Fall Skripal : Medienbericht: London plant Auslieferungsgesuch für zwei Russen

Ein Soldat in der Nähe des Ortes, an dem der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter nach einer Vergiftung ohnmächtig auf einer Parkbank aufgefunden worden waren.
Ein Soldat in der Nähe des Ortes, an dem der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter nach einer Vergiftung ohnmächtig auf einer Parkbank aufgefunden worden waren.

Großbritannien jagt die Giftgas-Attentäter im Fall Skripal. Das Königreich verdächtigt Russland.

shz.de von
06. August 2018, 20:38 Uhr

London | Die britische Regierung will im Fall Skripal einem Medienbericht zufolge die Auslieferung von zwei Russen in Moskau beantragen. Das berichtete der "Guardian" am Montag unter Berufung auf Regierungs- und Sicherheitskreise.

Die beiden werden demnach verdächtigt, den Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) ausgeführt zu haben. Britische Regierungsstellen und die Generalstaatsanwaltschaft in London wollten den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur jedoch zunächst nicht kommentieren.

Die Skripals waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Sie waren mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden und entkamen nur knapp dem Tod. London bezichtigte Moskau, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder damit. Der Kreml wies die Vorwürfe zurück; der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Neue Runde gegenseitiger Diplomaten-Ausweisungen

Später kamen auch ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury mit dem Nervengift in Kontakt. Sie hatten ein Fläschchen mit Nowitschok gefunden, das sie für einen Parfümflakon hielten. Die 44-jährige Frau starb am 8. Juli im Krankenhaus. Ihr 45 Jahre alter Partner überlebte. Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass die beiden Fälle in einem Zusammenhang stehen.

Sollte der Kreml den Auslieferungsantrag abweisen, was als wahrscheinlich gilt, könnte dem "Guardian" zufolge eine neue Runde gegenseitiger Ausweisungen von Diplomaten bevorstehen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen