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Musik : Ex-Straßenmusiker zielen auf Hirn und Herz

vom

Wenn sich ein Indiepop-Debüt fast 300 000 Mal verkauft, ist das in «Geiz ist geil»- und Gratis-Download-Zeiten eine ansehnliche Zahl. Dem US-Sextett mit dem Bandwurmnamen The Head And The Heart gelang dieses Kunststück - verdientermaßen.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 08:07 Uhr

Denn auf dem selbstbetitelten Erstling von 2011 schaffte es die junge Band aus Seattle spielerisch leicht, beide Pole des Bandnamens - Hirn und Herz - in ihrer Musik abzubilden. Das Album enthielt zehn unbeschwerte, intelligente und warmherzige Songs, die auf der Erfolgswelle der Bright Eyes, Fleet Foxes oder Mumford & Sons munter mitsurften. Gar nicht so einfach, dieser Überraschung einen weiteren Coup folgen zu lassen.

Aber auch wenn einiger Druck dagewesen sein mag, schlagen sich The Head And The Heart auf «Let's Be Still» (Rough Trade) sehr respektabel. Zwar ist der Neuigkeitswert nun geringer - die erfolgreichsten Vertreter dieses milden Neo-Folkpops füllen längst große Hallen. Aber wieder schaffen es die fünf jungen Männer und eine blonde Violinistin/Sängerin mit dem schönen Namen Charity Rose Thielen, dem Hörer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Akustikgitarren, Harmoniegesänge, Klavier und Charitys Tanzboden-Fiddle fügen sich erneut zum zeitlos-charmanten Americana-Sound zusammen, der schon das Debüt prägte. Highlight der insgesamt 13 Lieder ist wohl das epische «10.000 Weight in Gold», in dem sich die Band in die Jayhawks-Liga aufschwingt. Dass The Head And The Heart ursprünglich Straßenmusiker waren und in Seattle mit guten Songs um die Gunst der Passanten buhlen mussten, hört man auch dem zweiten Album im positiven Sinne an.

Im Konzert sind die sechs Musiker übrigens nach wie vor ein besonderes Erlebnis, wie erst kürzlich beim euphorischen Club-Auftritt in Berlin zu sehen war. «Als wir noch auf der Straße spielten, mussten wir uns immer wie verrückt reinknien, damit uns die Leute nicht wegliefen», so erklärt Frontmann Jonathan Russell die Live-Energie seiner Band. Dass «Let's Be Still» diese Qualitäten zumindest großteils rüberbringt, ist die größte Stärke des Albums.

Website The Head And The Heart

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