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Musik : Heinz Rudolf Kunze: Bloß keine rosarote Soße

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Es gibt Künstler, die eine heile Welt besingen. Es gibt Künstler, die eine schlimme Welt besingen. Und es gibt Heinz Rudolf Kunze.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2013 | 08:07 Uhr

Der niedersächsische Sänger gibt sich in seinen Texten seit eh und je zeitkritisch, schiebt dazwischen aber auch immer wieder rockige Schlager - als sein größter Hit gilt immerhin die Liebeserklärung «Dein ist mein ganzes Herz» (1985). Den Spagat zwischen Schimpfen und Schwärmen macht der 56-Jährige nun auch in seinem neuesten Album «Stein vom Herzen». Darin erinnert er sich nicht nur an verflossene Lieben, sondern hält auch flammende Plädoyers - etwa für Europa.

«Europas Sohn» heißt der erste Song des neuen Albums, das mit 14 neuen Titeln aufwartet. «Es ist ein Lied, das eigentlich jeden Tag im Fernsehen als Hintergrundmusik laufen oder Soundtrack eines Politmagazins werden müsste», sagt Kunze im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Denn Europa müsse zusammenhalten und dürfte nicht in Kleinstaaterei und Nationalismen zurückfallen. Besonders die lange Friedensphase sei eine große Errungenschaft. Kunze findet dafür deutliche Worte: «Ich bin doch sehr erleichtert darüber, dass mein Sohn nicht in einem Krieg gegen Franzosen, Russen oder Polen verbluten muss.»

Klare Worte findet er auch in seinen neuen Liedern. In «Schämt ihr Euch nicht» beklagt er eine Welt, in der Prominente von Medien erst hochgeschrieben und dann fallengelassen werden. «Und wenn einer zerbricht / das kümmert uns nicht / wir müssen entblößen / die wehrlosen Größen», singt der 56-Jährige in dem rockigen Stück, bei dem man an Fälle wie die von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder Ex-Bundespräsident Christian Wulff denken muss.

Unkritisch oder apolitisch zu sein - davon hält der Altrocker jedenfalls gar nichts: «Ich glaube nicht, dass mir das Leben leichter fallen würde, wenn ich mich bemühen würde wie Semino Rossi zu sein. Es gibt ja genügend Entertainer, die den Leuten immer nur rosarote Soße über die Ohren gießen, das muss ich ja nicht auch noch machen.»

Also singt Kunze über das, was ihn bewegt, über das, worüber er sich aufregt - und schließlich aber auch über das, wozu Menschen auf Festen tanzen können und vielleicht auch knutschen mögen. «Küsse unterm Kleid», «Wenn du sie siehst» oder «Stein vom Herzen» heißen solche Liebeslieder, in denen Kunze sich als Sanfter gibt, dabei aber dem rockigen Sound treu bleibt. Nachdenklich stimmt zudem die melancholische Popnummer «Hallo Himmel» - darin geht es ums Sterben.

Mit «Stein vom Herzen» legt Kunze nun sein inzwischen 34. Album vor - geht es nach ihm, ist das nicht das letzte. Neben der Musik, die er seit jeher in verschiedenen Projekten verwirklicht und zahlreichen literarischen Veröffentlichungen, hat Kunze zudem nun auch seinen ersten Roman geschrieben - «Manteuffels Murmeln», ein Gesprächsroman, den der Rockbarde 2014 auf der Leipziger Buchmesse vorstellen will.

Woher der 56-Jährige all die Ideen und die Energie für seine Projekte nimmt, erklärt er gewohnt schnörkellos: «Ich bin nur ein Protokollant dieser Ideen, die empfange ich aus dem Äther sozusagen und ich verschrifte sie und vertone sie. Es ist keine bewusste Arbeit, es ist eher wie ein Medium.»

Website Heinz Rudolf Kunze

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