Album: "The Romantic Violinist" : Stargeiger Daniel Hope ganz romantisch

Der britische Geiger Daniel Hope macht nicht nur Musik, sondern betätigt sich auch als Autor.
Der britische Geiger Daniel Hope macht nicht nur Musik, sondern betätigt sich auch als Autor.

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17. März 2011, 12:18 Uhr

Der in Südafrika ageborene Brite mit irischem Pass präsentiert sein neustes Werk: Die CD "The Romantic Violinist" ist ab sofort im Handel erhältlich. Das Album ist eine Hommage an den ungarisch-österreichischen Geiger Joseph Joachim (1831-1907).
Ganz neue Töne
Der Stargeiger Daniel Hope gilt als Tausendsassa und hat schon in vielen Projekten mitgewirkt. Unter anderem nahm er eine Platte mit dem britischen Musiker Sting auf und war lange Mitglied des legendären Beaux Arts Trios. Mit seinem neuen Album "The Romantic Violist" präsentiert Hope jetzt eine ganz neue Seite. "Joachim ist eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte", sagt Hope in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Mit diesem Album habe ich versucht, ein musikalisches Porträt dieses großartigen Geigers zu entwerfen. Wo immer er hinging, hat er die Menschen inspiriert."
Im Mittelpunkt der Platte steht Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1, das Joachim bearbeitet hat. Daneben gibt es Werke seiner Wegbegleiter Franz Schubert, Clara Schumann, Antonin Dvorak und Johannes Brahms. Für dessen "Geistliches Wiegenlied", das er 1864 zur Geburt von Joachims erstem Kind komponierte, brachte Hope sich auf einem geliehenen Instrument selbst das Bratschenspiel bei, Anne Sofie von Otter übernahm den Gesangspart.
Daniel Hope liebt alte Musik und fördert zugleich mit eigenen Kompositionsaufträgen zeitgenössische Künstler. "Ich liebe die romantische Epoche und ich bin jemand, der sehr in dieser nostalgischen Welt schwelgt", sagt Hope, dessen jüdische Urgroßeltern bis zur Nazi-Zeit in Berlin-Dahlem lebten und in den gleichen Kreisen wie Joachim verkehrten. "Die Geschichte meiner Familie ist etwas, was mich nach wie vor sehr beschäftigt. Und durch dieses Projekt hatte ich das Gefühl, dass ich meiner Familie, meinen Urgroßeltern etwas näher bin."
Hope verfasst Buch über die Suche nach seinen Vorfahren
Zu wissen, wo seine Wurzeln liegen, bedeutet Daniel Hope viel. Gemeinsam mit der Autorin Susanne Schädlich verfasste der Geiger 2007 daher das Buch "Familienstücke", in dem die Suche nach seinen Vorfahren in Berlin geschildert wird. Das Werk wurde zum Bestseller. Obwohl selbst katholisch getauft und evangelisch konfirmiert, fühlt er sich der jüdischen Geschichte besonders verpflichtet. In seiner neuen Aufgabe als Künstlerischer Direktor der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern will er deshalb Versöhnung, Toleranz und Weltoffenheit besonders fördern.
Liebe zur Musik seit frühester Kindheit
Daniel Hope ist schon seit frühester Kindheit von der Musik begeistert. Und das kommt nicht von ungefähr: Seine Mutter war durch einen Zufall Halbtagssekretärin bei dem Geigenvirtuosen Yehudi Menuhin in London und nahm ihren Sohn jahrelang mit in dessen Haus. Daniel begann daher schon früh, mit Stricknadeln Geige zu "spielen", bevor er dann mit sechs Jahren zum ersten Mal richtigen Geigenunterricht bekam. Bei seinem ersten Auftritt passierte ihm auch gleich ein Missgeschick und er fiel hinterrücks durch eine Schwingtür von der Bühne.
Das kindliche Missgeschick schildert Hope in seinem neuen Buch "Toi, toi, toi! Pannen und Katastrophen in der Musik", das fast zeitgleich mit der Platte erschien. Ähnlich wie sein Konzertführer "Wann darf ich klatschen?" vor zwei Jahren ist auch dies ein leichtfüßiges, beschwingtes Büchlein ohne Anspruch auf allzuviel Tiefgang.
Wir erfahren von Beethovens Ausrastern, Bachs Arrest und Anna Netrebkos geplatzter Korsage. Und auch das einstige Wunderkind Joseph Joachim kommt vor: Wegen angeblich zu steifer Bogenführung hatte sein Wiener Geigenlehrer den Neunjährigen einst als hoffnungslosen Fall weggeschickt. Erst ein Lehrerwechsel half.
"Das Problem bei mir ist die Überdosis an kreativer Energie", sagt Hope zu seinem Arbeitspensum. "Da brauche ich manchmal einfach eine Stopptaste."

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