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Musik : Zerrissene Songs von King Krule

vom

In letzter Zeit haben einige Jungspunde die Musikszene gehörig aufgemischt. Jake Bugg war erst 18, als sein Debütalbum erschien und Tom Odell veröffentlichte «Long Way Down» mit 22. Beide schafften es mit ihren Alben auf Platz eins der britischen Charts und wurden prompt als Wunderkinder bezeichnet.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 08:07 Uhr

Das Label haftet auch Archy Marshall an, der gerade mal 19 Jahre alt ist und mit «6 Feet Beneath The Moon» jetzt sein Debütalbum unter dem Namen King Krule an seinem Geburtstag veröffentlicht hat. Ob er es damit ebenfalls auf Platz 1 der UK-Charts schafft - man weiß es nicht, denn sein Album ist weder besonders eingängig, noch lässt es sich eindeutig einem Genre zuschreiben. Der Bursche macht mit seiner Stimme und seiner Gitarre, was er will - und das verdammt gut.

Dass er plötzlich als Stimme seiner Generation gefeiert und gehypt wird, einer desorientierten und frustrierten Jugend, ist ihm aber überhaupt nicht recht. «Ich bin desillusioniert, aber ich will mir nicht zusätzlich zu meiner Last auch noch die Last anderer aufbürden», sagte der Newcomer im Interview mit dem «Guardian».

Dabei kommt Archy Marshall nicht urplötzlich aus dem Nichts. Er hat schon vor drei Jahren unter dem Namen Zoo Kid einige Songs veröffentlicht, die bereits für ziemliche Begeisterung sorgten. Jetzt folgt mit «6 Feet Beneath The Moon» ein neuer Schub.

Der Opener «Easy Easy» ist ein noch recht eingängiges, karg gehaltenes Singer-Songwriter-Stück mit Hit-Appeal, aber schon mit «Has This Hit» verlässt King Krule mögliche Popgefilde und mäandert wild drauf los. Mit seiner recht dunklen, aufgerauten Stimme - kommt möglicherweise von den vielen Zigaretten - stößt er die Wort mehr hervor, als das er sie singt - und erinnert hierbei an Punk-Poeten wie John Cooper Clark oder auch Joe Henry. Dazu schlurft die Gitarre nach ordentlichen Paukenschlägen scheinbar ziellos im Raum. Hier driftet alles auseinander, um doch immer wieder auf den Punkt zu kommen. Ein spannendes Stück Avantgarde-Pop, gewöhnungsbedürftig, aber zündend.

Jazz, Soul, Dub, Ska, Swing, die Fifties, Blues und weiß der Himmel was noch - man kann eine Menge Einflüsse in den Songs von King Krule ausmachen, aber es sind doch nur gelegentliche Versatzstücke einer ganz originären und sprunghaften Musik, die eine nervös-relaxte Intensität besitzt, die einen in verstörende Unruhe versetzt - wild und ungestüm - und dann doch wieder ganz «smooth» daherkommt. Sind das überhaupt noch Songs im herkömmlichen Sinn? King Krule hat jedenfalls seine ganz eigene Vorstellung davon.

Website King Krule

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