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Musik : Smith Westerns: Retro-Pop in aller Unschuld

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«Sind das die Beatles, oder hören die sich nur so an?» Dass der 16-jährige Sohn (und Fab-Four-Fan) erstaunt und anerkennend auf den Opener des neuen Albums der Smith Westerns reagiert, ist beileibe kein Zufall.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2013 | 09:12 Uhr

Denn der dritte Longplayer dieser Band aus Chicago hat den prachtvollsten Sixties-Pop zu bieten, den man sich in der Erbfolge von John, Paul, George und Ringo gerade noch ausdenken darf, ohne des Plagiats überführt zu werden. Die 39 Minuten von «Soft Will» (Mom+Pop/Pias/Cooperative) entführen in eine Ära, als verschwenderisch schöne Melodien und üppige Arrangements noch voller Unschuld entworfen wurden. Als noch nicht 40 Jahre geballtes Wissen über Popmusik den Weg zum perfekten Song erschwerten.

Die jungen Burschen von Smith Westerns wissen, dass der Stein der Weisen in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern liegt: bei den silbrigen Gitarren-Klängen von George Harrison und in der Süße McCartneyscher Harmonien, aber auch beim Powerpop der US-Kultband Big Star, dem Jingle-Jangle-Sound der Byrds, der Komplexität von Pink Floyd oder den Elegien der Beach Boys.

Bands wie die Smith Westerns laufen immer Gefahr, es dem Electric Light Orchestra und unzähligen anderen nachzutun - als Epigonen einer goldenen Pop-Dekade. Und natürlich legen das McCartney-Piano, der markante Ringo-Schlagzeugwirbel und das amtliche Harrison-Gedächtnissolo die Wurzeln von «3am Spiritual» überdeutlich offen. Auch auf dem anschließenden «Idol», ja eigentlich bei allen anderen Songs von «Soft Will» kann man das Spiel «Spot The Influence» spielen: Wo kommt diese oder jene Idee her, welcher Pop-Gigant hat das schon vorher erfunden?

Man sollte sich aber dadurch nicht den Genuss dieses Albums verderben (lassen). Denn unter der Produktionsregie von Chris Coady (Beach House, Yeah Yeah Yeahs) haben die Brüder Cullen und Cameron Omori, Gitarrist Max Kakacek und Drummer Julien Ehrlich ihre Spielfreude und Euphorie zu zehn tollen Retro-Songs verdichtet, die den Vorbildern alle Ehre erweisen.

Dass die Smith Westerns alle erst Anfang/Mitte Zwanzig sind, macht ihr handwerkliches Geschick und ihre Kompositionskunst noch erstaunlicher. Was sich bei den beiden Vorgänger-Platten von 2009 und 2011 nur andeutete, ist nun ganz offensichtlich: Der gute Geist der Sixties lebt weiter - nicht nur, aber auch in dieser US-Indiepop-Band.

Website Smith Westerns

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