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Weniger Auktionen, mehr Sofort-Kaufen : 20 Jahre Ebay: „3..2..1..meins!“ war einmal

vom

Als Auktionsplattform sieht sich Ebay schon lange nicht mehr. Das bemerken auch zunehmend die Nutzer. Auktionen sind rar, neue Artikel überwiegen.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 18:02 Uhr

Flensburg | Der erste Artikel, der Ende 1995 auf Ebay verkauft wurde, war ein kaputter Laserpointer. Ein Sammler kaufte ihn für knapp 15 Dollar. Was als Experiment begann, ist heute ein milliardenschwerer, multinationaler Konzern. Seit Anfang 2000 gibt es Ebay auch in Deutschland.

Ebay wurde am 3. September 1995 von Pierre Omidyar in San José, Kalifornien, gegründet. Damals trug die heute wohl bekannteste Auktionsplattform noch den Namen „AuctionsWeb“. 2013 machte das Unternehmen einen Umsatz von rund 16 Milliarden US-Dollar und beschäftigt, Stand 2014, rund 33.900 Mitarbeiter. 276 Millionen angemeldete Mitglieder sind weltweit registriert. 1999 kaufte Ebay das deutsche Auktionshaus „Alando“ und etablierte sich so in der Bundesrepublik. Bis Juli 2015 gehörte auch der Bezahldienst PayPal zu Ebay.

Über die Jahre gab es allerlei Kuriositäten zu vermelden, die, vor allem in den USA, über den Auktionstisch gewandert sind. Da war Ian Usher, der sich von seiner Frau trennte und „sein bisheriges Leben“ verkaufte. Ohne Haus, Auto und Job zog er mit Reisepass und einem Rucksack voller Klamotten los, ein neues Leben zu beginnen. 309.292 Dollar war es einem Bieter wert.

Die Familie Lapple verkaufte 2002 den Ort, den sie 1973 erworben hatte. In Bridgeville in Kalifornien stehen acht Häuser, es gibt eine Post, ein Café und 30 Bewohner. Der Käufer zahlte für das Dorf mit dem markigen Slogan „Würdest du hier leben, wärst du jetzt zu Hause“ rund 1,77 Millionen Dollar, verkaufte den Ort aber nur ein paar Jahre später weiter.

Der bislang teuerste Artikel auf Ebay war 2006 eine Giga-Yacht, die für 168 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Der Russe Roman Abramowitsch erwarb das Schiff, das unter anderem über ein Kino, Aufzüge und einen Helikopter-Landeplatz verfügt.

In Deutschland bot ein Verkäufer einen 31 Kilogramm schweren Eimer, gefüllt mit Ein- und Zwei-Centmünzen an. Wie hoch der Wert war, wurde nie geklärt, dennoch bot am Ende ein Bieter 12.250 Euro für den Eimer.

Auch der Golf IV von Papst Benedikt XVI. schlug mediale Wellen. Damals, 2005, verkaufte jemand den alten Volkswagen auf Ebay. Das finale Gebot lag bei 190.000 Euro. Der Verkäufer zahlte lediglich 9500 Euro für den Wagen.

Doch trotz all der kuriosen Versteigerungen sind Auktionen auf Ebay rückläufig. Seit Jahren sinken die Zahlen der Anbieter von Auktionen. In der Ebay-Community trauern die Mitglieder guten alten Zeiten hinterher. Steigende Gebühren, weniger private Anbieter, zu viele Festpreisangebote. 2012 wurden bereits mehr als 60 Prozent der Waren zu Festpreisen verkauft, 80 Prozent der Waren sind neu. In der Anfangszeit kam Ebay auf einen Auktionsanteil von 70 Prozent, die Hälfte der Waren war gebraucht. Diese Zeiten sind vorbei.   

Vorbei ist damit auch das, was Ebay immer ausgemacht hat. Menschenunwürdige Zeiten, zu denen Angebote enden, das Mitbieten während die Uhr kontinuierlich und unaufhaltsam gen Null wandert, und langsame Internetverbindungen. Am Ende freute man sich über ein Schnäppchen.

Auch die „Zeit“ schrieb 2013 bereits, dass Ebay-Kunden nichts mehr ersteigern wollen. Im Artikel ist von einem Auktions-Anteil an den Verkäufen von gerade einmal 15 Prozent die Rede. 2003 seien es noch 100 Prozent gewesen. Es ist ein Bild, das einen als Ebay-Nutzer bestätigt. Viele Bieter tummeln sich bei den wenigen Auktionen. Ein selbst gesetztes Limit wird durch andere Nutzer schnell überschritten, und gebrauchte Artikel erreichen in Auktionen häufig fast den Wert der Neuware. Ein Mitbieten lohnt sich kaum noch, denn Schnäppchen lassen sich immer seltener machen. Wer die gebrauchte Ware für nur verhältnismäßig wenige Euro mehr neu und unbenutzt erwerben kann, überlegt sich häufig den kleinen Aufpreis.

Bei Festpreisen gibt es derweil allerdings extreme Unterschiede. Ohne Kenntnis über den jeweiligen Warenwert können Nutzer schnell über den Tisch gezogen werden. So kostet zum Beispiel ein Kameraobjektiv bei einem Händler 419 Euro, beim nächsten 519 und bei einem dritten sogar 649 Euro. Ein unverständliches Festpreis-System.

Bei Suchanfragen werden in der Regel die Festpreise (Preisvorschlag und Sofort-Kaufen) vorgeschlagen. Wer nach Auktionen sucht, kann sich diese herausfiltern. Kostet ein neues Samsung Galaxy S5 im Sofortkauf zwischen 370 und 450 Euro, lässt sich ein gebrauchtes Gerät schon für 250 Euro ersteigern. Es gibt sie also noch, die Gebrauchtschnäppchen. Doch viele Käufer sind mittlerweile träge geworden. Das Shopping-Verhalten im Internet lässt sich nicht mehr mit dem tagelangen Bieten bei einer Auktion vereinbaren. Vor allem dann nicht, wenn günstige Angebote und viele Alternativen den Markt beherrschen.

Doch es gibt weitere Gründe, warum die Auktionen bei Ebay auf dem Rückmarsch sind. Da sind zum einen die Händler, die natürlich einen Gewinn machen möchten. Wird dann bei einer Auktion ein Wunschpreis nicht erreicht, macht der Online-Händler Verlust. Daher sieht man bei Händlerangeboten heute meist einen Mindestpreis, einen Sofort-Kaufen-Preis oder einen Preisvorschlag als Angebotsform.

Zum anderen legt der Staat, natürlich um in erster Linie den Verbraucherschutz zu gewährleisten, einem potentiellen Anbieter Steine in den Weg. Dieser muss sich zum Beispiel gut überlegen, ob er eine Ebay-Auktion vor Ablauf beendet – und muss gute Gründe dafür haben. Laut einem BGH-Urteil zum Schadensersatz heißt es: „Hat der Verkäufer keinen triftigen Grund zur vorzeitigen Abbruch der eBay-Auktion, wird ein Kaufvertrag mit dem zum Zeitpunkt des Abbruchs der Auktion Höchstbietenden geschlossen. Will der Verkäufer nicht liefern, muss im Zweifel sogar Schadensersatz leisten.“

Am Ende entscheiden die Nutzer über den Aufstieg oder Fall des Internet-Riesen. Bewertungen in gängigen Portalen jedoch lassen nichts Gutes erahnen, denn hier regiert die Enttäuschung. Von „Ebay will nur noch Profit machen“ bis hin zu „schlechter Kundenservice und hohe Gebühren“ und „Es macht keinen Spaß mehr als privater Käufer und Verkäufer“: Die Meinungen über Ebay im Jahre 2015 sind nicht die besten.

Ändern wird sich nichts, denn Ebay will seit Jahren zum Onlineshop für Neuwaren avancieren. Am Ende sollen nur noch maximal 30 Prozent der Waren gebraucht angeboten werden.

Alternativen zu Ebay gibt es natürlich einige. Auf fairmondo.de können neue und gebrauchte Dinge gekauft werden. Auf der Plattform soll fairer und transparenter Handel gefördert werden. Fairmondo ist eine Genossenschaft und hat anstelle von Gebühren eine Spendenfunktion. Ein Prozent jeder Transaktion wird an Initiativen gespendet, die sich gegen Korruption einsetzen. Auch ist es möglich, dass Käufer ihren Erlös an Organisationen ihrer Wahl spenden.  Hood ist ein weiterer Online-Marktplatz für neue und gebrauchte Waren. 1,5 Millionen Mitglieder tummeln sich auf hood.de.

Meilensteine der Ebay-Geschichte

Das Wachstum der Plattform wurde damals von der moderaten Verbreitung von Computern bestimmt: Im gesamten Jahr 1995 wurden weltweit gerade einmal 60 Millionen PCs verkauft. Omidyar konnte das Geschäft zunächst praktisch im Alleingang betreiben, erst 1996 brauchte er den ersten Mitarbeiter, der sich um die Bearbeitung der Auktionsgebühren kümmerte. Chris Agarpao arbeitet heute noch bei dem Unternehmen.

Den Namen Ebay bekam die Firma 1997 erst nach zwei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch erst das Bewertungssystem für Käufer und Verkäufer eingeführt. Damals liefen auf der Plattform rund 200.000 Auktionen im Monat und der millionste Artikel wurde verkauft, eine Spielzeug-Figur aus der Sesamstraße. Heute sind zu jeder Zeit rund 800 Millionen Angebote auf dem Marktplatz.

1998 war ein Schlüsseljahr in der Ebay-Geschichte. Im September ging das Unternehmen an die Börse. Bei einem Ausgabepreis von 18 Dollar schoss die Aktie am ersten Tag auf über 47 Dollar hoch. Omidyar wurde auf einen Schlag zum Milliardär, die ganze Firma war 1,9 Milliarden Dollar wert.

Im Halbjahr vor dem Börsengang hatte Ebay gerade einmal 348.000 Dollar verdient, bei einem Umsatz von 14,9 Millionen Dollar. Einige inzwischen vergessene E-Commerce-Rivalen wie Onstar galten manchem Analysten als das bessere Geschäft. Omidyar konzentriert sich inzwischen auf die Rolle als Mäzen und finanziert unter anderem die Website „The Intercept“, die mit Unterlagen des Informanten Edward Snowden weiter den NSA-Skandal aufarbeitet.

In Deutschland legte Ebay nebenbei den Grundstein für den Reichtum der Samwer-Brüder: Der US-Konzern kaufte ihnen 1999 für über 50 Millionen Dollar den rund ein halbes Jahr zuvor gegründeten Ebay-Klon Alando ab. Die Deutschen hatten Ebay in Kalifornien entdeckt und die Idee schneller als das Original in Deutschland umgesetzt. Ebay erreichte da die Marke von zehn Millionen registrierten Mitgliedern weltweit. Heute sind es 157 Millionen aktive Käufer.

Doch die Stimmung bei Investoren und Analysten zum 20. Geburtstag ist nicht gerade euphorisch. Im bisherigen Ebay-Konzern sorgte zuletzt vor allem der Bezahldienst Paypal für Wachstum - und der wurde im Juli nach 13 Jahren unter einem Dach wieder zu einem eigenständigen Unternehmen.

Seit der Aufspaltung muss Ebay sich dem brutalen Wettbewerb im Online-Handelsgeschäft ohne den steten Cash-Zufluss aus dem profitablen Paypal-Geschäft behaupten. Die Gewinne von PayPal erwiesen sich schon einmal als große Hilfe, als der milliardenschwere Zukauf des Kommunikationsdienstes Skype Löcher in die Bilanz schlug. „Ebay ist jetzt in einer viel schlechteren Position als Paypal“, warnte etwa Branchenanalyst Scot Wingo in der Zeitung „San Jose Mercury News“. Ebay-Deutschlandchef Stephan Zoll sieht die Trennung dagegen als Chance: „Es ermöglicht uns eine klare Fokussierung auf die weitere Entwicklung unseres Marktplatz-Geschäfts.“

Analysten verweisen darauf, dass in den vergangenen Jahren freie Mittel oft vorrangig in den Ausbau von Paypal statt der Ebay-Marktplätze gesteckt wurden. „Für die Kunden ändert sich nichts“, betont Zoll mit Blick auf den Neuanfang ohne Paypal.

Ebay arbeitet schon seit Jahren daran, sein Geschäft als Handelsplattform über die bekannten Online-Auktionen hinaus auszubauen. Der neue Ebay-Chef Devin Wenig, der die Führung nach der Aufspaltung übernahm, bekräftigte das Interesse am der Zusammenarbeit mit kleineren und mittleren stationären Händlern, die auch das Internet erschließen wollen.

Zugleich wurde das Unternehmensgeschäft, das Online-Shops für den Einzelhandel entwickelt, vor der Trennung mit Verlust an Investoren verkauft. Das gehört zum strikteren Fokus auf das Kerngeschäft. Seine Stärke sieht Ebay in der Vielfalt des Angebots aus neuen und gebrauchten Artikeln. (dpa)

 
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