Viele „verarschen“ ihre Kunden Rezo im Interview: Kommt bald die Zerstörung der Influencer?

Von Laura Cäcilia Wolfert | 25.05.2022, 06:44 Uhr

Rezo hat unserer Redaktion erklärt, wie Influencer ihre Werbekunden ausnutzen. Der YouTuber verrät im Interview, wie fake die Filter-Welt wirklich ist und gibt Hinweise zu seinem nächsten Zerstörungs-Video. 

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie Influencer Werbeunternehmen an der Nase herumführen.
  • Was das Analysetool „Nindo“ von Rezo dagegen tun kann.
  • Ob Rezo nach der CDU und Presse bald Influencer „zerstört“.

Wie viele Follower hast Du auf Instagram? 500? Dann bekommst Du für eine Werbepost umgerechnet genau null Euro. Vielleicht ein „Danke“ des Werbeunternehmens oder ein Like. Mehr ist nicht drin. Bei hunderttausend Followern sieht die Bezahlung schon etwas großzügiger aus – Werbegeschenke all-inclusive. Laut Statista lag der Marktdurchschnittspreis für einen Insta-Beitrag in Deutschland im Jahr 2020 sehr hoch: Makro-Influencer (100.000 bis 1 Million Follower) haben pro Post 1.500 Euro bis 10.500 Euro verdient.

Das Problem: In der Welt der Filter wird viel gefälscht, noch mehr als bisher geahnt. Wer Likes und Follower kauft, kann bei Unternehmen eine größere Reichweite angeben und dementsprechend mehr Geld für Werbeposts verlangen. Fame kaufen? Bei followerpilot gibt es beispielsweise 5.000 Follower für 29,99 Euro. Bei followersheaven 500 Likes für 6,49 Euro. Es geht aber noch einfacher: Bei der Anzahl der Story-Viewer reicht oft ein Screenshot aus, um Unternehmen die Reichweite mitzuteilen – wobei die Anzahl der Zuschauer ganz einfach in Microsoft Paint bearbeitet werden kann. Eine Null mehr und aus 500 Views werden 5000.

Rezo im Interview über gekaufte Followerzahlen und Nindo 

Und was hat CDU-Zerstörer Rezo damit zu tun? Der YouTuber hat mit seinem Team eine eigene Social-Media-Statistikseite gebaut: Nindo dient zur Messung der Reichweite von Influencern. Aber nicht nur. Bei einem Vortrag und Workshop auf dem Influencer-Festival „Online Marketing Rockstars 2022“ in Hamburg erklärt Rezo unserer Redaktion, wie genau Influencer ihre Werbekunden an der Nase herumführen – und wie er mit Nindo (Pro) helfen will. Wir haben bei dem selbsternannten Nerd vor Ort nachgefragt – folgt etwa bald die Zerstörung der Influencer?

Falls Du keine Ahnung haben solltest, wer die Elevator Boys sind: Hier kannst Du eines ihrer TikTok-Videos anschauen.

Du hast in Deinem Vortrag Deine Masterarbeit in Informatik erwähnt. Kannst Du beschreiben, um was es ging?

Ich habe in meiner Masterarbeit über automatisierte Anomalie-Erkennung in Netzwerken geschrieben. 

Das heißt für Laien wie mich, die davon keine Ahnung haben…?

…dass ein Computer bei einem Netzwerk erkennt, wenn etwas merkwürdig ist und auch in die die Zukunft projizieren kann, wie es wahrscheinlich sein wird.

Was hat das genau mit Influencern zu tun oder mit dem, was Du bei Nindo machst?

Bei Nindo wollen wir unter anderem Auffälligkeiten in Daten erkennen – bei Influencerinnen und Influencern. Und manipuliertes Verhalten von Influencerinnen und Influencern gegenüber ihren Werbekunden aufdecken und einordnen.

Nach Deinem Vortrag habe ich mir gedacht: Ich kann mir ganz einfach ein paar Follower und Likes für meine Posts kaufen – und so berühmt werden. Kann demnach jeder Influencer werden?

Ja, jeder kann sich Follower und Likes kaufen und von außen erst einmal so aussehen, wie ein großer Influencer oder Influencerin. Ich glaube auch, dass man viele Werbekunden damit auch verarschen und viel Geld von denen für Werbepostings bekommen kann. Wobei da keine wirkliche Werbeleistung dahintersteckt. Es sei denn, die Werbekunden haben die Expertise und die Tools, um das rauszufinden. 

Wie gängig ist das [das Kaufen von Likes und Followern] in der Influencer-Szene? Macht das jeder?

Das machen mehr als die meisten denken. Und vor allem: Immer mehr machen das. Insbesondere die Manipulationsarten, die schwieriger zu erkennen sind – die wir bei Nindo aber sehr gut erkennen. Ansonsten kann das weltweit kein anderes Tool. 

Welche Auswirkungen hat das?

Die Auswirkung ist in erster Linie einfach, dass Marken, die Geld für Influencer-Marketing ausgeben, Geld verschwenden. Das ist die Hauptauswirkung. Man tut nicht der breiten Masse weh, sondern im Grunde genommen den großen Marken, die Werbegeld ausgeben für Leistungen, die dann doch gar nicht so gut sind wie die Zahlen, die sie scheinbar bekommen. 

Da setzt ihr als Nindo an? Ihr helft den Marken, damit die nicht von den Influencern und Influencerinnen veräppelt werden?

Genau.

Kannst Du das genauer erklären?

Es ist schwierig, das runter zu brechen. Wir bieten bei Nindo verschiedene Arten von Hilfestellungen an – nicht nur blanke Daten, sondern auch Vorerkennungen von Leistungen, sowie Einordnungen dieser Auffälligkeiten. Das heißt, selbst wenn eine Auffälligkeit einen guten Grund hat und gar kein Botting und manipulierendes Verhalten ist, dann wird das eingeordnet. Bei uns hat man alle Tools, alle Hilfsmittel, um mit wenigen Klicks alle Informationen zu bekommen, die Dich [Anm. d. Red.: Unternehmen] sonst Wochen oder Monate kosten. 

Mehr Informationen:

Botting meint im Falle von Influencern, dass die Anzahl der Likes, Follower oder Zuschauerzahlen mithilfe von Tools künstlich gesteigert wird – weil sie gekauft sind. In einer Datenübersicht sieht man dann beispielsweise, wie die Grafikkurve schlagartig in die Höhe springt. Ist das automatisch ein Hinweis für ein Bot? Nicht unbedingt. Wenn ein Promi das erste Foto seines Babys postet, kann die Likezahl ähnlich schnell und hoch ansteigen. Ob es sich um Botting handelt oder nicht, das können Analysetools wie Nindo herausfinden.

Wann kommt die Zerstörung der Influencer?

Hm. Das ist eigentlich eine gute Idee, ne? 

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