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Musik : Scott Matthew stellt seine Freunde vor

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Es geht immer noch eine Spur langsamer: Scott Matthew beherrscht die Kunst der Entschleunigung wie kaum ein anderer. Die Lieder des australischen Wahl-New Yorkers sind kurz davor, stehen zu bleiben. Zeitlupensongs, die ergreifen und berühren.

shz.de von
erstellt am 24.Jul.2013 | 09:13 Uhr

Als eine Art Schmerzensmann hat er sich auf dem Cover seines neuen Albums «Unlearned» abbilden lassen - und trifft damit die Stimmung perfekt. Auf seiner vierten Solo-Platte greift er diesmal ausnahmslos auf Fremdkompositionen zurück, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. «Diese Songs sind tröstlich, sind Freunde», schreibt Scott Matthew im Booklet.

Auf Überraschungen darf man sich gefasst machen, denn die Bandbreite ist groß: Rod Stewart steht da neben The Jesus And Mary Chain, The Motels neben Neil Young, die Bee Gees neben Morrissey. Und selbst Bert Kaempfert ist mit seinem Evergreen «L.O.V.E.» dabei.

«Love Will Tear Us Apart» von Joy Division ist schon ein trauriges Lied, aber bei Scott Matthew schießen einem die Tränen in die Augen. Dazu braucht er nur seine klagend-warme Stimme, ein Piano und einen Bass. Der schiere Wahnsinn.

Spärlich instrumentiert sind auch die anderen Songs: ein bisschen Percussions, ein bisschen Cello, ein bisschen Akkordeon, Orgel und Ukulele.

Bei Whitney Houstons «I Wanna Dance With Somebody» greift Matthew zwar auf eine klassische Rockinstrumentierung (b, g, dr) zurück, zum Dancefloor aber drängt es einen bei dem langsamen Walzer kaum. Die Coverversion eignet sich eher zum vertrauten Engtanz oder zum einsamen und gedankenverlorenen um sich selbst Kreisen. Und «Help Me Make It Through The Night» von Kris Kristofferson ist ein einziges Flehen.

Liebeskummer, Selbstzweifel und Angst vor der Einsamkeit - das sind die Themen des bärtigen Singer-Songwriters, der auf seinen Alben immer wieder tiefe Einblicke in sein Seelenleben vermittelt. Und das gelingt auch mit Fremdkompositionen, die für Matthew besonders emotional aufgeladen sind.

Ein kompletter Soundtrack seines Lebens ist «Unlearned» gleichwohl nicht geworden. Ein paar «Freunde» hat er für sich behalten, denn sonst hätte Scott Matthew wohl auch The Cure mit «Pornography» (1982) berücksichtigt.

«Es war das dunkelste, das herrlich deprimierendste Album, das jemals gemacht wurde», verriet der Singer-Songwriter einmal im Interview mit «Paulandrew-interviews.blogspot». «Ich glaube wirklich, dass es einen großen Einfluss auf mich hatte und mich als Teenager formte.»

Den Nachhall aber hört man noch heute in den wunderbar traurigen Songs von Scott Matthew, die selbst Hartgesottene zu Tränen rühren. Bei Scott Matthew scheint die Sonne eher selten.

Im Juli gibt der Ausnahmekünstler einige Konzerte in Deutschland. Er spielt in Rüsselsheim (13.7.), Berlin (17.7.) und Nürnberg (18.7.).

Website Scott Matthew

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