Start-up plant Massenherstellung : Billiger, nachhaltiger, gesünder: Essen wir bald alle Fleisch aus dem Labor?

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Im Labor erzeugtes Fleisch ist längst Wirklichkeit. Doch wann landet es auf unseren Tellern?
Im Labor erzeugtes Fleisch ist längst Wirklichkeit. Doch wann landet es auf unseren Tellern?

Fleisch, das wie Fleisch schmeckt, aussieht, riecht, aber für das kein Tier sterben muss: In-vitro-Fleisch soll die Lebensmittelwelt revolutionieren. Doch was steckt hinter dem Hype?

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21. Juli 2021, 16:45 Uhr

Hamburg | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Was sich hinter dem Begriff In-vitro-Fleisch verbirgt.
  • Wie ein israelisches Start-up das weltweite Essverhalten verändern will.
  • Wann es auf unserem Teller landet.

Dass sich etwas ändern muss, darin sind sich Experten einig: Der weltweite Fleischkonsum darf, wenn Klimaziele eingehalten werden sollen, nicht weiter steigen. Doch genau damit wird gerechnet. Bis 2050 soll die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen ansteigen. Auch der Wohlstand auf der Welt wächst, wodurch in den kommenden 30 Jahren eine Steigerung des Fleischkonsums von 50 bis 70 Prozent prognostiziert wird. Für die Zukunft sehen viele Experten daher nur zwei Möglichkeiten: Wir essen kein Fleisch mehr – oder wir finden einen Ersatz.

Mehr #neo gibt es hier:

Es gibt inzwischen viele Alternativen zu Fleischprodukten, aus Tofu oder Soja oder anderen pflanzlichen Lebensmitteln. Doch all diese Möglichkeiten scheinen nicht auszureichen, um den Fleischkonsum wirklich zu reduzieren. Denn viele Menschen wollen keine Alternative, sie wollen Fleisch. Den Geschmack, die Konsistenz und das Aussehen.

Fleisch, das gut für die Umwelt ist

All diese Punkte kann In-vitro-Fleisch erfüllen: Es ist wie Fleisch, wird aber ohne Tiere erzeugt. Dabei werden tierische Zellen künstlich im Labor hergestellt, wodurch nicht nur das Leben der Tiere verschont bleibt. Auch die Belastung der Umwelt würde geringer ausfallen. Es wird erwartet, dass bei der Herstellung von kultiviertem Fleisch zwischen 80 und 90 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen erzeugt, bis zu 90 Prozent weniger Wasser verbraucht und über 90 Prozent weniger Land benötigt werden wird als bei der Fleischproduktion.

Heute kommen etwa ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen aus dem Ernährungssektor, die Hälfte davon aus der Fleischproduktion. Somit hätte ein Umschwenken auf künstliches Fleisch einen enormen Einfluss auf die Umwelt. Aber wichtig zu bedenken: Bisher muss man sich bei all diesen Angaben auf die forschenden Firmen verlassen. Angaben zum Beispiel zur Ökobilanz wird es erst geben, wenn ein fertiges Produkt samt Erzeugungskette veröffentlicht wird.

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Doch damit in-vitro Fleisch eine wahre Alternative wird, muss auch der Preis stimmen. Das israelische Start-up Future Meat Technologies ist in diesem Punkt auf einem guten Weg. Wie "t3n" berichtet, hat das Unternehmen vor Kurzem eine Fabrik für künstliches Fleisch 20 Kilometer südlich von Tel-Aviv eröffnet. Laut eigenen Angaben, soll es die erste industrielle Fertigungsstätte weltweit sein. Dort soll pro Tag eine halbe Tonne Fleisch entstehen können.

Wann liegt das erste Labor-Fleisch im Supermarkt?

Bisher entsteht in-vitro Fleisch nur im Labor, wodurch nur kleine Mengen zu einem hohen Preis erzeugt werden können. Das muss sich ändern, wenn Fleisch aus Zellkulturen eine wirkliche Alternative zu Fleisch aus der Massentierhaltung sein will. Gegenüber "Bloomberg" sagte Future-Meat-Chef Rom Kshuk, dass sein Unternehmen inzwischen nur noch vier US-Dollar für 100 Gramm kultiviertes Hühnerfleisch zahlt.

Der Preis soll mit wachsenden Produktionsanlagen noch weiter sinken: Bis Ende 2022 soll er auf zwei Dollar fallen. Doch bis das Fleisch zu einem massentauglichen Preis in unseren Supermärkten liegt, werden noch einige Jahre vergehen. Zuerst hat das Unternehmen den US-Markt im Visier und bemüht sich dort gerade um die entscheidenden Genehmigungen.

Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Future Meat ist nicht die einzige Firma, die im Bereich In-vitro-Fleisch unterwegs ist. Laut "t3n" beschäftigen sich weltweit mehr als 74 Firmen mit Fleisch aus Zellkulturen. Eat Just servierte Ende 2020 das erste im Labor gezüchtete Hühnchen in einem Restaurant in Singapur.

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