Geschlechtsneutrale Sprache : Warum „Muttermilch“ nicht mehr „Muttermilch“ heißen soll

Nicht nur Mütter können stillen. (Symbolbild)
Nicht nur Mütter können stillen. (Symbolbild)

Keine "Muttermilch" mehr: In zwei britischen Kliniken bemüht sich das Personal um eine geschlechtsneutrale Sprache.

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23. April 2021, 13:30 Uhr

Brighton | In diesem Artikel erfährst Du:

  • warum sich das Personal zweier britischer Kliniken für eine geschlechtsneutrale Sprache einsetzt
  • welche Wörter statt Mutter oder Vater genutzt werden
  • wie auf diese Weise Diskriminierung verhindert werden soll

Sprache hat Macht. Welche Worte wir benutzen, sagt etwas darüber aus, wer wir sind. Und diese Worte können Menschen willkommen heißen, aber auch ausschließen. In den Universitätskliniken in Brighton und Sussex bemüht sich das medizinische Personal nun seit mehreren Monaten um eine Sprache, die niemanden diskriminiert. So wurde aus der "Muttermilch" die "Menschenmilch" (human milk) oder auch die "Milch des stillenden Elternteils".

Mehr Artikel aus unserem neuen Ressort #neo findest Du hier:

Wieso das alles? Weil nicht nur Menschen, die sich als Frau oder Mutter definieren, Kinder gebären oder auch stillen können. Durch die zusätzlichen Begriffe sollen sich trans- und nicht-binäre Eltern auf der Geburtenstation willkommen fühlen. Sie werden nicht mehr von vorneherein als Mutter oder Vater definiert, sondern als "Elternteil" (parent) oder "Co-Elternteil" (co parent).

Große Kritik an dem Projekt

Angestoßen und auch wissenschaftlich begleitet hat das Projekt die Hebamme Helen Green. In einer Erklärung zu dem Projekt stellen Green und die anderen Verantwortlichen klar, dass die gewohnten Begriffe nicht verschwinden sollen.

Die große Mehrheit der Personen, die durch eine Hebamme betreut werden, sind Frauen. Für sie haben wir bereits eine Sprache, mit der sie sich wohlfühlen. Wir werden sie auch weiterhin als schwangere Frauen bezeichnen. Die Begrifflichkeiten, mit denen wir unsere Sprache ergänzen, sollen sicherstellen, dass jeder Mensch von uns individuell betreut wird. Gender Inclusion Language Guidance in Maternity Services at BSUH

Ziel der neuen Sprachregelung sei es, "die historische Ausgrenzung von trans- und nicht-binären Menschen auf den Geburtsstationen wiedergutzumachen". Frauen würden im Gesundheitswesen häufig vernachlässigt, genauso wie trans- und nicht-binäre Menschen. Deswegen sollen sie weiterhin bewusst angesprochen werden, betonen die Verfasser. Doch es helfe den Frauen bestimmt nicht, wenn eine andere Gruppe marginalisiert werde – egal wie groß diese sei.

Mehr zu diesem Thema und den Reaktionen darauf erfährst du im Podcast "Nachschlag":

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Die Änderung von Begrifflichkeiten könne einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Betroffenen haben, so die Verfasser. Sie haben sich laut eigener Aussage mit trans- und nicht-binären Menschen aus ihrer Gemeinde getroffen und zusammen die Richtlinien erarbeitet.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Nachdem die Kliniken mit ihrer Idee das erste Mal an die Öffentlichkeit gingen, hagelte es Kritik. In den Sozialen Netzwerken stellte das beteiligte Personal inzwischen klar, dass es sich um eine Ergänzung der Begrifflichkeiten handele – und nicht um eine Verbannung der bisherigen Ausdrücke.

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