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Musik : Zwischen Jazz und Klassik: «Riomar» mit Nils Wogram

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Von Annette Meinke-Carstanjen, dpa Berlin (dpa) - Das neue Album der Jazzband Root 70 um den Posaunisten Nils Wogram heißt «Riomar». Es ist das sechste Album dieser Formation und ein fantastisches Beispiel dafür, wie sich Jazz und Klassik auf hohem Niveau kombinieren lassen.

Nils Wogram hält wenig davon, mit ständig wechselnden Musikern zu arbeiten. Der Posaunist und Bandleader ist ein Verfechter des gewachsenen Ensembleklangs. Wogram sucht nach künstlerischer Tiefe, nach Bleibendem. Doch festlegen will er sich nicht: Die Suche nach neuen Ausdrucksformen treibt ihn an und um. Dafür steht seine Jazzband Root 70, mit der er seit vielen Jahren zusammen arbeitet. Für sein neues Album «Riomar» hat er das Quintett nun um drei Streicher erweitert. Gerdur Gunnarsdottir an der Violine, Gareth Lubbe an der Viola und Adrian Brendel am Cello.

Die Stücke auf «Riomar» stammen bis auf eine aus der Feder des 40-jährigen Wahl-Zürichers. Es sind 10 Kompositionen, harmonisch dicht und kompakt. Der Einstieg mit «Lisboa» ist mit den Streichern klassisch inszeniert. Stotternd und erschütternd mit lethargischen Freejazz-Ansätzen folgt «Vacation without Internet». Der Titelsong «Riomar» liefert klare Unisonolinien, die anschließend den Weg frei machen für improvisierte Soli. «Don't Believe» besticht durch einen wunderbaren Teppich der Streicher und Rhythmusgruppe. Gezackte Dissonanzen sind in «Mental Isolation» zu hören.

«Ich wollte niemals bestimmte Aspekte meines Spiels in den Vordergrund stellen, sondern es ging ausschließlich um den Gesamtsound,» sagte Wogram dem Plattenlabel. Er habe hauptsächlich den Klang der kompletten CD im Ohr gehabt. Grundsätzlich empfindet der Posaunist die neue CD von Root 70 mehr aus einem Guss als seine vorangegangenen, die er mit Hayden Chisholm am Saxofon, Pianist Simon Nabatov, Bassist Matt Penman und Schlagzeuger Jochen Rückert eingespielt hat.

In «Playing the game» wird die rhythmische Spannung kontrastiert durch eine knurrende Melodie. Es hört sich an wie eine musikalische Flut, die in «Seeing the New in the Old» zur Ebbe wird. In «Unformly Uniformed» fallen die Musiker in eine Schwere, gleich einem Choral, der von Wograms lyrischer Posaune bestimmt wird. Diese Schwere wird massiver in «Song for Bernhard», eine Art Requiem. «Traveling home» setzt mit melancholisch gespielten Glissandi den Schlusspunkt der Scheibe.

Website Nils Wogram

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erstellt am 08.Okt.2013 | 16:17 Uhr

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