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Haderslev in Dänemark : Mit Video: Hadersleben: Deutsches Ortsschild weg – Debatte beendet

vom
Aus der Onlineredaktion

Dänemarks bekanntestes Ortsschild ist nach nur zwei Wochen reif fürs Museum. Unbekannte hatten es am Sonntag entfernt.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2015 | 17:08 Uhr

Hadersleben | Die hitzige Diskussion um deutsche Namen auf dänischen Ortsschildern hat durch eine Aktion von politischem Vandalismus ein jähes Ende gefunden: In der Nacht zum Sonntag gruben Unbekannte das umstrittene neue Ortschild, das neben dem dänischen Namen „Haderslev“ auch den deutschen Namen der Stadt anzeigt, an der Umgehungsstraße an der Sankt-Severinskirche in Hadersleben aus. Wenige Meter weiter wurde es gefunden: herausgerissen und über eine Mauer geworfen.

Mit ihrer Aktion haben die Täter der umstrittenen Zweisprachigkeit der Verkehrsschilder – wie es in Flensburg üblich ist – den Todesstoß gesetzt: Haderslebens Bürgermeister Hans Peter Geil will das vor zwei Wochen per Bürgermeisterbeschluss klammheimlich errichtete Schild nicht wieder aufrichten lassen. Die Entfernung habe ihn keineswegs überrascht und er habe keine Lust, dass Hadersleben als Ort genannt werde, wo mehr Feindschaft als nötig geschaffen werde, „sonst würde es noch zu einem Sport, es zu entfernen“, sagte Geil zum dänischen Sender „P4 Syd“. Er sei verärgert über die Aktion. So etwas sei nach den letzten Wochen aber zu erwarten gewesen, „es ist ja Dänemarks meistdiskutiertes Schild“, so Geil. Es würde aber als Provokation aufgefasst, sollte man das Schild wieder aufstellen, sagte er gegenüber der Tageszeitung „Jydske Vestkysten.“

Die Forderung der Slesvisk Parti, der Stadtrat solle darüber beraten, wies er zurück. Das Schild sei nun von anderen entfernt worden und werde damit kein Fall für den Stadtrat. Er habe eigenmächtig die Aufstellung beschlossen, nun könne er die Sache auch beenden, zitiert ihn der „Nordschleswiger“. Es sei in letzter Zeit eine fruchtbare Diskussion entstanden, die allerdings von sehr starken Gefühlen geleitet sei.

70 Jahre nach den Bonn-Kopenhagener Erklärungen gebe es im alltäglichen Leben keinerlei Probleme zwischen Dänen und Deutschen. Die Frage nach der Berechtigung zweisprachiger Schilder würde irgendwann wieder aufkommen, aber nicht in näherer Zukunft, sagte er gegenüber „Flensborg Avis.“ Das ausgediente Ortsschild ist nun bereits ein Teil der Geschichte. Das Museum Sønderjylland habe bereits nachgefragt, ob es das ausgediente Schild in seine Grenzlandausstellung integrieren könne, so Bürgermeister Geil.

Vor allem in den sozialen Medien hatte das „Experiment“, wie der Bürgermeister seine Schild-Initative nennt, hohe Wellen geschlagen. Mann wolle nicht auch noch auf dem Ortsschild an die deutsche Geschichte der Stadt erinnert werden. Außerdem sei Hadersleben keine Grenzstadt und die Sprache Dänemarks sei eben Dänisch – so der Tenor unter den Kritikern. Zustimmung erhielt Geils mutiger Vorstoß vor allem von den Mitgliedern der deutschen Minderheit in Dänemark.

Generalsekretär Uwe Jessen vom Bund Deutscher Nordschleswiger und Stadtratsmitglied in Hadersleben zeigte sich gegenüber der Zeitung „Belingske“ enttäuscht über die negativen Reaktionen, die vor allem in der anonymen Internetwelt harsch ausfielen. Genauso enttäuscht sei man aber von den Bürgermeistern der anderen Kommunen, die nicht bereit waren, dem Beispiel aus Hadersleben zu folgen. Die Dachorganisation der Deutschen in Dänemark hatte sich vergangenen Montag noch zum Fototermin mit Modellen zweisprachiger Ortsschilder zusammengefunden, diese seien ein „Zeichen für Anerkennung, Respekt und Toleranz“. Pläne dieser Art sind nunmehr wieder Zukunftsmusik.

Mit der konsequenten Ablehnung nicht-einheimischer Ortsnamen auf Straßenschildern steht Dänemark in Europa weiter ziemlich allein da. Harro Hallmann von Bund Deutscher Nordschleswiger stimmt die Art der Diskussion allerdings hoffnungsvoll. Abseits der gefühlsbetonten Auseinandersetzung – für die man Verständnis habe – hätte es viele sachliche Gespräche im guten Ton gegeben, sagte der Kommunikationschef gegenüber shz.de. Im Vergleich zu der ähnlichen Debatte vor acht Jahren sei eine Entspannung zu erkennen, das mache Mut für die Zukunft.

Allerdings sei man etwas enttäuscht über den Rückzieher des Bürgermeisters. Der anregenden Debatte und dem Schachzug des Bürgermeisters sei es nicht würdig nicht würdig, dass ein Akt des Vandalismus sie beendete. Geil hätte dem BDN zuvor zugesichert, das Schild würde einen Monat stehen bleiben, so Hallmann. Es werde nun überlegt, die Debatte über Uwe Jessen doch noch in den Stadtrat zu überführen.

In der Tondern-Kommune waren ebenfalls bilinguale Schilder im Gespräch. Doch der Finanzausschuss hat dem in der letzten Woche mit einstimmigem Votum einen Riegel vorgeschoben.

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