Bei Whatsapp oder Instagram : Warum wir Fotos unserer Babys nicht einfach im Netz teilen sollten

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So süß, das Foto muss doch geteilt werden! Oder etwa nicht?
So süß, das Foto muss doch geteilt werden! Oder etwa nicht?

Viele Eltern teilen Bilder ihrer Kinder im Internet, ohne über die Folgen nachzudenken. Dabei sollten sie einige wichtige Punkte beachten.

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17. Juli 2021, 10:04 Uhr

Hamburg | In diesem Text erfährst Du:

  • Welche Gefahren beim Posten von Kinderfotos lauern.
  • Warum Du über jedes Bild, das Du im Netz von Deinen Kindern teilst, nachdenken solltest.
  • Welche Tipps Du vorher beachten solltest.

Eines der kleineren, aber doch realen Probleme junger Eltern: Der Handyspeicher ist dauernd voll wegen der ganzen, unglaublich süßen Fotos, die man vom Nachwuchs macht. Jeder neue Gesichtsausdruck, jedes süße Outfit – alles muss festgehalten werden. Und natürlich möchte man die Bilder des süßesten Kindes überhaupt auch mit anderen teilen. Mit den Großeltern, die ähnlich begeistert sind, mit Freunden, die weiter weg wohnen, eigentlich soll am besten die ganze Welt erfahren, was für ein unglaubliches Kind man hat.

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Wie ginge das besser, als über das Internet? Bei Facebook oder Instagram gepostet, per Whatsapp verschickt: Gerade in Zeiten von Corona, wenn persönliche Begegnungen schwierig sind, werden die Bilder der Nachwuchses in die Welt geschickt, um Familie und Freunde teilhaben zu lassen am Familienglück. Doch bei jedem Verständnis für den Stolz verliebter Eltern, warnen Experten regelmäßig vor den Gefahren, die hinter dem Posten von Kinderfotos stecken können:

Heute niedlich, morgen peinlich

Eltern fotografieren ihre Kinder in allen Lebenslagen: Sie finden es niedlich, wie das Kind auf dem Töpfchen fast einschläft – für das Kind kann ein solch privater Moment später aber ein Grund zur Scham sein, auch Spott und Mobbing können Folgen sein. Ralph Schliewenz, Beauftragter des Präsidiums für Kindeswohl und Kinderrechte beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, empfiehlt Eltern, sich vor dem Posten von Fotos und Videos in das Kind hineinzuversetzen und in die Zukunft zu denken. "Auch eine Situation, auf die mein Kind vielleicht heute stolz ist, kann in fünf Jahren mega-peinlich sein und es als Jugendliche in seinem Selbstbild treffen und verletzen", sagt der auf Kinder und Jugendliche spezialisierte Psychotherapeut.

Missbrauch von Kinderbildern

Man möchte als Eltern diesen Gedanken am liebsten ganz weit weg schieben, doch es gibt Menschen, die das Bild eines Kindes in Badekleidung stimuliert. "Fotografiere ich meine Kinder beim Strandurlaub, sind vielleicht Bilder in Badesachen dabei, bei ganz kleinen Kindern vielleicht aufgrund der Wärme sogar ohne Kleidung. Landen diese im Netz, können sie sich schnell verbreiten", so Kristin Langer von der Initiative "Schau hin! Was Dein Kind mit Medien macht".

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Eltern sollten auf das Teilen von Fotos, die Kinder in solchen und ähnlichen Situationen zeigen, verzichten. Es gebe Menschen, die diese Art von Fotos suchen, um sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen: "Das ist nicht selten, und als Eltern sollte man sich die Frage stellen: Möchte ich möglicherweise dazu beitragen, dass Menschen solche Bilder von meinem Kind als Ansichtsmaterial bekommen? Hier ist es gut und wichtig, wenn Eltern die Privatsphäre der Familie wahren." Denn ist ein Bild erst im Netz, kann es kopiert und missbraucht werden.

Empfängerkreis einschränken

Daher ist es umso wichtiger, sich zu überlegen, wo man ein Bild teilt. Bei sozialen Netzwerken ist es ratsam, das Profil so einzustellen, dass nur Freunde und Familie die geteilten Fotos sehen können. Doch auch wenn sich der Rahmen dadurch privater anfühlt, bleibt es wichtig, die Bilder kritisch zu hinterfragen.

Auch bei Whatsapp werden gerne Kinderbilder geteilt. Passt man nicht auf, entwickeln diese ein Eigenleben: Gestern noch der begeisterten Oma ein Foto geschickt, ist es heute schon auf deren Arbeitsstelle im Umlauf, da sie es mit der Kollegengruppe geteilt hat. Da gilt es ein Bewusstsein bei Familienangehörigen und Freunden zu schaffen, dass private Schnappschüsse auch privat bleiben sollen.

Übrigens ist das Whatsapp Profilbild öffentlich einsehbar, wenn man das nicht gesondert einstellt.

Smiley im Gesicht

Möchte man die Fotos der Kinder hingegen auf einem öffentlichen Profil teilen, raten Experten, die Kinder unkenntlich zu machen. Mediencoachin Langer rät für Fotos, auf denen das Gesicht zu sehen ist, dem Kind eine Sonnenbrille aufzusetzen. "Oder man nimmt eine Kopfbedeckung, durch die ein Teil des Gesichtes abgeschattet ist." Eine weitere Möglichkeit ist das nachträgliche Bearbeiten der Bilder, indem etwa das Gesicht verpixelt oder mit einem Smiley bedeckt wird.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

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