ein bisschen wie Twitter, nur ohne Publikum.

Die einen verwendeten in ihren kryptischen Botschaften nur noch die abstrusesten Abkürzungen, so dass ich notgedrungen anrufen musste: „Hallo. Noch mal genau: Was ist los?“ Andere eliminierten sämtliche Leer- und Satzzeichen aus ihren SMS. Typischerweise las sich das so:  „HiBTreffenunsheuteum18zumGrillenamKanalCbringtauchnochKmitistdasokknutschF“. Undenkbar: eine Nachricht mit einem einfachen „ja“, „nein“ oder „schön“. Eine fast schon arrogante Ressourcenverschwendung. Heute sind das meine liebsten Nachrichten. Früher war eben doch nicht alles beser.

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