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Fernseh-Kritik : Möhrings Tatort-Debüt: Und sie mögen sich doch

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Als Ermittler Thorsten Falke hat Wotan Wilke Möhring ein Kind, das er nie sieht, und eine Partnerin, die er nicht mag. Falke ist glaubwürdige Figur zwischen lauter inkonsistenten Tatort-Kommissaren.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2013 | 04:53 Uhr

Hamburg | Wenn im Hamburger Tatort Autos brennen, ist nicht immer Til Schweiger Schuld. Der neue hanseatische Spreng-, Schlag- und Schießmeister hatte gestern Abend ein wasserdichtes Alibi, er tauchte in dem ersten Fall "Feuerteufel" seines neuen Hamburger Kollegen Wotan Wilke Möhring gar nicht erst auf. Möhring dagegen hatte sich bei Schweigers Debüt noch einen kurzen Gastauftritt auf der Revier-Toilette gegönnt, inklusive guter Wünsche für den Kollegen zwischen Urinal und Waschbecken.

Hamburg ist die einzige Stadt, in der zwei Tatort-Teams ermitteln und natürlich drängt sich deshalb der Vergleich der Kommissare auf, zumal Schweigers Nick Tschiller und Möhrings Thorsten Falke nahezu gleichzeitig als Nachfolger des Undercover-Ermittlers Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) gestartet sind - und entgegen aller wechselseitiger Beteuerungen sehr wohl miteinander in Konkurrenz stehen.

Selbstjustiz ist Möhrings Ermittler Thorsten Falke ein Gräuel

Gut also, dass die Kommissare so unterschiedlich angelegt sind. Schweiger erschießt gleich in seiner ersten Szene drei Menschen, Möhring benutzt die Waffe nur im Notfall. Selbstjustiz ist seinem Ermittler Thorsten Falke ein Gräuel - Tschiller dreht das Recht dagegen, wie es ihm passt. Welcher Ansatz besser funktioniert, wird die Zeit zeigen.

Möhrings Auftakt war durchaus vielversprechend, die Geschichte um die Brandanschläge auf Autos, bei denen eine Frau ums Leben kommt, wurde angenehm routiniert und linear erzählt - keine besonderen Auffälligkeiten bei Kommissar und Fall, das ist beim Tatort selten geworden.

Bewähren zwischen den Milieus

Der Plot war der Realität entnommen, die brennenden Autos sind in Hamburg lange ein Problem gewesen; die gesamte Stadt reagierte -verständlicherweise - mit wachsender Nervosität. Nur die tote Frau hat es nie gegeben. Auch die Stimmung des Films war nahe an den realen Befindlichkeiten in der Hansestadt verortet - das Misstrauen zwischen autonomer Szene und bürgerlicher Oberschicht ist in Hamburg fast schon eine gewachsene Tradition.

Zwischen diesen Milieus musste sich Falke gestern bewähren; dass seine Sympathien eher bei den Linken liegen, wurde schnell offensichtlich. Nicht nur in diesem Punkt kommen sich die Charaktere von Rolle und Schauspieler relativ nahe.

Gestern wurde noch einiges mehr über diesen Falke erzählt, seine persönliche Geschichte und die Wut über den Verlust seines Partners Jan Katz (Sebastian Schipper) ließen dem Fall weniger Raum als im Tatort üblich - aber die Glaubwürdigkeit der Figur ist in Zeiten inkonsistenter Charaktere (Saarbrücken, zunehmend: Münster) ein hohes Gut, das den Machern schon einige Filmminuten wert sein sollte.

Nächste Folge spielt auf Langeoog

Falke hat außerdem ein Kind, das er nie sieht, eine Katze, mit der er die Milch teilt, und eine neue Partnerin, die er nicht mag. Petra Schmidt-Schaller spielt die spröde Blonde überzeugend, als Katharina Lorenz rümpft sie mehr als einmal die Nase ob der derben Sprüche des Prolls an ihrer Seite. Dass die beiden sich dann nach 90 Minuten auf einmal mögen müssen, ist eine dramaturgische Schwäche, die dem Format geschuldet ist. Wenn eine Geschichte nur alle paar Monate weitererzählt wird, darf es nicht zu kompliziert werden. Wichtig ist nur: Die beiden werden auch in Zukunft gemeinsam ermitteln.

Das nächste Mal dann auf Langeoog, Thorsten Falke ist offiziell ein norddeutscher Ermittler. Möhring und Schweiger sollen sich nicht zu sehr ins Gehege kommen. Und während Möhring auf der Nordseeinsel den nächsten Fall löst, kann Till Schweiger ganz ungestört in Hamburg rumfeuern.

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