Literaturikone der DDR : Schriftstellerin Christa Wolf ist tot

Christa Wolf starb im Alter von 82 Jahren.
1 von 7
Christa Wolf starb im Alter von 82 Jahren.

Avatar_shz von
02. Dezember 2011, 09:50 Uhr

Sie prägte die Literatur der DDR wie keine Andere und wurde auch im Westen in den höchsten Tönen gelobt. Die Rede ist von Christa Wolf, eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart. Laut Suhrkamp Verlag verstarb die Schriftstellerin am gestrigen Donnerstag im Alter von 82 Jahren nach langer Krankheit im Beisein ihres Mannes Gerhard Wolf im Berliner St.-Hedwig-Krankenhaus. Sie hinterlässt zwei Töchter.
Wolf brachte ihren Lesern in ihren Büchern Geschichten näher, die von Figuren erzählten, die von der deutschen Teilung gekennzeichnet waren. Zu den bedeutendsten Werken zählen "Der geteilte Himmel", "Nachdenken über Christa T.", "Kindheitsmuster", "Kein Ort. Nirgends" und "Störfall". Für ihre Arbeit wurde sie unter anderem 1980 mit dem Büchner-Preis und 2010 mit dem Thomas-Mann-Preis ausgezeichnet. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Zahlreiche Politiker und Literaturkritiker würdigten ihre Person und Arbeit
"Ihre Literatur hat die Menschen in unserem Land bewegt und begeistert und zum Nachdenken gebracht", erklärte Bundespräsident Christian Wulff. Für sehr viele Leser sei sie mehr als eine Schriftstellerin gewesen. "Sie hat auf fast altmodische und doch immer aktuelle Weise an das Gute geglaubt und an die Verbesserungsfähigkeit des Menschen."
"Mit Christa Wolf verliert Deutschland eine seiner bedeutendsten Schriftstellerinnen, eine intellektuelle Persönlichkeit und kritische Instanz in unserem Land", schreibt Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Kondolenzschreiben. Die Widersprüchlichkeiten einer Schriftstellerexistenz in Zeiten der Diktatur habe sie schonungslos offengelegt, und sie habe damit neben der persönlichen Selbstvergewisserung auch einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Aufarbeitung geleistet.
Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der Wolf lange Zeit eher ablehnend gegenüberstand, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Sie war eine mutige Schriftstellerin, die die zentralen Fragen ihrer Zeit und ihrer Problematik ausdrücklich behandelt hat."
Wolf hatte eine besondere Verbindung zur DDR
Die Autorin setzte sich lange für gesellschaftliche Reformen in der DDR ein und protestierte als SED-Mitglied gegen Willkürmaßnahmen der Staats- und Parteiführung und die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Bierman, obwohl sie einige Jahre zuvor mit der Stasi unter dem Decknamen "IM Margarete" zusammen gearbeitet hatte. Erst 1989 trat sie aus der Partei aus.
Wolf weigerte sich immer wieder die DDR zu verlassen. Sie liebte ihr Land und sah weiterhin keine Alternative zum sozialistischen Staat. Ihr Ziel war es jedoch eine "andere" DDR aufzubauen, eine offenere und freiheitsorientierte Gesellschaft zu schaffen.
Die am 18. März 1929 im heute polnischen Landsberg an der Warthe geborene Schriftstellerin war nach der Flucht 1945 mit der Familie nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen. In Jena und Leipzig studierte sie Germanistik und wurde später wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband und Cheflektorin des Verlages "Neues Leben". 1961 erschien "Moskauer Novelle", ihr erstes Prosawerk.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen