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Sowerby-Zweizahnwal : Nach 100 Jahren: Seltene Walart in der Ostsee aufgetaucht

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Aus der Onlineredaktion

Flosser bei Wismar gestrandet: Bei dem Ostsee-Irrgast handelt es sich um einen seltenen Sowerby-Zweizahnwal.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2015 | 12:04 Uhr

Wismar | In der Wohlenberger Wiek vor Mecklenburg-Vorpommern schwimmt seit Tagen ein überaus seltener Sowerby-Zweizahnwal, auch Flosser genannt. Der Schnabelwal, der am Freitag an der Ostseeküste vor Mecklenburg-Vorpommern gestrandet war, mache einen aktiven Eindruck, sagte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Das 3,5 bis vier Meter lange Tier jage Fischen hinterher und sei sogar beim Springen beobachtet worden.

Vier Forscher des Meeresmuseums sind inzwischen in der Wohlenberger Wiek unterwegs, um den Wal zu beobachten. Dieser war am Freitag von Anglern nach seiner Strandung ins tiefere Wasser geschoben worden. Nach Auswertung von neuen Aufnahmen sind sich die Meeresbiologen sicher, dass es sich um einen jungen Sowerby-Zweizahnwal (Mesoplodon bidens) und nicht - wie anfangs vermutet - um einen Entenwal handelt. Der letzte und einzige Nachweis dieser Art vor deutschen Ostseegewässer stammt aus dem Jahr 1913. Ostseeweit gab es seit 1880 insgesamt elf Nachweise. Sowerby-Zweizahnwale bevorzugen Wassertiefen von 500 bis 2000 Metern.

Typische Merkmale wie die im Vergleich zu Entenwalen flachere Stirnwölbung (Melone) und dunkel umrandete Augen deuten auf die auch als „Nordsee-Schnabelwal“ bekannte Art hin, sagte Benke. Inzwischen gebe es Nahaufnahmen vom Schädel, auf denen der Wal eindeutig identifizierbar sei. Lediglich beim Geschlecht sind sich die Meeresbiologen noch unsicher. Männliche Tiere sind an den häufig starken Narben am Rücken und an den Flanken zu erkennen. Diese stammen von Rivalenkämpfen. Außerdem ragen den erwachsenen Männchen zwei Zähne aus dem Unterkiefer, daher hat die Spezies auch ihren Namen.

Das Tier ist nach Angaben des Meeresmuseums als Irrgast in die Ostsee gelangt. Die Forscher hoffen, dass es den Weg zurück in sein natürliches Verbreitungsgebiet - in Nordsee und Atlantik - findet.

Nicht weit von der Fundstelle des Schnabelwals entfernt war nach Benkes Angaben 2006 ein Finnwal gestrandet. Er hatte den Ausgang aus der Wohlenberger Wiek nicht gefunden und war verendet.

Auch die Buchten Schleswig-Holsteins sind in den letzten Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Wale geworden. Mitte Juli besuchte ein Finnwal die Flensburger Förde. Auch unvergessen ist der junge Finnwal „Henry“, der 2006 dem Flensburger Innenhafen einen Besuch abstattete. 2012 wurde vor Sonwik ein Weißwal (Beluga) gesichtet. Im Sommer 2014 traten erstmals seit der Aufzeichnung von Walbeobachtungen zwei Buckelwale gleichzeitig in der Ostsee ins Kameralicht, ebenfalls in der Flensburger Förde. Im vergangen Mai hatte sich laut Augenzeugen ein Buckelwal in die Eckernförder Bucht verirrt, der später anscheinend auch in Sonderburg gesehen wurde. 1911 strandete vor Westerholz (Kreis Schleswig-Flensburg) ein knapp 20 Meter langer Finnwal und verendete dort: Ein deutschlandweites Sensationsereignis, das Tausende Schaulustige an den Strand lockte. An den verendeten Koloss erinnert heute ein Gedenkstein.

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