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Klage gegen Lufthansa : Mützen-Pflicht: Polizisten müssen, Piloten nicht

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Ein Pilot wehrt sich vor Gericht. Er möchte sich nicht vorschreiben lassen, eine Mütze zu tragen. Die Richter geben ihm Recht. shz.de fragt nach, wie es bei anderen Berufsgruppen aussieht.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 15:21 Uhr

Erfurt | „Oben ohne“ oder „nicht oben ohne“? Das ist die Frage, mit der sich am Dienstag das Bundesarbeitsgericht in Erfurt befasst.

Die Lufthansa darf ihre Piloten nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) nicht zum Tragen einer Uniformmütze auf Flughäfen verpflichten. Ein Pilot, der sich von der Mützenpflicht nur für Männer diskriminiert fühlte, hatte am Dienstag mit seiner Klage in der letzten Instanz Erfolg.

Der Mann kritisierte, dass die blaue Cockpit-Mütze für Pilotinnen nur ein Uniform-Accessoire ist: Sie könnten die Mütze in der Öffentlichkeit tragen, für Männer sei das obligatorisch. Die Bundesrichter sahen in den Lufthansa-Argumenten - Tradition und die Besonderheiten von Damenfrisuren - keine ausreichenden Gründe für eine Ungleichbehandlung von Männern und Frauen.

Das BAG bestätigte damit ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln. Geklagt hatte ein Pilot, der aus Nordrhein-Westfalen stammt und in München stationiert ist. Er arbeitet seit 2006 als Flugzeugführer für die Lufthansa. Er war wegen fehlender Pilotenmütze 2009 von einem New-York-Flug abgezogen worden. Der Kläger sah sich wegen seines Geschlechts benachteiligt.

Der Versuch des Unternehmens, eine einheitliche Mützen-Regelung für Männer und Frauen zu treffen, sei bisher von der Personalvertretung nicht unterstützt worden, sagte ein Sprecher der Lufthansa AG in Frankfurt.

Aber wie sieht es in anderen Branchen mit einer Mützenpflicht aus? shz.de hat nachgefragt.

Köche

Bei Köchen gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Entweder gibt der Betrieb eine Regelung vor, oder es bleibt jedem selbst überlassen, ob er eine Mütze, Kappe oder ein Stirnband tragen möchte.

Jeder Koch entscheidet selbst über seine Kopfbedeckung.
Jeder Koch entscheidet selbst über seine Kopfbedeckung. Foto: imago
 

Polizisten

Anders sieht es bei der Polizei aus. Egal ob für Männer oder Frauen: „Die Mütze gehört offiziell zur Dienstbekleidung“, sagt Manfred Börner, Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei in SH. Dies dient der Sicherheit der Beamten. Deswegen werden demnächst die dunklen, blauen Mützen gegen helle, weiße ausgetauscht. „Das war der Wunsch vieler Kollegen.“

Weiß für die Sicherheit: Demnächst tragen auch Polizisten in Schleswig-Holstein wieder helle Mützen.
Weiß für die Sicherheit: Demnächst tragen auch Polizisten in Schleswig-Holstein wieder helle Mützen. Foto: imago
 

Sollten Beamte ihre Mützen nicht tragen, könnte die Dienstaufsicht ins Spiel kommen, die Sanktionen verhängen könnte. „Ich kenne aber keinen Fall, bei dem das passiert ist.“ Meist reicht ein Hinweis, um an die Mützenpflicht zu erinnern.

Feuerwehrleute

Bei den Feuerwehren in Schleswig-Holstein gibt es eine Dienstkleiderordnung. Für die Schutzbekleidung im Einsatz gibt es in puncto Kopfbedeckung eine klare Richtlinie: „Der Helm muss sein", sagt Michael Krohn, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Kiel.  Bei Übungsdiensten im Sommer könne allerdings angeordnet werden, ein leichteres Cap zu tragen. 

Im Einsatz muss ein Helm getragen werden.
Im Einsatz muss ein Helm getragen werden. Foto: imago
 

Bei der Dienstkleidung ist eine Mütze enthalten. Die Feuerwehr geht damit allerdings leger um. Bei besonderen Ereignissen gehört die Mütze aber auf jeden Fall dazu.

Zu guter Letzt

Einen alten Bekannten, der nur einmal im Jahr arbeitet, sieht man hingegen selten „oben ohne“.

Andere Berufszweige, von denen man es nicht erwartet hätte, machen ihm da allerdings wohl Konkurrenz.

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