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Musik : Exoten im Guggenheim: Zola Jesus und JG Thirlwell

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Da haben sich zwei gefunden: Die durch dunkle Welten wandernde Goth-Pop-Elektronik-Artistin Zola Jesus und der zuweilen brachiale Industrial-Pionier JG Thirlwell (Foetus), der keine musikalische Grenzen kennt.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2013 | 10:27 Uhr

Im letzten Jahr arbeiteten die beiden für eine Performance im New Yorker Guggenheim Museum zusammen. Das Ergebnis der Kollaboration ist nun Zola Jesus' neues Album «Versions» (Sacred Bones/Cargo). Das Konzert in Frank Lloyd Wrights schneckenförmigen Kunsttempel mit spiralförmiger Rampe hat Nika Roza Danilova aka Zola Jesus laut dem Online-Musikmagazin «Pitchfork» als «den bedeutendsten Auftritt in meiner Karriere» bezeichnet. Der Rahmen war genial für das Projekt zweier Exoten, die so gut harmonieren.

Dabei habe sie realisiert, dass sie gar nicht brüllen oder ihr Inneres nach außen kehren müsse, meint Zola Jesus. Vielmehr habe sie eine bisher völlig neue Dimension für sich entdeckt: die Stille.

Für «Versions» hat Zola Jesus Songs ihrer Alben «Stridulum II» (2010) und «Conatus» (2011) - plus dem neuen Song «Fall Back» - neu arrangiert: Die elektronischen Elemente wurden dabei weitestgehend durch ein Streicherensemble in den Hintergrund gedrängt. «Nachdem das Gerüst freigelegt wurde, bekamen die Songs ein neues Medium mit Hilfe dessen sie sich entwickeln und erblühen konnten», sagte Zola Jesus in einem Statement.

Die neuen Arrangements, umgesetzt vom Mivos Quartet, stammen von JG Thirlwell. Ein kongenialer Partner der im Laufe seiner langen Karriere immer wieder gezeigt hat, dass es für ihn keine musikalischen Grenzen gibt. Noise, Punk, Rock, Bigband-Sound und Klassik sind die Quellen seiner Kunst. Scraping Foetus Off The Wheel, Steroid Maximus, Clint Ruin, Wiseblood oder Manorexia sind die «Bandnamen» einiger seiner Projekte.

Und für «Versions» hat er ein sehr zurückhaltendes und zuweilen zerbrechlich wirkendes Kammer-Pop-Gerüst konstruiert, das der Stimme von Zola Jesus den rechten Rahmen bietet. «Mir geht es hauptsächlich um die Stimmmelodie, alles andere ist Beiwerk», sagt Zola Jesus, die ihre musikalischen Wurzeln im klassischen Operngesang hat.

Verflüchtigt hat sich auf «Versions» die zuweilen verstörende Düsternis, die in so vielen Songs von Zola Jesus brodelt. Verflüchtigt hat sich auch der Pessimismus von Schopenhauer und Nietzsche («Der Mensch ist etwas, das überwindet werden soll»), die Zolas Weltsicht bisher weitestgehend prägten. Heute sagt sie: «Ich will Hoffnung haben». Gleichwohl, die Melancholie ist geblieben - aber sie ist jetzt schwebend und leicht.

Im Herbst tourt Zola Jesus mit JG Thirlwell durch Europa. Am 5. Oktober machen die beiden in Berlin Station.

Website Zola Jesus

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