Schutz der gelebten Tradition : Unesco listet Mariachi-Musik und Fado als immaterielles Kulturgut

Mariachi-Musik aus Mexiko gehört künftig zum immateriellen Kulturerbe. Foto: Tonatiuh Figueroa
Mariachi-Musik aus Mexiko gehört künftig zum immateriellen Kulturerbe. Foto: Tonatiuh Figueroa

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28. November 2011, 12:26 Uhr

Die Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf alte verstaubte Relikte, sondern die gelebte "ungreifbare" Kultur zu richten, das ist die Motivation der Unesco für ihre repäsentative Liste des "immateriellen Kulturerbes." Die Mariachi-Musik aus Mexiko, der portugiesische Fado und etliche weitere, einzigartige folkloristische Traditionen aus aller Welt, gehören seit dem Wochenende zum Katalog der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur.
Bei einer Sitzung auf der indonesischen Insel Bali stimmten Experten der UN-Kulturorganisation am Wochenende 14 Aufnahmeanträgen für die sogenannte "Repräsentative Liste" zu. Im Laufe der vergangenen Woche waren bereits elf Kulturpraktiken neu auf die Rote Liste mit besonders gefährdetem Kulturerbe gekommen.
Mariachi - Sinnbild für Mexiko
Die Mariachi-Kunst wird als Familienmusik traditionell vererbt, und ist " ein fundamentales Element mexikanischer Kultur. "Sie überliefert Werte, kulturelles Erbe, Geschichte und verschiedene indianische Sprachen", begründete die Unesco die Entscheidung. "Moderne Mariachi Musik beinhaltet ein weites Repertoire von Liedern aus verschiedenen Regionen des Landes und aus verschiedenen Genres." Dies umfasse Stile wie Menuett, Polka oder Walzer und verbinde sie mit den "corridos", typisch mexikanischen Balladen, die von Kämpfen, Heldentaten und Liebesaffären erzählen.
Traditionelle Gruppen tragen Trachten im Stil des "charro", des mexikanischen Cowboys, und bestehen aus mindestens vier Musikern. Die moderne Mariachi-Musik habe außerdem neue Genres aufgenommen, etwa die aus Kolumbien stammende "cumbia". Die Kunst des Mariachi-Gesangs werde meist vom Vater auf den Sohn weitergegeben. "Mariachi-Musik vermittelt Werte des Respekts für das Erbe der Regionen Mexikos und für die lokale Geschichte", erklärte die Unesco.
Neben der Mariachi-Musik wurden am Wochenende Traditionen wie der melancholische portugiesische Musikstil Fado (deutsch: Verhängnis), das chinesische Schattentheater oder das Ritual "Die Männer des Jahres" aus der belgischen Stadt Leuven ausgezeichnet. Bei letzterem organisieren Männer eines gleichen Jahrgangs zwischen ihrem 40. und 50. Geburtstag zahlreiche gemeinsame Aktivitäten, um letztendlich ihren 50. Geburtstag bei einer sogenannten Abrahamfeier zu begehen.

Im Unterschied zum Weltkulturerbe wie zum Beispiel dem Kölner Dom, oder dem Weltnaturerbe wie dem Wattenmeer, geht es beim immateriellen Kulturerbe der Unesco um gelebte Traditionen und zur Förderung des interkulturellen Dialogs. Zu diesem Erbe gehörte bislang unter anderem der Flamenco und die Mittelmeerküche. Indem sie diese manchmal unauffälligen Schätze der Menschheit benennt, soll die Liste soll die "ungreifbaren" kulturellen Elemente sichtbarer machen und die Aufmerksamkeit auf die Diversität des "weichen" Erbes der Menschheit erhellen.
Das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes ist seit 2006 in Kraft und hat knapp 140 Vertragsstaaten. Deutschland ist bislang nicht darunter, strebt die Ratifizierung nach Angaben der deutschen Unesco-Kommission aber im kommenden Jahr an.

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