Überall erreichbar : 20 Jahre Mobilfunk - was war und kommt?

René Obermann ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Als vor 20 Jahren der digitale Mobilfunk startete, war er Geschäftsführer des von ihm gegründeten Unternehmens ABC Telekom. Foto: dapd
René Obermann ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Als vor 20 Jahren der digitale Mobilfunk startete, war er Geschäftsführer des von ihm gegründeten Unternehmens ABC Telekom. Foto: dapd

Vor 20 Jahren startete der digitale Mobilfunk in Deutschland. Damit war das Land weltweit das erste. Was die Zukunft bringt, verrät Telekom-Chef René Obermann.

shz.de von
04. Juli 2012, 08:17 Uhr

Bonn | Am 1. Juli 1992 startete die Telekom in Deutschland das digitale Mobilfunknetz. Damit war die Nation weltweit Vorreiter. Wer 3000 Mark investierte, konnte mit einem Handy unterwegs telefonieren. "Der Digitalfunk löste das C-Netz ab", erinnert René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Das 20-jährige Jubiläum des Mobilfunks nahm er am Montag in Bonn zum Anlass für einen Rück- und Ausblick.
"Als das Netz startete, gingen wir von einer Million Kunden aus", sagt Obermann. Kritiker taten die neue Technik als "Spielzeug für Reiche" ab. Doch längst sind diese Stimmen verhallt. "Heute hat statistisch gesehen jeder Deutsche 1,4 Handys." Vergleichbar sei die Entwicklung bei den SMS: "Die Textnachrichten wurden 1994 als Nebendienst eingerichtet und ihnen wurde keine große Zukunft prognostiziert. Jetzt liegen wir bei 55 Milliarden Kurznachrichten, die 2011 verschickt wurden", sagt Obermann. Weil vielen Nutzern der bloße Text nicht mehr reicht, wird am Nachfolgedienst Joyn gearbeitet, der bereits im September die klassische SMS ablösen soll. Damit können dann auch Dateien übermittelt werden, wie heute schon mit der MMS, aber komfortabler und günstiger.
Telekom will digitalen Kiosk eröffnen
Aber nicht nur der Textnachrichtendienst wird im Herbst revolutioniert. Obermann kündigte weitere Initiativen seines Unternehmens an, die noch in diesem Jahr an den Start gehen sollen. So sollen mit einem Smartphone sämtliche zentralen Geräte im Haus gesteuert werden. "Sie können dann Ihre Heizung einschalten, wenn Sie auf dem Weg von der Arbeit nach Hause fahren, Ihre Alarmanlage oder ihre Beleuchtung aus der Ferne bedienen."
Auch einen digitalen Kiosk mit Büchern und Zeitungen namens "Page Place" plant die Telekom. "Dort findet der Nutzer alles online, was er bisher gedruckt kannte." Damit das Projekt erfolgreich werden kann, wünscht sich Obermann die Teilnahme möglichst vieler Verlage im Land. "Bisher haben viele ihre eigenen Konzepte, um ihre Produkte zu vermarkten. Aber ich denke, hier können wir alle nur erfolgreich sein, wenn diese Anstrengungen gebündelt werden und die Kunden einen zentralen Ort haben, an dem sie alles bekommen."
"Ich wünsche mir faltbare Displays"
So, wie jetzt auf den Start des Mobilfunks vor 20 Jahren zurück geblickt wird, werde in 20 Jahren auf die Cloud-Technik geschaut, sagt Obermann: "Die Technologie ist schwach gestartet, kommt aber jetzt in Bewegung." Es wird irgendwann normal sein, seine Daten auf einem zentralen Server zu speichern und auf vielen unterschiedlichen Geräten nutzen zu können. "Genauso normal wird das Bezahlen oder die Identifikation über das Smartphone werden", ist sich Obermann sicher.
Was sind die persönlichen Wünsche des 49-Jährigen an die Technik? "Mir sind die Displays von Smartphones noch zu klein. Ich wünsche mir, dass die Entwicklung faltbarer Displays schneller vorangeht. Und ich hätte gern mehr Sprachsteuerung."
Mobilfunk für Entwicklungsländer
Die Zahl der Mobilfunknutzer werde rapide steigen, erwartet Obermann. Weltweit gibt es nach seinen Angaben eine Milliarde Mobilfunknutzer. "Prognosen besagen, dass es in vier Jahren acht Milliarden Mobilfunkanschlüsse geben wird." Denn jetzt würden Entwicklungsländer erschlossen, bei denen der Mobilfunk viel kostengünstiger ist, als das Legen von Leitungen.
Damit schlägt Obermann einen Bogen zurück nach Deutschland und erklärt, warum es mancherorts so zäh voran geht mit dem Ausbau des schnellen Internets. "In den kommenden Jahren wären 60 bis 80 Milliarden Euro für den Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland nötig. Aber diese Kosten kann kein Unternehmen wieder verdienen." Kritik übt der Telekom-Chef dabei an der Politik: "Vor allem die Vorgaben der EU sind sehr verbraucherorientiert. Der Kunde soll möglichst wenig zahlen." Das sei auf jeden Fall zu begrüßen, verhindere aber wichtige Investitionen. "Ein Glasfaseranschluss kostet mehrere 1000 Euro. Einem Mitbewerber müssen wir auf Weisung der Politik den Anschluss dann für zehn Euro im Monat überlassen", rechnet Obermann vor.

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