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Nach Flugzeugabsturz in der Ukraine : MH17-Bericht: Technischer Defekt ausgeschlossen

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Nach dem Absturz von Malaysia Airlines Flug MH17 legen die Niederlande den ersten Bericht zur Absturzursache vor. Darin wird ein technischer Defekt ausgeschlossen. Das Flugzeug ist aufgrund äußerer Einflüsse abgestürzt

Den Haag | Knapp sieben Wochen nach dem Absturz von Flug MH17 über der Ostukraine hat der niederländische Sicherheitsrat am Dienstagvormittag einen ersten Zwischenbericht zur Ursache der Katastrophe vorgelegt. „Es ist ein vorläufiger Bericht auf der Basis der zur Verfügung stehenden Quellen“, sagte ein Sprecher des Rates am Montag. Das malaysische Verkehrsflugzeug war am 17. Juli abgestürzt. Alle 298 Menschen an Bord wurden getötet, die meisten waren Niederländer.

Nach Auswertung der Flugschreiber flog MH17 bis 13.20 Uhr die festgelegte Flugroute. Dann endet die Aufzeichnung abrupt. Es habe keine Anzeichen technischer Probleme gegebene, hält der Bericht fest. Die Auswertung der Stimmenrekorder hätten nichts Außergewöhnliches ergeben. Weder Warnsignale noch Aussagen der Crew würden auf technische Probleme hindeuten. Die Funksprüche mit der ukrainischen Luftüberwachung bestätigen, dass es keinen Notruf gab. Die späteren Funksprüche um 13.20 und 13.22 Uhr blieben jedoch unbeantwortet.

Vielmehr heißt es in dem Bericht, dass das Flugzeug vermutlich von zahlreichen „hoch energetischen Objekten“ von außen durchlöchert wurde. Es sei daraufhin in der Luft auseinandergebrochen, da die Integrität der Hülle nicht mehr gegeben gewesen sei. Dies erkläre das abrupte Abbrechen der Kommunikation und das Verschwinden vom Flugradar. Das Flugzeug sei jedoch beim Start in Amsterdam in einem technisch einwandfreien Zustand gewesen. Die Crew war erfahren. Ein technischer Defekt oder menschliches Versagen wird ausgeschlossen.

Zu Verantwortlichen macht der Sicherheitsrat allerdings keine Aussagen. Die Schuldfrage ist Gegenstand der laufenden strafrechtlichen Ermittlungen. Die Niederlande waren offiziell mit der Leitung der Untersuchung beauftragt worden, an der zehn Länder beteiligt sind. Auch die Untersuchungen zur genauen Ursache des Unglücks werden weiter untersucht, heißt es in dem Bericht. Innerhalb eines Jahres soll demnach ein endgültiger Bericht zur Unglücksursache vorgelegt werden.

Der Zwischenbericht belastet nach Ansicht der Separatisten die Regierung in Kiew. „Es ist offensichtlich, dass es eine Provokation der ukrainischen Armee war, um Russland und die Volkswehr zu diskreditieren“, sagte Separatistenführer Miroslaw Rudenko am Dienstag der Agentur Interfax zufolge. „Es gibt eine hohe Zahl von Widersprüchen in der ukrainischen Version, und der Report bestätigt dies nur“, sagte Rudenko in Donezk. Ähnlich äußerte sich Separatistenführer Alexander Sachartschenko. „Wir verfügen nicht über die Technik, um ein solches Flugzeug abzuschießen“, behauptete er.

Das russische Luftfahrtamt hat den Zwischenbericht als wenig aussagekräftig bezeichnet. „Leider ist viel Zeit verstrichen - es wird kompliziert sein, alle Ursachen zu ermitteln“, sagte Experte Oleg Stortschewoj am Dienstag der Agentur Interfax. Die Leichen der Passagiere hätten lange ohne Untersuchung an der Absturzstelle gelegen, und die Wrackteile seien in der ukrainischen Kampfzone möglicherweise in Mitleidenschaft gezogen worden. „Der Bericht ist erst der Beginn einer langwierigen Arbeit. Die objektive Untersuchung muss fortgesetzt werden“, sagte Stortschewoj in Moskau.

Malaysias Premierminister Najib Razak fordert angesichts der offenen Fragen im neuen Expertenbericht zum Absturz der Passagiermaschine MH17 einen uneingeschränkten Zugang zur Absturzstelle in der Ostukraine. Es sei ausgesprochen wichtig, „alle sterblichen Überreste zu bergen, die Untersuchung abzuschließen und die Wahrheit zu ermitteln“, erklärte Razak am Dienstag auf seiner Homepage.

Vor dem Drama im Juli hatten Awacs-Aufklärungsflugzeuge der Nato offenbar zwei Signale von Raketensystemen in dem Gebiet aufgefangen, geht aus einer Mitteilung der Bundesregierung vom Montag hervor. Das eine Signal stamme von einer Boden-Luft-Raketenstellung SA-3, das zweite sei nicht zuzuordnen. Die USA hatten erklärt, dass Russland den Rebellen das mobile Raketensystem BUK geliefert habe. Das hatte Moskau jedoch stets zurückgewiesen und stattdessen die Ukraine für den möglichen Abschuss verantwortlich gemacht. In abgehörten Telefongesprächen und Twitter-Berichten hatten jedoch die prorussischen Rebellen angegeben, die Maschine abgeschossen zu haben. Dem niederländischen Sicherheitsrat stehen bei seinen Ermittlungen die Daten der Flugschreiber, Satellitenaufnahmen, Radarbilder, Fotos der Wrackstücke sowie Daten der Luftverkehrsleitung zur Verfügung. Die Experten hatten allerdings wegen der heftigen Kämpfe die Unglücksstelle nie selbst untersuchen können. „Eine gute Untersuchung ist dennoch möglich“, erklärte der Rat. Kurz nach dem Absturz seien ukrainische Luftverkehrsexperten einige Male in dem Gebiet gewesen. Sobald die Sicherheitslage es zulasse, will der Rat eigene Fachleute in das Gebiet entsenden. Die Boeing 777 war am 17. Juli aus Amsterdam mit Ziel Kuala Lumpur abgeflogen. 193 Opfer der Katastrophe wurden inzwischen identifiziert.

Der Sicherheitsrat hatte die Veröffentlichung des Zwischenberichtes mehrfach verschoben und dies mit der komplexen Situation und der großen Zahl von beteiligten Ländern begründet.

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erstellt am 09.Sep.2014 | 11:27 Uhr

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