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Musik : In Extremo: Faszination für Gentleman-Gauner

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Der Faszination für feinsinnige Gentleman-Gauner hat das neue Album der deutschen Band In Extremo seinen Titel zu verdanken: «Kunstraub.»

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2013 | 08:07 Uhr

Als Vorlage für das Sieben-Gestirn diente der spektakuläre Gemälderaub von Rotterdam aus dem vergangenen Jahr. Sieben Werke von so bekannten Künstlern wie Picasso, Monet und Matisse hatten die Diebe gestohlen. «Der Raub in Rotterdam war ein schalkiges Ding. Da machen die ein riesiges Brimborium drum und dann kommen zwei Rumänen und knacken den Laden. Diese Art von Verbrechen haben Charme», erklärt Dr. Pymonte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Album Nummer elf der Mittelalter-Rocker hat nicht nur Charme, sondern es lebt auch von seinen hintersinnigen Texten, der Freiheitsliebe der ehemaligen Spielmänner und den eingängigen Songs, zusammengesetzt aus Dudelsack betonter Folk- und harter Rockmusik. Auf «Kunstraub» sind gar Thrash-Metalriffs und Double-Bass-Attacken zu hören. Kurzum: Die Band, die sich 1995 in Berlin zusammenfand, weicht nicht von ihren Markenzeichen ab. «Wir wissen, was wir den Fans schuldig sind. Wir würden den Teufel tun, irgendwas total umzumodeln», sagt Sänger Michael Rhein: «Die Verkaufszahlen und der Erfolg geben uns Recht. Wir haben ein sehr treues Publikum, manchmal kommen ganze Familien zu unseren Konzerten.»

Die möchte die Band, die mit den beiden zurückliegenden Alben «Sängerkrieg» und «Sterneneisen» bis auf Platz eins der Charts gestürmt war, auf der Europa-Tour im Oktober wieder alle begrüßen und vielleicht erneut ganz oben auf der Verkaufsliste landen.

Wie schon bei den Alben zuvor haben sich In Extremo für die Aufnahme ins beschauliche Münsterland begeben. Das Principal-Studio, das die Combo acht Wochen lang belegte, liegt mitten im Wald. Lagerkoller kam nicht auf, doch das ein oder andere Streitgespräch ließ sich nicht vermeiden. «Ein Gewitter reinigt. Wir hatten oft heiße Diskussionen, die den Entstehungsprozess der Platte nach vorne getrieben haben», berichtet der redselig aufgelegte Dr. Pymonte, «wenn wir das nicht hätten, würde uns Kreativität fehlen.»

Diese Kreativität schulte Dr. Pymonte und Bandkopf Rhein schon zu DDR-Zeiten, als sie nach dem Vorbild der Schausteller und Gaukler auf Mittelaltermärkten aufgetreten sind. «Wir haben das Land abgefahren und haben eine Menge erlebt. Damals hatte Straßenmusik eine andere Wertschätzung. In Rostock haben wir an einem Tag mal 800 Ostmark eingespielt», erinnert sich Pymonte. Dass die beiden viele Jahre später zu einer der bekanntesten deutschen Rockbands gehören würden, hätten sie nicht zu träumen gewagt.

Doch damals wie heute gilt für die Band, was im Song «Straßen ohne Namen» beschrieben wird: Der Weg ist das Ziel, das ist der Antrieb. Rhein: «Wir schauen nur nach vorne, nicht zurück. Wir sind frei und treiben mit dem Wind.»

In Extremo

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