zur Navigation springen

Fischen in der Ostsee : Mehr Sprotte, weniger Hering: Fangmengen für 2018 beschlossen

vom

Die Fangmenge regelt, wie viel Fisch ins Netz darf. Robert Habeck hält die Entscheidung der EU-Fischereiminister für richtig.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 12:10 Uhr

Luxemburg | Deutsche Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als noch 2017. Die dort erlaubte Fangmenge werde um 39 Prozent gesenkt, wie der estnische Minister Siim Kiisler am Dienstagmorgen in Luxemburg nach der Entscheidung der zuständigen EU-Minister mitteilte. Estland hat derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten inne. Die Dorsch-Fangquoten in der westlichen Ostsee bleiben demnach unverändert. Umweltschützer nahmen die Einigung mit gemischten Gefühlen auf.

Beim östlichen Dorsch verständigten sich die Minister nach den rund 20-stündigen Verhandlungen darauf, die erlaubte Fangmenge 2018 um acht Prozent zu senken. Einschränkungen gibt es auch bei Scholle (minus zehn Prozent) sowie bei Lachs (minus fünf Prozent) in der gesamten Ostsee. Erhöht werden hingegen die erlaubten Fangmengen für Hering in der zentralen Ostsee um 20 Prozent und für Sprotte in der gesamten Ostsee um ein Prozent.

In jedem Jahr legen die EU-Fischereiminister die sogenannten zulässigen Gesamtfangmengen fest. Die EU-Kommission gibt dafür vorab Empfehlungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Gutachten, in denen der Zustand der einzelnen Bestände untersucht wurde. In den Verhandlungen geht es dann darum, Kompromisse zwischen den Interessen der Fischfangindustrie und dem Schutz der Fischbestände zu finden. In diesem Jahr hatte die EU-Kommission zudem ein Aalfangverbot in der Ostsee gefordert. Dies nahmen die Minister allerdings nicht an.

Stattdessen soll beim nächsten Treffen im Dezember nach einer gesamteuropäischen Lösung zum Schutz des Aals gesucht werden. „Die notwendigen Quotenkürzungen sind schmerzlich für die deutschen Ostseefischer. Aber: Nur gute Bestände sichern langfristig die wirtschaftliche Perspektive der Ostseefischerei“, sagte Bundesminister Christian Schmidt (CSU). „Mit der heutigen Entscheidung leisten wir einen Beitrag zur weiteren Erholung der Bestände und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ostsee.“

Schleswig-Holsteins Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) begrüßte, dass die Entscheidung zum Aal auf den Dezemberrat verschoben wurde, um nach einer europäischen Lösung des Problems zu suchen. „Dies entspricht unserer Forderung auf der Agrarministerkonferenz. Um den Aalbestand ist es schlecht bestellt, aber das Problem lässt sich nicht nur isoliert für die Ostsee betrachten.“

Zudem hat er die Entscheidung der EU-Fischereiminister verteidigt, die Fangmengen für die Ostsee erneut zu kürzen. „Die Festlegung der zulässigen Fangmengen richtet sich eng an den wissenschaftlichen Empfehlungen aus. Dieser Kurs ist richtig“, sagte Habeck am Dienstag in Kiel. „Ich weiß, dass diese Phase für die Fischer hart ist, aber mittel- und langfristig werden sie von gesunden, nachhaltig bewirtschafteten Fischbeständen am meisten profitieren.“

Die Naturschutzorganisation WWF zeigte sich hingegen kritischer. „Die Situation der deutschen Brotfische in der westlichen Ostsee ist besorgniserregend. Bei den hauptsächlich von Deutschland und Dänemark bewirtschafteten Beständen von Dorsch und Hering haben die Minister die Bestandserholung bisher nicht in den Griff bekommen“, sagte WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. „Die diesjährige Entscheidung ist zwar ein guter Schritt, wird aber das Ziel der Fischereipolitik, bis 2020 gesunde Bestände zu erreichen, verfehlen.“

Habeck kündigte an, sich beim zuständigen Bundesminister dafür einzusetzen, dass es auch 2018 wieder Hilfen für die besonders betroffenen Fischer geben wird. Dazu gehörten unter anderem Prämienzahlungen für zusätzliche „Stillliegetage“. Er betonte, „die Küstenfischerei gehört zu Schleswig-Holstein und prägt das Land“.

 

Mit den Gesamtfangmengen wird bestimmt, wie viel Fisch von einem bestimmten Bestand in einem jeweiligen Jahr gefangen werden darf. Die Gesamtfangmengen werden unter den EU-Staaten dann als nationale Quoten verteilt. Wenn das in einer Quote erlaubte Kontingent ausgeschöpft wurde, darf das jeweilige Land dort vorübergehend keine Fische mehr fangen. Im Dezember wird voraussichtlich über die Fangquoten für die Nordsee und den Atlantik für das kommende Jahr entschieden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen