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Musik : Deer Tick: Alles Gute in den Mixer

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Auf so einen Bandnamen muss man erstmal kommen: Deer Tick heißt soviel wie Hirschzecke, auch Schwarzbeiniger Holzbock genannt, und das scheint ein recht unangenehmes Tierchen zu sein. Was aber natürlich gar nichts über die Qualitäten dieser Indie-Band aus Providence/Rhode Island aussagt.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2013 | 08:07 Uhr

Denn der kernige, gitarrenbetonte Sound des Quintetts um John McCauley hat auf dem fünften Album «Negativity» (Partisan/Rough Trade) eine bemerkenswerte Durchschlagskraft erreicht. Ein Piano-Pop-Song wie «Just Friends» hätte glatt vom Elton John der frühen 70er Jahre stammen können - was ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist.

Deer Tick werfen auch danach munter Springsteenesken Rock'n'Roll («The Dreams In The Ditch»), Country-Schunkler («In Our Time»), Folk, Soul und Blues-Riffs («Pot Of Gold») in den Mixer. Und heraus kommt ein uramerikanisches Album von hohem Unterhaltungswert.

Dabei waren die Voraussetzungen für ein Karriere-Highlight acht Jahre nach dem Start nicht die besten: McCauleys Vater musste 2012 wegen Steuerhinterziehung ins Gefängnis, und die Freundin trennte sich von dem Deer-Tick-Frontmann wegen seines exzessiven Lebensstils.

Der Albumtitel dürfte auf diese Negativerlebnisse anspielen - dennoch schöpften Deer Tick daraus kreative Kräfte. Mit der Streicher-Ballade «Mr Sticks», dem bläsersatten Memphis-Soul von «Trash» oder dem an Wilco erinnernden Tränenzieher «Hey Doll» nahm die Band einige ihrer originellsten Lieder auf. Wofür privater Stress doch gut sein kann.

Konzert: 4.10. Berlin, Comet

Website Deer Tick

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