Benachteiligung durch Modeindustrie : Liebe Modewelt, gebt uns Frauen endlich größere Hosentaschen!

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Die Taschen an Frauen-Jeans sind kleiner als die der Männer– das belegen sogar Daten.
Die Taschen an Frauen-Jeans sind kleiner als die der Männer– das belegen sogar Daten.

Die Taschen an Frauenhosen sind kleiner als die der Männer; das belegen sogar Daten. Warum das nervt, wer daran Schuld ist und was sich dringend ändern muss – ein Plädoyer für größere Hosentaschen für Frauen.

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19. Juli 2021, 14:17 Uhr

Hamburg | In diesem Artikel erfährst Du:

  • Was an Frauen-Hosentaschen so stört.
  • Was in die Tasche passen sollte.
  • Wie die Modeindustrie die Entwicklung beeinflusst hat.

Wie viele andere auch gehöre ich zu den Menschen, die nicht so "mir nichts, dir nichts" ihren Browser-Verlauf am Computer offenlegen würden. Es gibt schließlich Website-Besuche, für die man sich schämt. Meine "Guilty-Pleasure"-Seite heißt "Gutefrage.net". Bei vielen Google-Suchen ("Wie wechsele ich einen Duschschlauch?", "Warum ist mein W-Lan so langsam?") lande ich am Ende dort – weil ich einfach neugierig bin, was die Community zu den großen und kleinen Fragen des Lebens zu sagen hat. Die letzte Frage, die meine Aufmerksamkeit erregt hat: "Warum sind bei Frauen die Hosentaschen kleiner?"

Die Antworten der Online-Gemeinde trudelten prompt ein: "Frauen haben meistens eine Tasche dabei", hieß es. "Vielleicht liegt das daran, dass Frauen im Allgemeinen kleinere Hände haben", spekulierte jemand anderes. Ein User namens "Burgfrieden" gab zu Protokoll: "Weil Männer mehr Geld haben und ihre Kohle irgendwo verstauen müssen." Uff.

Mehr #neo gibt es hier:

Die Antwort auf die Frage der kleinen Frauen-Hosentaschen liegt übrigens in der Mode-Geschichte: Männerkleidung sollte funktional und Frauenkleidung dekorativ sein – das soll auch Modedesigner Christian Dior 1954 gesagt haben. Und obwohl er wahrscheinlich ein besseres Gespür für Ästhetik hatte als ich, nervt mich diese Design-Strategie. Ich möchte doch einfach nur meinen Kram mitnehmen können!

Das möchte ich mitnehmen können – ohne Handtasche

Vielleicht stört mich besonders am Hosen-Problem, dass ich immer eine Handtasche mitschleppen muss. Ich will ja gar nicht viel: Schlüssel, Portemonnaie, Smartphone, Kopfhörer und – im Jahr 2021 – natürlich eine Maske müssen mit. Das sehe übrigens nicht nur ich allein so: Seit ein paar Jahren machen Frauen bei Social Media unter dem Hashtag #wewantpockets ihrem Ärger Luft. Wer nicht gerade selber schneidern kann, muss sich nämlich den Vorgaben der Modeindustrie unterwerfen – und sich mit kleinen Taschen, Fake-Taschen oder gar keinen Taschen an Hose und Rock arrangieren.

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Daten belegen: Frauen-Hosentaschen sind wirklich kleiner

Und wer bis jetzt immer noch nicht glaubt, dass der Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Hosentaschen so groß ist, kann sich von einer Nachforschung von "The Pudding" überzeugen lassen. Zwei Autorinnen haben 80 Hosentaschen genau vermessen und verglichen. Heraus kam ein fast schon erschütterndes Ergebnis: Die Frauen-Vordertaschen der großen Jeansmarken sind bei enganliegenden Modellen durchschnittlich um 48 Prozent kürzer und 6,5 Prozent enger als die der Männer.

Neben den Männern profitiert von diesem System besonders die Handtaschen-Industrie. Schließlich muss man seine Habseligkeiten irgendwo verstauen können.

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Warum gibt es überhaupt einen Unterschied?

Halten wir also fest: Es gibt einen Gender-Hosentaschen-Gap. Das war allerdings nicht immer so. Im Mittelalter trugen Männer und Fragen gleichermaßen eine Tasche, die sie um die Taille banden und unter den Klamotten versteckten. Im 17. Jahrhundert wurden Männer-Jacken und -Hosen dann mit Taschen ausgestattet – während Frauen weiter mit der Bauchtasche herumlaufen mussten. Darin fanden dann Berichten zufolge zum Beispiel Bonbons, ein Kamm und eine Flasche Gin Platz (ich vermute, um mit dem Frust über den Mangel an eingenähten Taschen umgehen zu können).

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Dieser Text gehört zu unserem neuen Ressort #neo, das sich speziell an junge Leserinnen und Leser richtet. Mehr Infos und alle Texte findest Du hier.

Im 18. Jahrhundert veränderte sich dann der Schnitt der Frauenkleider: Taillen und Silhouetten wurden schmaler. Die Bauchtaschen am Körper ebenso - oder sie verschwanden ganz. Die öffentliche Meinung dazu: Frauen hätten schon "vier Wölbungen" (gemeint sind damit Brüste und Hüften) am Körper. Eine Tasche im Kleid wirke da wie eine "unvorteilhafte fünfte", berichtet der "Spectator" über die Zeit. Es ging also, damals wie heute, um Gleichberechtigung. Bitte, liebe Modewelt: Gebt uns endlich größere Hosentaschen!

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