Mittelalterkrimi : Spektakulärer Goldmünzenfund in der Uckermark

Goldmünze in der Prägung des Merowingerkönigs Theudebert. Foto: Bernd Settnik
Goldmünze in der Prägung des Merowingerkönigs Theudebert. Foto: Bernd Settnik

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06. Januar 2012, 10:27 Uhr

Acht Goldmünzen sind es - vor etwa 1500 Jahren verloren gegangen auf der Flucht, lange bevor die Kartoffel die kargen märkischen Äcker bedeckte. Sie haben kaum die Größe eines Groschens, wiegen jeweils etwa 4,4 Gramm und ihre Form ist durch Pflug, Schar und Zeit arg in Mitleidenschaft gezogen worden.
Hinter daumendicken Glasscheiben ist ab Donnerstag in Potsdam einer der spektakulärsten brandenburgischen Goldmünzenfunde aus dem 6. Jahrhundert zu bestaunen. Erst im November waren die Sensationsfunde nach detektivischer Suche auf einem Acker bei Biesenbrow in Brandenburg wie geerntete Erdäpfel zurück ans Tageslicht befördert worden.
Dieser Erfolg sei wissenschaftlicher Neugier und Beharrlichkeit, aber auch dem kooperativen Zusammenspiel von Forschung, Denkmalpflege, Museen und ehrenamtlich Tätigen zu verdanken, sagt Kunstministerin Sabine Kunst (parteilos).
Schon im 19. Jahrhundert waren 200 Goldmünzen bei Feldarbeiten in den weiten Feldern der Uckermark entdeckt worden. Nur vier fanden ihren Weg ins Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin, der Rest wurde eingeschmolzen und zu etwas anderem verarbeitet. Ein Lehrer hatte im 19. Jahrhundert noch über die ursprünglich aus Konstantinopel und Rom stammenden Goldstücke - genannt Solidi - geschrieben, den genauen Fundort aber nicht festgehalten.
Die Erde leuchtete mit einmal golden

Mittelalterarchäologe Felix Biermann sagte, ein etwa 400 mal 800 Meter großes Areal konnte eingegrenzt werden, wo gezielt gesucht wurde. „In der Erde leuchtete es dann golden“, berichtet er. Nach seinen Erkenntnissen spielten sich in der damals menschenleeren Landschaft zu Zeiten der Völkerwanderung dramatische Ereignisse ab - ein wahrer Krimi.
Die Germanen waren bereits nach Süden und Westen abgewandert, die Slawen noch nicht angekommen. „Vermutlich war eine Gruppe von Thüringern auf der Flucht“, meint er. Damals drängten die Merowinger von Gallien nach West- und Mitteleuropa. Der thüringische König Herminafried floh, ließ sich von König Theudebert ins Frankenreich locken. Dort wurde der Gast heimtückisch von einer Burgmauer in den Tod gestürzt. Thüringen wurde fränkische Provinz.
Die Flüchtenden hatten einen Schatz dabei. Wie Bernd Kluge, Direktor des Berliner Münzkabinetts, sagte, war dieser damals mehr ein Statussymbol, zeigte die Macht des Besitzers. „Kaufen konnte man sich nichts dafür.“ Die Prägungen lassen die Vergangenheit lebendig werden. „Auf der Vorderseite stehen die Abbildungen von Herrschern mit Namen und Titel, auf der Rückseite eine Viktoria mit Kreuz, ein Spruch und der Hinweis auf die Prägestätte“, erläutert der Numismatiker.
Eine kleine Sensation ist ein Goldstück mit dem Bild Theudeberts, des Enkels von König Chlodwig. Theudebert brach damit das Privileg der byzantinischen Kaiser, sagt Kluge. Nur die durften Münzen mit ihrem Abbild herausgeben.
Kaum Hoffnung für Hobby-Schatzsucher
Der Wert des Schatzes nach heutigen Maßstäben bemisst sich nicht am Edelmetall. Theudeberts Münze könnte bei einer Auktion etwa 50 000 Euro bringen, die anderen etwa 1000. Kostbar sei vor allem der wissenschaftliche Wert, sagt Landesarchäologe Franz Schoppe. Die Stücke werden zunächst im Archäologischen Landemuseum in Brandenburg/Havel und im Museum Prenzlau gezeigt. Hobby-Goldsuchern rät er ab, sich auf den Weg nach Biesenbrow zu machen: Es ist nicht mehr zu finden.

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