Feiern trotz Corona : Deichbrand, Hurricane, M'era Luna: So sieht der Festival-Sommer 2022 aus

Author: dpa/Schmidt
Das Southside Festival gehört wie sein Schwesterfestival „Hurricane” zu den größten deutschen Open-Air-Festivals.

Festivalfans können sich auf einen aller Voraussicht nach ereignisreichen Sommer freuen: Nach zwei Jahren des Verzichts stehen 2022 die Zeichen laut Veranstaltern besser. Vorbild könnte zudem ein Modellversuch von der Nordseeküste aus dem vergangenen Jahr sein.

Avatar_shz von
23. Januar 2022, 08:49 Uhr

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Warum viele Veranstalter trotz steigender Infektionszahlen optimistisch sind.
  • Was der Festivalsommer in diesem Jahr alles zu bieten hat.
  • Ob die Festivals womöglich mit Schutz- und Testkonzepten stattfinden werden.

In den vergangenen beiden Jahren mussten große Festivals wie das Hurricane in Scheeßel, das Deichbrand bei Cuxhaven oder das M'era Luna bei Hildesheim wegen der Pandemie abgesagt werden. Doch in diesem Jahr sind die Veranstalter zuversichtlich gestimmt - und das trotz aktuell steigender Infektionszahlen. Ein Überblick:

„Wir sind froh, dass wir gemeinsam mit unseren Künstlerinnen und Künstlern die große Mehrheit der versprochenen Shows endlich nachholen können“, teilte Jonas Rohde, Sprecher des Festivalveranstalters FKP Scorpio, mit.

Veranstalter erwarten Rückgang der Zahlen bis zum Sommer

Eine Gefahr für die Sommer-Festivals sehen die Veranstalter angesichts der aktuell angespannten Corona-Lage nicht. „Die derzeit durch die Omikron-Variante steigenden Inzidenzen lassen keinerlei Rückschlüsse auf den Festivalsommer zu, dem wir mit Vorfreude und ausgesprochen optimistisch entgegenblicken“, teilte Rohde mit. FKP Scorpio veranstaltet etwa das Hurricane und das M'era Luna.

Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und Modellrechnungen zufolge sei davon auszugehen, dass das Infektionsgeschehen im Sommer stark rückläufig sein werde, „so dass wir keinen Zusammenhang zwischen der derzeitigen Lage und unseren Festivals sehen“.

Das Deichbrand bei Cuxhaven rechnet in diesem Jahr mit 60.000 Besuchern.
dpa/Carmen Jaspersen

Das Deichbrand bei Cuxhaven rechnet in diesem Jahr mit 60.000 Besuchern.

Ähnlich äußerten sich auch die Organisatoren des Deichbrand Festivals auf Anfrage. „Deshalb planen wir auf Hochtouren das nächste Deichbrand Festival und haben uns intern noch breiter für die nächste Festivaledition aufgestellt“, teilte Sprecherin Lena Zielinski mit. Auf dem Flugfeld Nordholz bei Cuxhaven werden vom 21. bis 24. Juli ähnlich wie in den Vor-Pandemie-Jahren bis zu 60.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Dem Vorverkauf zufolge werde diese Zahl bereits in den nächsten Monaten erreicht sein, teilte Zielinski mit. Rund 100 Acts und DJs sind für die fünf Bühnen angekündigt - darunter als Headliner Kraftklub, Nightwish und Steve Aoki.

80.000 Besucher beim Hurricane erwartet

Zu einem der größten Festivals der Republik, dem Hurricane, erwarten die Veranstalter vom 17. bis 19. Juni knapp 80.000 Musikfans. Auf den Bühnen der Sandrennbahn Eichenring spielen dann etwa Seeed, Martin Garrix und The Killers. Wie jedes Jahr ist zeitgleich auch das Southside Festival in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg terminiert, mit dem sich das Hurricane die Acts teilt.

Beim M'era Luna Festival mit Gothic, Rock, Metal und Wave-Musik vom 6. bis 7. August werden auf dem Flughafen Drispenstedt bei Hildesheim rund 25 000 Gäste erwartet. Als Acts sind etwa ASP ft. The Little Big Men und The Sisters of Mercy angekündigt. Das Festival A Summer's Tale in Luhmühlen in der Lüneburger Heide dagegen, das zuletzt 2019 stattfand, pausiert laut dem Veranstalter weiterhin.

Das M'era Luna Festival vom Tower des Hildesheimer Flugplatzes aus gesehen.
dpa/Clemens Heidrich

Das M'era Luna Festival vom Tower des Hildesheimer Flugplatzes aus gesehen.

Keine Reduzierung der Gästezahlen

Wie genau mögliche Test- oder Schutzkonzepte bei den Festivals aussehen, ist laut den Veranstaltern noch nicht absehbar. Noch lägen die Festivaltermine dafür in zu weiter Ferne, teilte etwa Deichbrand-Sprecherin Zielinski mit.

Eine Reduzierung der Gästezahlen kommt für die Festivalmacher jedoch nicht in Frage: „Zum einen haben alle Ticketkäufer ein Anrecht darauf, die bezahlte Leistung endlich in Anspruch nehmen zu können, zum anderen wäre ein Festival mit reduzierter Besucherzahl keinesfalls wirtschaftlich“, teilte Rohde mit. In der Pandemie seien die Produktionskosten gestiegen, auch deshalb sei die Livebranche insgesamt darauf angewiesen, möglichst schnell in einen Normalbetrieb zurückzufinden.

„Es gibt eine große Sehnsucht nach Festivals“

Auf der Insel Norderney wird bereits an einer Neuauflage des zuletzt abgesagten White Sands Festivals am Pfingstwochenende Anfang Juni gearbeitet. Noch ist laut dem Staatsbad nicht gänzlich absehbar, ob das Festival nach den Corona-Regeln stattfinden darf. Sprecher Wolfgang Lübben zeigte sich aber zuversichtlich: „Es gibt eine große Sehnsucht nach Festivals“, sagte er. Sollte das Festival wie üblich mit Beachvolleyball, Kitesurfen und Partys an den Start gehen, sei mit überdurchschnittlich vielen Gästen zu rechnen. In Hochzeiten vor der Pandemie seien bis zu 50.000 Gäste auf die Insel gekommen - diese Zahl könnte 2022 nun laut Lübben wieder erreicht werden.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Auch im Nordseebad Dangast stehen die Zeichen für ein beliebtes Open-Air gut: „Wir gehen davon aus, dass das Watt en Schlick wie geplant stattfinden kann“, sagte Festivalsprecherin Sofie Buchwald. Zu dem dreitägigen Event Ende Juli mit Live-Musik, Tanzen und Schlickschlittenrennen im Watt vor Dangast werden wie bereits 2021 bis zu 6000 Gäste erwartet. Obwohl die Live-Acts noch gar nicht offiziell bekannt sind, sind die Dauerkarten bereits ausverkauft.

Modellprojekt macht Hoffnung

Im vergangenen Jahr war das Festival mit einem umfassenden Hygienekonzept als Modellprojekt des Landes Niedersachsen unter wissenschaftlicher Begleitung an den Start gegangen. Gäste mussten sich täglich testen lassen - auch Genesene und Geimpfte. Es gab Teststationen auf Campingplätzen und vor dem Einlass.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Die Ergebnisse des Modellversuchs hätten das Festivalteam in ihrem Vorhaben bestätigt, sagte Buchwald. „Man kann auch ein Festival gestalten in der Pandemie.“ Während des Festivals und auch bei freiwilligen Folgetests nach zwei Wochen sei kein Corona-Test positiv ausgefallen. Ob und welche Schutzkonzepte es dieses Jahr beim Watt en Schlick geben soll, ist laut den Veranstaltern noch nicht klar - sie wollen aber auf ihre Erfahrungen aus 2021 zurückgreifen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen