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Musik : Gregory Porter in bester Soul-Jazz-Tradition

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Nach seinem gefeierten Debüt «Water» (2011, Motema) folgte ein Jahr später «Be Good». Beide Alben wurden für einen Grammy nominiert. Nun ist Gregory Porter mit Album Nummer drei auf dem Markt. Der Jazzsänger hat für «Liquid Spirit» (Blue Note) zwar das Label gewechselt, aber nicht sein Konzept.

Gregory Porter zeigt sich stets in feinem Anzug und mit Ohrenklappen-Mütze. Diese Kopfbedeckung ist eigenwillig und einprägsam. Aber noch viel markanter als sein Jazzhut - so nennt Porter seine Mütze - ist seine wunderbare Bariton-Stimme. Sie strahlt Seele und Leidenschaft aus. Mit Hingabe und Eleganz singt der 42-Jährige Geschichten aus dem Leben.

Für «Liquid Spirit» ging Porter erneut mit der Formation ins Studio, die sich auch bei seinen ersten beiden Alben bewährt hat. Musikalischer Leiter und Pianist ist Chip Crawford, Emanuel Harrold spielt Schlagzeug, Aaron James Bass, die Bläserparts übernehmen Altsaxophonist Yosuke Sato und Ternorsaxophonist Tivon Pennicott. 14 Titel hat die Band eingespielt, 10 davon hat Porter selbst komponiert, der Song «Free» entstand in Zusammenarbeit mit Zak Najor. Thematisch geht es dem gebürtigen Kalifornier, der inzwischen in Brooklyn wohnt, immer um persönliche Erlebnisse. Es sind vertraute Geschichten von den Höhen und Tiefen des Lebens.

«No Love Dying» und «Hey Laura» sind zwei eindringlich gesungene Balladen. Sie erzählen von vergangener Liebe, von Nicht-Los-Lassen-Wollen und von Eifersucht. Beim Titelsong «Liquid Spirit» (Flüssiger Geist) erinnert sich Porter an seine Kindheit, an den frühen Kontakt zu Gospelchören, den er durch die Kirchenarbeit seiner Mutter einst geknüpft hatte. Eine politische Note bringt er mit den druckvollen Songs «Free» und «Musical Genocide» ein. Weitere Highlights sind der frisch und leicht genommene «Wind Song» und das freundliche Lied «Wolfcry», in dem es um Zusammenhalt und Offenheit in schwierigen Zeiten geht.

Drei der eingesungenen Nummern stammen nicht von Porter. Es sind bekannte Standards, die er aber auf seine ihm ganz eigene Art präsentiert. Fantastisch langsam, in Zeitlupe geradezu, bewegt er sich durch den Song «I Fall In Love Too Easily» (July Styne/Sammy Cahn). Er nimmt sich beinahe jeden Ton einzeln vor, als gehe es um zerbrechliche Kostbarkeiten. Crawford und James übernehmen diese Zartheit in ihrem Spiel. «The 'In' Crowd» (Dobie Gray) singt Porter soulig und satt. Die Nummer klingt aber auch ein bisschen nach Ramsey Lewis, weil der Pianist entsprechend in die Tasten haut. «Lonesome Lover» (Abbey Lincoln/Max Roach) sei seine Liebeserklärung an Abbey Lincoln. «Ich versuche, auf jedem Album etwas von den Leuten einzubringen, die mich zutiefst beeinflusst haben», erklärt Porter laut Mitteilung seines Plattenlabels Blue Note.

Das klingt so ehrlich und unverschnörkelt wie sein ganzes Album. Es gibt an dieser Scheibe nichts, was man nicht mag. Es ist Mainstream, den man einfach immer und immer wieder hören möchte. «Liquid Spirit» schreibt Porters Erfolgsgeschichte bestimmt fort.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 08:07 Uhr

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