Deutschsprachiger Chansonnier : Promi-Geburtstag vom 27. Dezember 2017: Stephan Sulke

Der Schweizer Stephan Sulke will mit 74 noch einmal auf Konzertreise durch Deutschland gehen.
Der Schweizer Stephan Sulke will mit 74 noch einmal auf Konzertreise durch Deutschland gehen.

Was seine musikalischen Erfolge angeht, ist er ein Spätzünder gewesen, aber mit «Uschi» hat er sich selbst ein kleines Denkmal gesetzt. Heute wird der Schweizer 74 Jahre alt - und geht 2018 wieder auf Tour durch Deutschland.

shz.de von
27. Dezember 2017, 00:01 Uhr

Er hat die Schlagzahl seiner Veröffentlichungen in den vergangenen 20 Jahren stark reduziert. Doch diesen Sommer brachte Stephan Sulke ein neues Album auf den Markt. Der Titel: «Liebe ist nichts für Anfänger». Ist er selbst ein Fortgeschrittener in amourösen Angelegenheiten?

«Das Leben wird sehr öde, wenn man nicht irgendjemanden hat, den man hochtragen kann. Liebe hat für mich etwas mit Vergötterung zu tun», sagte der Schweizer Musiker, der heute 74 wird, vor kurzem dem «Hamburger Abendblatt». Liebe sei im Alter allerdings «weniger sexuell. Ist ja klar. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Liebe in Wirklichkeit eine unerreichbare Chimäre ist. Es geht einfach immer in die Hosen.» Und lebenslange Liebe? Die sei «Glückssache». Er selbst lebt schon lang in Südfrankreich und ist «seit ewig» mit einer Italienerin zusammen.

Um Liebe und Beziehung geht es auch in jenem Song, mit dem er 1982 groß heraus kam. Es ist ein locker-leichter Hit, der sich an eine Emanze richtet, Uschi ihr Name, an die der Sänger sein Herz verloren hat und die ihn erhören soll: «Uschi (Mach kein' Quatsch)». Ihm sei damit ein «Volkslied» gelungen, sagte er Mitte Juni im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Ab einem gewissen Alter kennt diesen Song einfach jeder. Und «Uschi» hat auch Leuten gefallen, die mit mir bis dahin gar nichts anfangen konnten, denn ich kam ja vom französischen Chanson.»

Seine erste Platte nahm Sulke «mit etwa achtzehn» in Paris auf. Er hatte sich das Pseudonym Steff zugelegt und wurde für sein Debüt sogar ausgezeichnet. Der Schauspieler und Chansonsänger Maurice Chevalier (1888-1972) überreichte ihm den Preis, den Grand Prix du Premier Disque, wie sich Sulke in seiner kurzen Autobiografie auf seiner Website erinnert. Nur Geld verdiente er nicht mit ihr. Auch in den USA klappte es mit der Plattenkarriere nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte, weshalb er sich vorübergehend aus dem Showgeschäft verabschiedete, in Bern Jura studierte und anfing, ein Tonstudio zu betreiben.

«Wenn ich mich beim Rasieren im Spiegel angucke, wie einer, der vor zwanzig Jahren geboren wurde, seh' ich nicht aus», schreibt der Künstler. Tatsächlich kam er mitten im Zweiten Weltkrieg zur Welt, genauer: am 27. Dezember 1943 im chinesischen Shanghai als Sohn jüdischer Eltern, die 1939 aus Berlin vor den Nazis geflohen waren. 1947 ging die Familie in die Schweiz. Der Vater starb, die Mutter heiratete einen Hotelier. Der kleine Stephan wuchs fortan dreisprachig auf. Die Mutter sprach deutsch, der Stiefvater französisch und seine Tante in den USA, die der Junge häufig besuchte, englisch.

Mit 14 kaufte er sich eine Gitarre, eine gute Investition in die Zukunft, denn mit ihr fing alles an: 1976 - mit fast 33 Jahren - stellte er sich dem deutschsprachigem Publikum mit seiner ersten Langspielplatte vor, die schlicht so hieß wie er: «Stephan Sulke». Im Jahr darauf bekam er den Deutschen Schallplattenpreis in der Kategorie «Nachwuchskünstler», 1982 wurde er «Künstler des Jahres». Reinhard Mey (75) und Udo Jürgens (1934-2014) hatten ernstzunehmende Konkurrenz bekommen.

Man nennt Sulke einen Liedermacher. Diese Bezeichnung hat ihm aber nie gefallen, wie er im dpa-Interview verriet. «Ich assoziiere damit den Birkenstocklatschen tragenden, unrasierten und oft ungewaschenen Links-Anarchisten, der unmelodiös auf seiner Gitarre rumhaut und gestelzte Verse in ein aus meiner Sicht komplett verblödetes Publikum spuckt. Das ist mein Urbild des Liedermachers. Heißt natürlich nicht, dass es so ist.»

Was ist Stephan Sulke denn dann? Ihm gefallen die Bezeichnungen «deutschsprachiger Chansonnier» oder «Singer-Songwriter» auf jeden Fall besser. Doch am Ende ist das nicht entscheidend. Viel wichtiger dürfte ihm sein, dass er ab 17. Februar 2018 noch einmal auf Tour durch Deutschland gehen kann (neun Termine), wie er auf seiner Website ankündigt.

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