Junge Corona-Patientin im Sterben : „Covid-19 kann jeden treffen“: Australien schockt mit Impfkampagne

shz+ Logo
'Die folgenden Aufnahmen könnten verstörend wirken' lautet die Warnung vor dem Clip. Tatsächlich steht die Kampagne aber auch aus einem anderen Grund in der Kritik.
"Die folgenden Aufnahmen könnten verstörend wirken" lautet die Warnung vor dem Clip. Tatsächlich steht die Kampagne aber auch aus einem anderen Grund in der Kritik.

Die australische Impfwerbung stößt auf viel Kritik. Besonders das Alter der Schauspielerin finden viele unangemessen.

Exklusiv für
shz+ Nutzer
shz+ Logo

Avatar_shz von
13. Juli 2021, 13:15 Uhr

Canberra | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wieso die Impfkampagne der australischen Regierung auf Kritik stößt.
  • Warum junge Menschen in Australien noch nicht geimpft werden können.
  • Wie sich die Verantwortlichen verteidigen.

Eine junge Frau liegt in einem Krankenhausbett und ringt nach Luft. In ihrer Nase stecken Beatmungsschläuche. Verzweifelt schaut sie in die Kamera. Was sich nach einer dramatischen Film-Szene anhört, ist in Wirklichkeit Teil der Impfkampagne der australischen Regierung. Vor den Clip haben die Verantwortlichen eine Warnung eingeblendet: "Die folgenden Aufnahmen könnten verstörend wirken."

Hier kannst Du Dir das Video anschauen – wenn Du willst:

Tatsächlich sorgt die Werbung jetzt aber aus einem anderen Grund für Diskussionen. Dem Alter der Schauspielerin nach zu urteilen ist sie nämlich an jüngere Menschen gerichtet. Die Botschaft: "Covid-19 kann jeden treffen". Das Problem: Wer unter 40 Jahre alt ist, kann in Australien derzeit noch gar keine Impfung mit dem von der Regierung empfohlenen Pfizer/Biontech-Impfstoff bekommen, weil nicht genügend vorhanden ist. Der Impfstoff von Astrazeneca steht zwar zur Verfügung, wird aber von der Regierung für die Altersgruppe von 16 bis 59 Jahren nicht empfohlen.

Mehr #neo gibt's hier:

Für junge Menschen gibt es keinen Impfstoff

"Covid-19 kann jeden treffen. Bleibt zu Hause. Lasst euch testen. Bucht euren Impftermin", lautet der Appell der Regierung am Ende des Videos. Besonders der letzte Satz stieß den Kritikern sauer auf: "Komplett unanständig, so eine Anzeige zu schalten, während Australier in dieser Altersgruppe immer noch auf ihre verdammte Impfung warten müssen", schrieb Fernsehmoderator Hugh Riminton bei Twitter. Bill Bowtell von der Universität von New South Wales, der als Berater für strategische Gesundheitspolitik arbeitet, nennt den Clip gegenüber dem US-Sender "CNN" "auf jede Art verkehrt".

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Ziel der Werbung sollen Fernsehzuschauer und Internet-User im Großraum Sydney sein. Dort befinden sich gerade Millionen Menschen in einem wochenlangen Lockdown, weil die Delta-Variante des Coronavirus den größten Ausbruch seit längerer Zeit verursacht hat. Nur 10 Prozent der australischen Bevölkerung ist bislang vollständig geimpft.

Die Verantwortlichen gehen in die Offensive

Das Gesundheitsministerium hat die Anzeige jedoch verteidigt. In Anbetracht der Lage in Sydney habe man sich bewusst "für drastische Bilder" entschieden, um "der Botschaft Nachdruck zu verleihen", erklärte der australische Chief Health Officer Paul Kelly laut der "BBC" bei einer Pressekonferenz.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Premierminister Scott Morrison, der wegen seiner Corona-Politik in der Kritik steht, verteidigte die drastische Bildauswahl und ging weniger auf die Impfstoffengpässe ein. Bei "Sky News Australia" sagte er: "Vor ein paar Wochen haben dieselben Kritiker noch gefordert, dass die Anzeigen heftiger werden sollten, viel heftiger."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen