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Musik : Ruhe und Reife: Folkpop von Turin Brakes

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Man hatte sie wohl zu früh abgeschrieben: Zwölf Jahre nach dem tollen Debüt «The Optimist LP» meldet sich das Londoner Folkpop-Duo Turin Brakes mit einem unerwartet selbstbewussten und hochklassigen Album zurück.

Dazwischen lagen natürlich manch feiner Song, auch die eine oder andere lohnende Platte und sehenswerte Live-Auftritte von Olly Knights und Gale Paridjanian, die im Konzert von Rob Allum und Eddy Myer verstärkt werden. Aber insgesamt schienen die 2001 im Zuge der «Quiet is the new loud»-Bewegung aufgetauchten Turin Brakes ihr Pulver reichlich früh verschossen zu haben.

Ein Irrtum. Denn «We Were Here» (Cooking Vinyl/Indigo) sprüht nur so vor Spielfreude und bietet ein Dutzend schöne, durchaus auch muskulöse Pop- und Rocksongs. Die Gitarren stehen weiterhin im Mittelpunkt, aber neben zart-akustischen Folk-Liedern wie dem Titelsong oder «Part Of The World» gehen die Turin Brakes auch mal rauer zu Werke.

So darf es im epischen Sechsminüter «Blindsided Again» oder in «Sleeper» gern nach den Pink Floyd der mittleren 70er Jahre riechen, anderswo hat offenkundig der entspannte US-Westcoast-Pop der Laurel-Canyon-Ära Pate gestanden. Selbst den Blues des Mississippi-Deltas verarbeiteten die Turin Brakes auf ihrem neuen Album - wenn auch in recht britisch-poppiger Manier.

«Gale und ich haben als Teens viel Zeit damit verbracht, in unseren Jugendzimmern ziemlich stoned alte Blues-Platten zu hören», erinnert sich Knights. «Während "The Optimist" die Seelenzustände eines 21-Jährigen mit gebrochenem Herzen schilderte, steht die neue Platte für genau diese Seele, aber eben zehn Jahre später.»

Bewusst knüpft das sechste Studioalbum also an die Frühphase dieses talentierten Duos an. Hinzugekommen ist nun eine angenehme Ruhe und Reife im Songwriting der Turin Brakes. Ollie Knights' Stimme kann immer noch gelegentlich schneidend klingen, aber sie vermeidet alles Schrille, passt sich den harmonischen Melodiebögen flexibel an.

Man muss nur die von Streichern flankierte, sich hymnisch steigernde Ballade «No Mercy» hören, um dieser sympathischen Band eine neue Zukunft zu bescheinigen. «Melancholie und Hoffnung» beschreibt Knights als wichtigste Stimmungen in seiner Musik. «We Were Here» setzt dieses künstlerische Programm der Turin Brakes perfekt um.

Konzerte: 3.12. Berlin, Magnet Club; 4.12. Bremen, Tower Musikclub; 5.12. Münster, Sputnikhalle; 7.12. Köln, Luxor; 8.12. Frankfurt am Main, Zoom; 9.12. Stuttgart, dasCANN; 10.12. München, Atomic Cafe

Website Turin Brakes

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erstellt am 03.Okt.2013 | 08:07 Uhr

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