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Geburtstag einer Rock-Legende : Mit 65: Westernhagen möchte zurück auf die Straße

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Hits wie „Sexy“, „Mit 18“ und „Freiheit“ machten den Düsseldorfer Schauspieler zum Stadion-Rocker. Am Nikolaustag wird Marius Müller Westernhagen 65 - und lebt die Sehnsucht nach seinen Ursprüngen.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2013 | 11:49 Uhr

Das „Alphatier“ hat Urlaub. Marius Müller-Westernhagen habe in den nächsten Wochen frei, heißt es bei seiner Plattenfirma Motor Music in Berlin - bis im Frühjahr neuer Trubel ansteht. Dann will der Musiker nach mehr als 20 Alben ein weiteres neues Werk veröffentlichen und die Songs im April 2014 auf einer Clubtour präsentieren. Kleine Bühnen für den einstigen Stadion-Rocker: „Ich will es einfach haben, wie es mal war“, sagte Westernhagen jüngst bei der Ankündigung der CD „Alphatier“. Der Musiker, der am Freitag (6. Dezember) 65 Jahre alt wird, steht seit mehr als fünf Jahrzehnten im Scheinwerferlicht.

Sich zur Ruhe zu setzen, ist für Westernhagen kein Thema. „Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Sie gehört zur Essenz meines Lebens“, betonte er im Interview mit der dpa.Berufliches und Privates trenne sich bei ihm nicht wirklich. „Meine Arbeit ist mein Leben und mein Leben ist meine Arbeit“, erklärte er.

„Es ist ein niemals endender Lernprozess, der meine Neugier auf Neues immer wieder antreibt.“ Der Geburtstag selbst spielt bei ihm keine größere Rolle: „Wenn man mich nicht darauf aufmerksam machen würde, würde ich wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, dass ich ein Jahr älter geworden bin. Der 6. Dezember ist für mich nur ein weiterer Tag in einem nach wie vor aufregenden Leben, welches ich sehr genieße.“ 

Den 60. hatte „MMW“ noch mit „Birthday-Bash“-Konzerten in großen Hallen gefeiert. Die Fans durften damals über die Songs abstimmen, die er spielen sollte - sie wählten Klassiker wie „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, „Freiheit“, „Sexy“, „Willenlos“, „Wieder hier“ und „Johnny Walker“. Ein Jahr später erschien mit „Williamsburg“ die vorerst letzte Studioarbeit des Musikers, die er im gleichnamigen New Yorker Stadtteil aufnahm. In der US-Metropole hat er auch die 14 Stücke für „Alphatier“ eingespielt. Ein Album, das textlich und musikalisch rebellieren und rocken soll, „als wäre es das Frühwerk einer aufbegehrenden, jungen Band“, wie es auf seiner Internetseite heißt.

Westernhagens musikalisches Frühwerk begann vor etwa 50 Jahren: 1963 trat er erstmals in eine Band ein - The Rabbeats. Doch zunächst machte sich der Sohn des Schauspielers Hans Müller-Westernhagen - als Marius in Düsseldorf auf die Welt kam, spielte sein Vater gerade im Drama „Marius“ - in der Schauspielerei einen Namen. Der Vater führte ihn in das Metier ein, doch der depressive und alkoholkranke Mann war auch ein abschreckendes Beispiel für den Sohn. Als Jugendlicher - nach dem Tod des Vaters - war er schon 1963 mit seiner ersten Hauptrolle in einem Fernsehfilm („Die höhere Schule“) zu sehen.

Bis 1987 wirkte Westernhagen in rund 25 Filmen mit und gab etwa den sprücheklopfenden Truck-Fahrer Theo aus dem Ruhrgebiet in „Theo gegen den Rest der Welt“. Seine Liebe zur Musik lebte er schon damals aus. 1972 sorgte er mit „Gebt Bayern zurück an die Bayern“ - eine Persiflage auf Paul McCartneys „Give Ireland Back to the Irish“ - für Aufsehen, 1975 folgte das Debütalbum und später die Empörung über sein Lied „Dicke“. Nach dem „Theo“-Erfolg ging der schlaksige junge Mann auf seine erste Tour als Sänger, Alben wie „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“, „Sekt oder Selters“ und „Stinker“ untermauerten seinen Erfolg als Textschreiber und Rock'n'Roller.

Der ganz große Triumph sollte noch folgen: Spätestens ab 1987 konzentrierte sich Westernhagen - den Namen „Müller“ ließ er von da an in der Öffentlichkeit weg - ganz auf die Musik und wurde mit Alben wie „Westernhagen“, „Halleluja“, „JaJa“, „Affentheater“ und „Radio Maria“ zum Superstar. Wie ein Magnet zog er als erster deutscher Rocker gigantische Massen zu Shows in Fußballstadien. Sein Image änderte sich vom Theo-Kumpeltyp zum „Armani-Rocker“. Doch Ende der 90er Jahre machte er Schluss mit den Stadiontouren und nahm sich eine Auszeit von der Bühne.

„Dieser Musiker, der mit seiner mehr als schlanken Figur und seinem Modebewusstsein fast etwas Feminines, Rockeruntypisches ausstrahlt, hat es längst aufgegeben, dem Vorurteil entgegenzutreten, er sei arrogant“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Jahre später mal über ihn. Und er wisse, dass es für ihn „eine Rückkehr zu dem proletarischen Rebellentum, das er einst wie kein Zweiter verkörperte, nicht gibt - dazu sitzen seine Anzüge zu gut“.

Showrummel und Small Talk auf Partys sind nichts für den Vater der britischen Punksängerin Mimi Müller-Westernhagen, der 2010 nach 36 Jahren als Wahl-Hamburger mit Ehefrau Romney nach Berlin zog. „Dafür ist die Zeit im Leben viel zu kostbar“, sagte er mal. Aus dem Rampenlicht könne er sich jederzeit zurückziehen: „Ich bin niemand, der süchtig nach Applaus ist.“ Worauf er aber nicht verzichten könnte, sei Kreativität. „Meine große Liebe ist es, eine Platte zu machen!“ Die neue Liebe heißt „Alphatier“.

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