Neuseeland : Wird Pinguin "Happy Feet" überleben?

«Happy Feet» ist noch nicht über dem Berg.
«Happy Feet» ist noch nicht über dem Berg.

Avatar_shz von
28. Juni 2011, 11:16 Uhr

Der neuseeländische Kaiserpinguin "Happy Feet" musste schon einiges durchmachen. Mehrere kleine Stöckchen und weiterer Sand sind bei einem dritten Eingriff aus dem Magen des in Neuseeland gestrandeten Pinguins entfernt worden. Eine Endoskopie habe dabei am Montag gezeigt, dass der Magen glücklicherweise nicht gerissen sei, erklärte eine Tierärztin des Zoos Wellington der "New Zealand Herald".
"Happy Feet" wird von Spezialistenteam versorgt
"Es ist immer noch eine Menge Sand im Verdauungssystem des Pinguins, der, so hoffen wir, auf natürlichem Wege herauskommen wird", twitterte der Zoo nach dem dreistündigen Eingriff. Dutzende Zoobesucher hatten die Arbeit des Ärzteteams hinter einem großen Panoramafenster live mitverfolgt.
Der Wuppertaler Zoodirektor und Pinguin-Experte Ulrich Schürer sagte zu den Überlebenschancen des Tieres: "Das kommt darauf an, was er hat. Wenn der Magen in Ordnung ist, dann kann man ihn wieder hinkriegen und viele Jahre pflegen." Es dürfe aber keine anderen Probleme geben.
Kaiserpinguin fraß Sand, in der Annahme, es sei Schnee
Der junge Pinguin hatte den Sand und anderen Unrat am Peka Peka Strand rund 60 Kilometer nördlich von Wellington gefressen - wohl in der Annahme, kühlenden Schnee zu schlucken. "Sand ist im Weltbild eines Kaiserpinguins nicht vorgesehen", erläuterte der Stuttgarter Ornithologe Günther Schleussner. In Neuseeland ist es derzeit etwa 15 Grad warm - viel zu heiß für ein Tier, das Temperaturen von bis zu minus 50 Grad gewohnt ist.

Der Vogel war Anfang vergangener Woche an dem Strand entdeckt worden, tausende Kilometer von seiner Heimat, der Antarktis, entfernt. Nach einem gleichnamigen Film über Kaiserpinguine nannten die Neuseeländer ihren Gast "Happy Feet". Als es dem Tier zunehmend schlechter ging, wurde es Ende der Woche zu Fachleuten in den Zoo Wellington gebracht.
Der Zustand von "Happy Feet" ist weiterhin kritisch
"Die Möglichkeit, dass der Pinguin in Neuseeland überlebt, ist gleich null, weil die Keimbelastung in der Wärme deutlich höher ist als in der praktisch sterilen Umgebung der Antarktis", sagte Schleussner.
Der Zustand des Kaiserpinguins bleibe ernst, erklärte die Tierärztin in Wellington. Das Tier wirke aber munterer als Ende vergangener Woche, es habe sie auch schon kräftig getreten. Zur Stärkung bekommt "Happy Feet" pürierten Fisch, bis zum Mittwoch darf er sich nun erneut in einem klimatisierten Raum auf Eisstückchen gebettet ausruhen. Dann werde nach einer Untersuchung über die nächsten Schritte entschieden, teilte der Zoo mit.
"Happy Feet" soll zurück in die Antarktis gebracht werden
Verstärkt wurde über die Zukunft des Vogels diskutiert. Fachleute halten es für möglich, aber riskant, "Happy Feet" mit einem Schiff oder Flugzeug wieder zurück in die Antarktis zu bringen. Dabei müsste dafür gesorgt werden, dass er dort keine Krankheiten einschleppt.
Der Pinguin solle deshalb isoliert in Quarantäne gehalten werden, auch wenn es ihm in einigen Tagen besser gehe, erläuterte die Zoo-Tierärztin. Ein neuseeländischer Geschäftsmann hatte am Wochenende angekündigt, "Happy Feet" eine Passage auf einem russischen Forschungseisbrecher verschaffen zu wollen.
Der Stuttgarter Ornithologe Schleussner hält nichts von einem solchen Rücktransport. "Es ist nicht klar, warum sich der Vogel dermaßen verirrt hat. Irgendetwas stimmt nicht mit ihm." Es sei zu befürchten, dass der Frackträger erneut orientierungslos herumschwimmen werde. Er sei möglicherweise krank oder sein Orientierungsvermögen beeinträchtigt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen