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Musik : Ennio Morricone: Querschnitt durch das Oeuvre

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Geigen in Höchstgeschwindigkeit, Trommeln im verhallten Hintergrund, Trompeten schießen quer, eine Melodie schält sich heraus, die Querflöte tiriliert, Piano: Das scheinbare Chaos verdichtet Ennio Morricone zu höchster Spannung.

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erstellt am 24.Jul.2013 | 09:12 Uhr

«Eine reine Formalität» (1994) heißt der Film von Giuseppe Tornatore, mit Gérard Depardieu und Roman Polanski in den Hauptrollen, dem der Filmkomponist Morricone mit seinen ungewöhnlichen Klangbildern Finesse verleiht. Musikalische Grenzen kennt der Italien nicht, bei dem das Unvorhersehbare Programm ist.

Einen Querschnitt durch das gewaltige Oeuvre des 84-jährigen Maestros, der zu weit über 400 Filmen die Musik komponierte, bietet das Earbook «Ennio Morricone» (Edel). Vier Cds in einem Buch vereint - eine Einladung zum Hören, Lesen, Schauen, Blättern und Verstehen. Vor allem die zahlreichen Filmplakate und Szenenbilder sind Zeugnis eines unglaublich produktiven Komponisten, der die Geschichte der Filmmusik entscheidend geprägt hat.

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens eine seiner einprägsamen Melodien kennt - auch ohne je den Namen Ennio Morricone gehört zu haben. Die Soundtracks zu Sergio Leones Italo-Western haben in den 1960er Jahren den Weltruhm dieses Komponisten begründet. Lange hat es gedauert, bis Morricone bei einer Oscar-Nominierung zu Ehren kam: 2007 erhielt er die begehrte Trophäe für sein Lebenswerk.

Western haben seinen Ruf begründet, aber auch für Filme wie «1900», «The Untouchables», «Bugsy», «Es war einmal in Amerika» oder «Sacco und Vanzetti» hat er die Musik geschrieben. Einer der ganz Großen.

Schon als Junge interessierte sich Ennio Morricone fürs Komponieren, und so schrieben ihn die Eltern - sein Vater war Trompeter - mitten in den Wirren des Zweiten Weltkrieges im römischen Konservatorium «Santa Cecilia» ein. Dort erwarb er bis 1954 Diplome in Komposition, Trompete und Fanfare. Zunächst spielte er dann in Orchestern mit, die auch Filme vertonten.

«Ich kann mich erinnern, wie ich sehr schlechte Musik spielen musste und zu mir sagte: Das kannst du besser», erzählte er später. Seine ersten Gehversuche als Soundtrack-Komponist unternahm er Ende der 1950er Jahre. Der Durchbruch gelang, als er Leone wiedertraf. Mit ihm zusammen hatte er die Schulbank gedrückt. Der Italo-Western «Für eine Handvoll Dollar» von 1964 war auch Morricones erster Welterfolg.

Ennio Morricone hat auch klassische Musik komponiert und nennt sich einen Liebhaber ernster Musik - von Palestrina über Bach bis zu den Beatles. Vor allem jedoch ist er ein Maestro im klassischen Sinn: Er hat eine ganze Generation von Soundtrack-Komponisten beeinflusst.

Ennio Morricone hat auch in der Rockmusik seine Spuren hinterlassen. Metallica, Erasure, Roger Waters oder Bruce Springsteen haben Morricone, der geradezu kultisch verehrt wird, gecovert.

Am 11. Februar 2014 wird Ennio Morricone mit großem Orchester und 75-köpfigen Chor in Berlin gastieren. Es wird sein einziges Deutschlandkonzert sein.

Earbook Morricone

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