Der Kommissar vom Meer : Promi-Geburtstag vom 26. März 2020: Axel Prahl

Axel Prahl wird 60. /dpa
Axel Prahl wird 60. /dpa

Axel Prahl fiel früh als guter Musiker auf, wurde aber Schauspieler. In diesem Fach spielt er nun einen der bekanntesten Polizisten der Republik, obwohl er keine Waffen mag.

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26. März 2020, 00:01 Uhr

Axel Prahl hat die Erfahrung gemacht, dass er gern mal eingemeindet wird. Nachdem er im Kinofilm «Halbe Treppe» einen Würstchenbudenbetreiber in Frankfurt (Oder) gespielt hatte, meinten viele, er sei Ossi.

Seit er als muffeliger Kommissar Frank Thiel im Münster-«Tatort» Quotenkönig ist, glauben nicht wenige, er stamme aus dem tiefsten Westen. Dass beides falsch ist, ahnt man, wenn Prahl grüßt: «Moinsen!». Er kommt aus dem Norden, vom Meer.

Die Fremdvereinnahmung hat Gründe. Prahl wird am 26. März 60 Jahre alt. Er hat schon viele Rollen in seiner Karriere gespielt - und das zumeist so, dass man nur denken konnte: Der ist einer von uns. Oft waren es die sogenannten kleinen Leute, verschrobene Typen, die sich durchs Leben kämpfen. Autohändler, Plattenbau-Bewohner, Polizisten.

Er hat diesen roten Faden seiner Laufbahn mal so erklärt: «Geschichten, die im bourgeoisen Milieu angesiedelt sind, in dem die Leute in schicken Autos durch die Gegend fahren und in großen Lofts wohnen, finde ich meistens nicht so spannend.»

Über seinen runden Geburtstag will Prahl nicht reden. Eine Interviewanfrage lässt er höflich absagen. Genug zu erzählen gäbe es gleichwohl. Zum Beispiel über seine Kindheit in Schleswig-Holstein, als er in den Ferien schon morgens zur Küste fuhr, um sich an einem Lagerfeuer Eier zu braten und den Tag am Wasser zu verbringen. Und wie er von dort aufbrach, um auf einem ziemlich ungeraden Weg zu einem der erfolgreichsten Fernsehkommissare der Republik zu werden.

Prahl stammt aus Eutin bei Neustadt und zunächst sah es eher nicht so aus, dass er mal in der ersten Riege deutscher Schauspieler ankommen würde. Prahl machte Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte Lehramt für Mathe und Musik. Sein musikalisches Talent war offensichtlich. In einem Gespräch im WDR-Radio erinnerte er sich kürzlich, wie er im Knabenchor «Es ist ein Ros entsprungen» vortrug - damals noch in wunderschöner Sopranstimme.

Irgendwann war allerdings klar, dass es das nicht sein konnte mit dem Lehramt. Prahl brach ab und war zeitweise Straßenmusiker. Hauptberuflich landete er dennoch im Schauspiel. Eine WG-Mitbewohnerin riet ihm damals dazu - er kaspere doch so viel rum. Hinzu kam, dass das Theater ein festes Salär bot - und bei Prahl Nachwuchs unterwegs war. Er brauchte schlicht Geld.

Der große Durchbruch kam, als er auf Regisseur Andreas Dresen traf. In mehreren Filmen besetzte er Prahl, unter anderem in «Halbe Treppe». Damit gewann er die Kritiker. Das ganz große Publikum gewann er, als er 2002 zusammen mit Jan Josef Liefers (55) im Münsteraner «Tatort» den Dienst antrat. Mit dem grummeligen Kommissar Thiel (Prahl) und dem versnobten Rechtsmediziner Boerne (Liefers) wurde der alte Krimi-Dampfer etwas, was er zuvor nur selten war: lustig.

Prahl war nun einer der bekanntesten Fernsehpolizisten, obwohl er Waffen privat gar nicht gut findet. Die schlagartige Bekanntheit hatte ihre Vor- und Nachteilen. Das Scheitern seiner zweiten Ehe erklärte er 2010 unter anderem mit seiner Prominenz und dem «Verlust jeglicher Rückzugsmöglichkeit». Allerdings konnte er dank seiner Popularität auch eine kleine Schleife an seine Karriere machen: 2011 brachte er mit «Blick aufs Mehr» seine erste CD als Musiker heraus.

Dass man die Geschichte von Axel Prahl nicht ohne Frank Thiel erzählen kann, das weiß er wohl selbst. Es gibt ja sogar Parallelen: Auch der Kommissar zieht von Norddeutschland nach Münster. Ansonsten weist Prahl aber gelegentlich auf die Unterschiede zwischen Schauspieler und Rolle hin. Er trinke zum Beispiel lieber Rotwein als Bier («Augsburger Allgemeine»). Und er sei auch kein unmusikalischer Eigenbrötler («Bunte»). Aber es hilft nichts. Er spielt den Thiel einfach zu überzeugend.

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