Musik : Radical Face: Folkpop-Fortsetzungsroman Teil zwei

Ben Cooper im Mottenwald.  Micah Cooper
Ben Cooper im Mottenwald.  Micah Cooper

Hübsche Idee: Ein musikalischer Serienroman über eine Südstaaten-Familie im 19./20. Jahrhundert - gespielt auf Instrumenten, die zur beschriebenen Ära passen. Ben Cooper alias Radical Face hat das Experiment nun schon zum zweiten Mal gewagt.

Avatar_shz von
08. November 2013, 11:21 Uhr

Das Album «The Family Tree: The Branches» (Nettwerk/Soulfood) ist die Fortsetzung von «The Family Tree: The Roots» aus dem Jahr 2011. Ein drittes Werk hat Cooper wohl bereits in der Schublade: «Ich wollte eine Platte über eine Familie schreiben, zögerte allerdings zunächst, aus Angst, dass es mir nicht gut genug gelingen würde», erzählte der 31-Jährige dem Onlinemagazin «Crazewire». «Als ich aber erstmal mit dem Schreiben angefangen hatte, sprudelten die Ideen nur so. Nach zwei Jahren verschaffte ich mir einen Überblick und stellte fest, dass es genug Songmaterial für mindestens drei Alben war.»

Radical Face mixt für Teil 2 des Familienstammbaum-Projekts zarten Indiepop und Sixties-Folk so elegant-unaufdringlich, dass die zeitlose Schönheit dieser Musik in den Veröffentlichungsmassen des Herbstes unterzugehen droht. In ihren besten Momenten erinnern Songs wie «The Crooked Kind» oder ««Letters Home» an Altmeister Paul Simon oder dessen gelehrigen Schüler Sufjan Stevens.

Mit Akustik-Gitarren und Klavier, Banjo, Akkordeon, leichtem Schlagwerk und altertümlich schnaufenden Tasteninstrumenten erzeugt Cooper eine melancholische, geheimnisvolle, gelegentlich auch gruselige Grundstimmung. Als säße man in einer ärmlichen Hütte im Süden der USA am Ende des vorvorigen Jahrhunderts und sähe einer Familie bei ihrem mühseligen Leben zu.

«Ich mag Storytelling und wollte, dass darauf der Fokus liegt», sagt Cooper zum Konzept von «The Roots» und «The Branches». «Ich habe mir Genealogien angeschaut und etwas amerikanische Geschichte studiert, um einen Bezugsrahmen zu finden. Dann bediente ich mich bei persönlichen Erfahrungen und fügte alles zusamen.» Mit vielen Klangfarben, die er durchaus auch mal zu einem bombastischen Wall of Sound mischt, gelingt dem Eigenbrötler aus Jacksonville/Florida erneut ein kunstvolles Folkpop-Album voll berührender Momente.

Konzerte im November: 19.11. Köln, Kulturkirche; 20.11. Berlin, Lido; 21.11. Hamburg, Uebel & Gefährlich; 23.11. Offenbach, Hafen 2; 24.11. Heidelberg, Karlstorbahnhof; 25.11. München, Backstage.

Website Radical Face

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen