Astrologie als Social-Media-Trend : Tschüss Eso-Image? Warum der Blick in die Sterne gerade so beliebt ist

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20. Januar 2022, 10:29 Uhr

Von Sternzeichen-Memes auf Instagram bis zu Youtube-Neumond-Ritualen: In den sozialen Netzwerken kommt man am Astrologie-Trend nicht vorbei. Wie die unwissenschaftliche Sterndeutung es als hippes Hobby in den Mainstream geschafft hat.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Welche Promis Astrologie-Fans sind.
  • Wie Astrologie in den sozialen Netzwerken dargestellt wird.
  • Warum vor allem junge Menschen an Horoskope glauben.

„Und dann kam meine Saturn-Rückkehr: Wenn das passiert, kann es dein Leben auf den Kopf stellen.” Dieser Satz stammt nicht etwa von einer verklärten New-Age-Wahrsagerin im bunten Batik-Outfit, sondern von Adele – einer der bekanntesten Sängerinnen der Welt. Im Interview mit der US-amerikanischen „Vogue” sprach die Britin darüber, wie sie pünktlich zu ihrem „Saturn Return” ihr komplettes Leben in Frage gestellt hat. Das könne passieren, wenn der Planet Saturn nach 27 bis 32 Jahren Lebensjahren die Sonne umrundet hat und wieder am gleichen Ort steht, wie bei der eigenen Geburt, erklärte die Sängerin. Und zeigte dabei stolz ein Tattoo des Planeten an ihrem linken Handgelenk.

Adele glaubt daran, dass die Vorgänge im Universum Auswirkungen auf das irdische Leben haben. Damit ist sie nicht alleine: Vor allem junge Menschen interessieren sich für Astrologie. Eine Befragung von Yougov und Statista aus dem Oktober 2021 zeigt, dass 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an Horoskope glauben. Bei den über 55-Jährigen ist es dagegen nur ein Drittel.

Promis und Influencerinnen befeuern den Astrologie-Trend

Die Inhalte in sozialen Netzwerke spiegeln diesen Trend wider. Auf Instagram gibt es für jedes Sternzeichen eigene Meme-Pages, die selbstironisch die vermeintlich durch den Stand der Sterne angeborenen Charakterzüge aufs Korn nehmen. Mit Astro-Podcasts kann man sich schon beim Zähneputzen das Horoskop für den Tag vorlesen lassen. Und wenn Merkur rückläufig ist, schlagen Influencer auf Tiktok Alarm – laut Astrologen sorgt der mehrmals im Jahr auftretende „Mercury Retrograde” nämlich für Chaos. Dazu gibt es Astrologie-Apps, wie „Co-Star”: Die Anwendung schickt ihren Nutzern nach Geburtsort und -zeit individualisierte Nachrichten auf das Handy –angeblich basierend auf Daten der Nasa und künstlicher Intelligenz. Der Instagram-Account der App zählt fast zwei Millionen Follower.

Weiter befeuert wird die Faszination durch Influencerinnen wie Chani Nicholas oder Lori Haberkorn. Mit bunten Info-Slides machen die Frauen auf Instagram auf anstehende Astro-Ereignisse aufmerksam und geben Tipps, wie man „seine Träume für 2022 manifestieren kann”, wenn der Neumond im Sternzeichen Steinbock steht. Pastellfarbene Illustrationen im Mix mit durchgestylten Outfit-Fotos treffen dabei genau die Ästhetik ihrer Generation. Vom Batik-liebenden Eso-Image, das die Astrologie nach der New-Age-Bewegung hatte, keine Spur mehr. „Eins muss man der Astrologie lassen: Sie hat ein Talent, sich immer wieder an den Zeitgeist anzupassen”, sagte Astrologie-Forscher Helmut Groschwitz dazu der „Berner Zeitung”.

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Und auch Promis, wie Adele, machen keinen Hehl daraus, dass die Deutung der Sterne sie fasziniert. Palina Rojinski bespricht in Instagram-Videos regelmäßig mit ihren mehr als zwei Millionen Followern, wie die Sterne stehen. Die Moderatorin hat ihrer Liebe zur Astrologie sogar eine eigene Modekollektion mit Sternzeichen-Drucken gewidmet: „Astrolinski”. Auch Jason Mraz scheint dem Gedanken an Botschaften aus dem Universum etwas abgewinnen zu können. Der Sänger lässt sich auf der Webseite der App „Notes from the Universe”, die ermunternde und spirituelle Nachrichten „vom Universum” direkt aufs Smartphone von mehr als einer Million Abonnenten sendet, mit den Worten zitieren: „Die ‘Nachrichten vom Universum’ erinnern mich daran, dass ich Teil von etwas Größerem bin und, dass meine Träume andauernd wahr gemacht werden.”

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Der Glaube an Astrologie gibt Halt in einer unsicheren Welt

Doch wieso ist Astrologie aktuell so beliebt? Dass die Annahmen der Sterndeutung wissenschaftlich als endgültig widerlegt gelten, scheint dem Interesse daran keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil: Laut dem Kulturhistoriker Karl-Heinz Göttert sind viele Menschen unbewusst auf der Suche nach einfacheren Erklärungen für unsere komplexe Welt. „Man denkt ja häufig: je mehr Wissenschaft, desto weniger Esoterik. Dabei ist es genau andersherum”, sagte er gegenüber dem „Spiegel”.

Astrologie

Astrologie

Der Begriff Astrologie stammt aus dem Griechischen. Er setzt sich zusammen aus „astron” (Stern) und „logos” (Sinn) und bedeutet „Sternenkunde”. Sie geht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Bewegung bestimmter Himmelskörper und Ereignissen auf der Erde gibt. Vor allem die Persönlichkeit und das Schicksal von Menschen sollen demnach davon abhängen, welche Himmelskörper zum Zeitpunkt seiner Geburt wo standen. Nicht zu verwechseln ist die Astrologie mit der Astronomie – der Wissenschaft, die sich der Beobachtung der Gestirne widmet.

Das erkläre auch, dass das Interesse an Astrologie in unsicheren Zeiten steigt. „Das fällt meist mit Krisen zusammen, wenn alte Weltbilder ihre Deutungsmacht verlieren, durch Kriege etwa oder Seuchen”, sagte Groschwitz der „Berner Zeitung”. Laut dem „Spiegel” stiftet Astrologie Gemeinschaft – und findet deswegen in Zeiten der Corona-Isolation großen Zulauf. Gerade jungen Menschen gebe der Glaube an Astrologie damit Halt. „Astrologie ist für die Millennials und die Gen Z ein Mittel, um sich selbst und ihren Platz in einer rätselhaften und unsicheren Welt besser zu verstehen”, sagte Sarah Owen, Strategin bei der Trendforschungsplattform WGSN, gegenüber der „Berner Zeitung”.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.>

Dass Astrologie einfache Erklärungen für komplexe, wissenschaftliche Begebenheiten bietet, klingt gerade zu Hochzeiten von Schwurblern und Corona-Leugnern bedenklich. Ein als spaßig und glamourös getarnter Einstieg in Verschwörungskreise sei der Astrologie-Boom jedoch nicht. „Für die meisten ist das nur eine Phase”, erklärt Psychologe Andreas Hergovich gegenüber dem „Standard”. Astrologie sei für viele wie Reality-TV: Seichte Unterhaltung, von der man weiß, dass vermutlich nicht viel Wahrheitsgehalt dran ist. Spaß macht es trotzdem.

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