Literaturnobelpreis 2011 : Schwedischer Dichter Tomas Tranströmer erhält Literaturnobelpreis

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer (epa-Archivbild von 2001).
Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer (epa-Archivbild von 2001).

Avatar_shz von
07. Oktober 2011, 08:47 Uhr

Das Warten auf die Verkündung des Siegers des diesjährigen Literaturnobelpreises hat ein Ende: Der schwedische Dichter Tomas Tranströmer erhält den Literaturnobelpreis 2011. Er weise dem Leser "in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen", begründete die Schwedische Akademie ihre Entscheidung für den 80 Jahre alten Lyriker.
Außerhalb Schwedens war das Echo verhalten
In seiner Heimat gab es Jubel, dass der schwer kranke Tranströmer endlich den wichtigsten Literaturpreis der Welt bekommt. In Deutschland, wo sein Name weniger bekannt ist, freute sich der Hanser Verlag für seinen Autor. Sonst blieb das Echo am Donnerstag verhalten.
Tranströmer selbst freute sich über die "schöne Nachricht": Bei einer improvisierten Pressekonferenz sagte der sprachbehinderte Dichter mit Hilfe seiner Ehefrau Monica Bladh-Tranströmer: "Ich habe vor allem gehofft, dass es diesmal ein Lyriker wird."

Dichter Tomas Tranströmer sei einer der größten Poeten unserer Zeit
Der Nobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Er wird traditionell am 10. Dezember in Stockholm überreicht, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896).
"Tranströmer ist einer der größten Poeten unserer Zeit", sagte Akademiesprecher Peter Englund, nachdem er den Namen in der Alten Börse in Stockholm verkündet hatte. Spontan brach Applaus aus. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte Englund: "Man fühlt sich nie bedeutungslos, wenn man Tranströmer gelesen hat."
Die schwedische Nationalität sei eher ein Handicap für den langjährigen Favoriten gewesen, sagte Englund. Für die Akademie sei es heikel, wenn sie den Ruf bekomme, einheimische Talente auszuzeichnen.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kennt Tomas Tranströmer nicht
Deutschlands bekanntester Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sagte, er kenne Tranströmer nicht. "Ich habe keine Ahnung, wer der Lyriker ist", sagte der 91-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.
"Wir haben als Familie überhaupt nichts vorbereitet. Jetzt müssen wir wohl mal ein paar Vasen für all die Blumen kaufen", sagte Tranströmers Tochter Paula in Stockholm. "Tomas ist unglaublich froh, aber auch überwältigt", berichtete seine Frau. Nach mehreren Schlaganfällen hat der Poet sein Sprachvermögen weitgehend verloren. Seitdem arbeitet seine Frau mit ihm an seinen Werken.
In Deutschland werden Tranströmers Werke im Hansa Verlag verlegt
Tranströmer ist seit 1901 der achte Schwede, dem der Literaturnobelpreis zuerkannt worden ist. Insgesamt ist er der 108. Preisträger. In einigen Jahren waren auch zwei Autoren ausgezeichnet worden, so 1974, als der Preis zuletzt nach Schweden ging: an Eyvind Johnson und Harry Martinson.
Tranströmers Gedichtbände sind in rund 50 Sprachen übersetzt. In Deutschland ist seine Lyrik und auch seine Autobiografie beim Hanser Verlag erschienen. "Es ist großartig, schlicht überwältigend", sagte Verlagssprecherin Christina Knecht in München. Sie sprach von einer "beglückenden Entscheidung". "Wir müssen sofort nachdrucken."
Das Gesamtwerk des Poeten, das als eher unpolitisch gilt, besteht aus weniger als 100 Texten. Tranströmer kommt aus einer Journalistenfamilie und studierte in den 50er Jahren Psychologie, Literatur- und Religionsgeschichte in seiner Geburtsstadt Stockholm. Seinem erlernten Beruf als Psychologe blieb er bis zu einem schweren Schlaganfall im Jahr 1990 treu.
US-Rockpoet Bob Dylan galt lange als Favorit für Literaturnobelpreis 2011
Wer gehofft hatte, der wichtige Literaturpreis gehe 2011 an einen US-Amerikaner, vielleicht sogar an den Rockpoeten Bob Dylan, wurde durch die Entscheidung enttäuscht. Auch die Spekulationen, dass wegen des arabischen Frühlings ein Autor aus Nordafrika oder dem Nahen Osten gute Chancen habe, erwiesen sich als falsch.
Schon wenige Stunden vor der Entscheidung stand Tranströmer dann überraschend an erster Stelle beim britischen Wettbüro Ladbrokes. Zocker hatten aber auch eine zeitlang Bob Dylan oder den syrisch-libanesischen Poeten Adonis vorne gesehen.
Im vergangenen Jahr bekam der Peruaner Mario Vargas Llosa den Literaturnobelpreis. Letzte deutschsprachige Gewinner waren Herta Müller im Jahr 2009, Elfriede Jelinek 2004 und Günter Grass 1999. Grass hatte sich für dieses Jahr den Israeli Amoz Os gewünscht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen