Interview zum Weltglückstag : Von Hirschhausen über deutsche Glückskiller

Skandinavier, Schweizer und Österreicher sind deutlich zufriedener als Deutsche, sagt der Glücksforscher Eckart von Hirschhausen. Foto: dpa
Skandinavier, Schweizer und Österreicher sind deutlich zufriedener als Deutsche, sagt der Glücksforscher Eckart von Hirschhausen. Foto: dpa

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20. März 2013, 01:36 Uhr

Am 20.3. ist erstmals der offizielle Welttag des Glücks der Vereinten Nationen (UN). Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (45) hat sich mit Glücksforschung befasst und spricht mit der Nachrichtenagentur dpa über Sinn und Unsinn des Weltglückstages.

In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal einen Weltglückstag der Vereinten Nationen. Was soll das?

Von Hirschhausen: "Ich freue mich, dass die UN dazu aufruft, für das globale Glück aktiv zu werden. Das Streben nach Glück ist universell und zutiefst menschlich. Die Wege sind sehr unterschiedlich, und es gibt viele Sackgassen. Aber Glück ist eben nicht persönliches Schicksal, sondern eine zentrale Frage des Miteinanders. Wir stecken uns mit Gefühlen an, mit guten wie mit schlechten. Gegenspieler des Glücks ist nicht das Unglück, sondern die Depression. (...) Und politische Faktoren sind mitverantwortlich für Glück, vor allem Demokratie und Bildung."

Aber warum sind die reichen, demokratischen Deutschen dann im internationalen Vergleich so unzufrieden?

Von Hirschhausen: "Ja, da haben wir Nachholbedarf. Skandinavier, Schweizer und Österreicher sind deutlich zufriedener. Es gibt drei große Glückskiller: chronischer Schmerz, Arbeitslosigkeit mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit und Neid. Man sollte sich nicht ständig vergleichen, sondern sich als Teil des Gemeinwesens verstehen. Wenn wir rein materialistisch denken, werden wir immer das Gefühl von Mangel haben. Wir sind als Nation ungefähr dreißigmal reicher als 1950, aber nicht dreißigmal zufriedener."

Geld macht unglücklich?

Von Hirschhausen: "Geld kann durchaus glücklich machen, wenn Sie ansonsten nichts zu Essen und kein Obdach haben. Die Welt ist traurig geteilt: Die eine Hälfte hungert, die andere muss auf Diät. Wir sind die mit der Diät, halten uns aber nicht daran. Und wenn bei uns ein Kind lernt, dass es sich am besten mit Schokolade oder Chips tröstet, wird es übergewichtig. Wenn es aber lernt, sich mit Sport und Gemeinschaft wieder aufzubauen, wird es ein ganz anderer Mensch. Deshalb sollten Glück, Gesundheit und Lebenskompetenzen am besten bereits im Kindergarten und in der Schule Thema sein."

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