"Tatort: Durchgedreht" : Mit Ballauf und Schenk beginnt die "Tatort"-Sommerpause

Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) eröffnen mit dem 'Tatort: Durchgedreht' die Sommerpause. Foto: WDR/Martin Valentin Menke
Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) eröffnen mit dem "Tatort: Durchgedreht" die Sommerpause. Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Ein Kind bezeugt den Mord an Mutter und Bruder: Mit dem Kölner "Tatort: Durchgedreht" beginnen die Krimi-Wiederholungen.

shz.de von
15. Juni 2018, 09:45 Uhr

Osnabrück | Vor zwei Jahren endete die „Tatort“-Sommerpause mit der Kölner Folge „Durchgedreht“. Nun ist der Fall mit Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) die erste der Wiederholungen, mit denen die ARD die Wochen von WM und Sommerferien überbrückt. Am Sonntag, 17. Juni 2018, ist der Krimi ab 20.15 Uhr zu sehen. (Jubel-Quoten: Der "Tatort" erlebt einen Höhenflug)
 


Dagmar Seume: Die Frau hinter dem Kölner "Tatort"

Als Regisseurin Dagmar Seume („Danni Lowinski“, „Hanni & Nanni 3“) am zweiten Weihnachtstag 2015 mit der Kölner Folge „Benutzt“ ihr „Tatort“-Debüt gab, war das nicht nur einer der schwächsten Krimis des Jahres, sondern auch ein echter Tiefpunkt für die Ermittler vom Dom. Und wahrlich kein (Rhein-)Wasser auf den Mühlen derjenigen, die auch beim „Tatort“ eine Frauenquote für die Regiestühle fordern.

Vorhersehbar, langatmig und trist zogen sich die anderthalb Stunden durch den Festtagabend – wobei Dagmar Seume damals nur bedingt ein Vorwurf zu machen war. Denn aus einem verkorksten Drehbuch kann auch die beste Regisseurin keinen knisternden Thriller machen. (Mehr Tschiller: NDR plant neuen Til-Schweiger-"Tatort")
 

"Tatort"-Veteran Ehry

Damals hieß der Autor Jens Maria Merz – für „Durchgedreht“ stellte der WDR Dagmar Seume nun einen anderen Schreiber an die Seite: Norbert Ehry. Ein alter Hase, dessen „Tatort“-Einstand geschlagene 33 Jahre zurückliegt: 1983 schrieb er den bemerkenswerten Fall „Peggy hat Angst“ für die damals im Südwesten ermittelnde Kommissarin Hanne Wiegand (Karin Anselm). Alle paar Jahre erdachte sich Ehry seitdem einen neuen „Tatort“ – „Durchgeknallt“ ist sein zehnter und vielleicht sogar sein bester seit „Peggy“.

In einer Kölner Einfamilienhaussiedlung kommt es zu einem grausamen Verbrechen: Ein Mann dringt durch die Haustür in das unscheinbare Gebäude ein und ersticht die im Obergeschoss schlafende Frau und ihren kleinen Sohn. Nur die achtjährige Anna überlebt – sie hatte gerade im Keller ihrem Meerschweinchen noch eine Nachtmöhre gereicht, als sie den Täter an der gläsernen Haustür sah. Einbruchsspuren wird die Polizei später jedoch nur an der Terrassentür finden.
 

Am 'Tatort': Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: WDR/Martin Valentin Menke
Am "Tatort": Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär). Foto: WDR/Martin Valentin Menke


Traumatisiertes Mädchen

Während Anna traumatisiert ist und über das Geschehen in der verhängnisvollen Nacht nicht sprechen kann und will, gerät der offensichtlich tief verzweifelte Familienvater Sven Habdank (stark: Alexander Beyer) ins Visier der Kommissare. Der Steuerfahnder befand sich zum Tatzeitpunkt auf einer Dienstreise, hätte theoretisch aber über Nacht nach Hause kommen können, um den Doppelmord zu begehen. Auch zwei seiner „Kunden“, ein Bauunternehmer und ein Journalist, die in großem Rahmen Steuern hinterzogen haben sollen, sind verdächtig – wollte sich einer von ihnen an dem Mann rächen, der ihnen so dicht und hartnäckig auf den Fersen war?

Manchmal reicht es schon, sich die Musik anzuhören, um zu wissen, was für einen Krimi man sieht. „Durchgedreht“ gehört auf jeden Fall dazu. Dagmar Seume setzt sie sehr sparsam und dezent ein, manchmal kaum wahrnehmbar. Selbst zur finalen Verfolgungsjagd klimpert leise das Klavier und verstärkt den stillen, traurigen Eindruck ihres Films, dessen Bilder sie ebenfalls in Moll taucht. Dass ihr „Tatort“ im Winter gedreht wurde, tut sein Übriges.
 

Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, M) liefert den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die genauen Tatumstände: Der Täter ist männlich und Rechtshänder. Foto: WDR/Martin Valentin Menke
Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, M) liefert den Kommissaren Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die genauen Tatumstände: Der Täter ist männlich und Rechtshänder. Foto: WDR/Martin Valentin Menke


Til Schweiger würde einschlafen

Ein Kickstart in die Sommerpause ist „Durchgedreht“ damit sicher nicht, aber durchaus ein atmosphärisch dichter Krimi. Til Schweiger würde vermutlich nach einer Viertelstunde einschlafen, aber das Stammpublikum von Ballauf und Schenk dürfte zufrieden sein. Und die Schweiger-Fans müssen diesmal auch nicht lange warten: Am 8. Juli 2018 unterbricht das Erste mitten die "Tatort"-Sommerpause mit einer Erstausstrahlung: Dann kommt Til Schweigers Kino-“Tatort: Off Duty“ ins Fernsehen. (Hier können Sie  ein Schweiger-Interview zum Kino-Kriimi nachlesen.)

"Tatort: Durchgedreht". ARD, Sonntag, 17. Juni 2018, 20.15 Uhr.

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