Gesundheit : Modekrankheit Stress

Stress ist nicht immer ungesund - aber eine Depression eine ernstzunehmende Krankheit. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

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25. April 2013, 09:26 Uhr

Sind Sie auch oft müde nach der Arbeit? Zu müde, um noch etwas zu unternehmen oder das Hobby zu pflegen? Schlafen Sie trotzdem schlecht? Dann droht womöglich der seelische Infarkt und Sie leiden - wie angeblich jeder vierte Bundesbürger - unter der Volkskrankheit Burnout.

Jahrelang haben die Krankenkassen diesen Hype beflügelt, indem sie immer neue Horrorzahlen über die Psycho-Epidemie lieferten. Einem inzwischen millionenschweren Wirtschaftszweig mit Anti-Burnout-Coaches und Spezialkliniken wurde so die Kundschaft in die Arme getrieben. Zunehmend wurde der Gesellschaft eingetrichtert, Stress im Arbeits alltag sei per se etwas Ungesundes. Jeder Vierte, so eine aktuelle Studie, "leidet" darunter und wird krank. Doch jetzt rudern die Kassen zurück: Burnout sei eher eine unschöne Befindlichkeit - aber nicht die Folge einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit dank Handy, Mail, Internet und SMS. Fest steht: Das Stigma der psychischen Störung schwindet. Vielleicht ist es sogar in Mode, unter Stress zu leiden - gilt Burnout doch als Problem der besonders Leistungsfähigen.

Trotzdem sind nicht alle Menschen mit Burnout eingebildete Kranke oder Drückeberger. Mit dieser Ausweichdiagnose wird nämlich häufig ein Krankheitsbild umschrieben, das auch heute noch nicht ganz gesellschaftsfähig ist: Depression. Sie ist eine ernstzunehmende Krankheit, mitunter sogar eine lebensgefährliche. Wenn die Diskussion über Burnout überhaupt einen Sinn gehabt hat, dann den, dass sich unter dem Deckmantel dieser "Managerkrankheit" auch depressive Menschen getraut haben, aus der Deckung zu kommen und sich Hilfe zu holen. Wohl auch deshalb ist die Suizidrate in Deutschland von etwa 18 000 Anfang der 80er Jahre auf jetzt 9600 gesunken. Heute wird offener und ehrlicher über seelische Störungen gesprochen - und das ist gut so.

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