DDR-Möbeldesigner : Promi-Geburtstag vom 24. Juni 2019: Rudolf Horn

Rudolf Horn in Arbeitszimmer seiner Wohnung in Leipzig.
Rudolf Horn in Arbeitszimmer seiner Wohnung in Leipzig.

Für wen machst du das? Dieser Satz seines ersten Lehrers wurde zum Leitmotiv des «Vaters» der DDR-Möbelserie MDW. Vorträge hält er noch immer.

shz.de von
24. Juni 2019, 00:01 Uhr

Spricht Rudolf Horn über Innendesign und Architektur, gerät er ins Schwärmen. Sein Redefluss ist kaum zu stoppen, seine Augen leuchten. Auch Vorträge hält er noch. Dabei wird Horn, einer der bekanntesten Möbeldesigner der DDR und Vater der Hellerauer Möbelserie MDW (Montagemöbel Deutsche Werkstätten) am 24. Juni 90 Jahre alt.

«Für mich als Student war er eine prägende Persönlichkeit, auch wenn mir das später erst richtig bewusst wurde», sagt sein ehemaliger Schüler Professor Achim Hack, der heute Dekan der Fakultät Gestaltung an der Hochschule Wismar ist. «Erst kürzlich hat er uns besucht.» Es sei natürlich um Möbeldesign gegangen.

«Für wen machst du das?» Das habe ihn sein erster Zeichenlehrer kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im sächsischen Waldheim gefragt, erinnert sich Horn. Dieser Satz habe ihn ein Leben lang geprägt. Auch bei der Entwicklung des MDW-Programms - einer variablen DDR-Möbelserie - sei dies seine Leitidee gewesen.

«Nach dem Krieg war Wohnraum knapp, da mussten platzsparende und funktionierende Inneneineinrichtungen her, in denen viel untergebracht werden konnte», sagt Horn. Außerdem sollten die Nutzer ihre Möbel individuell gestalten können. Nicht fertige Möbel verließen das Werk, sondern Bauteile, die jeder nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen konnte. Auch deshalb wurde MDW als das «Ikea des Ostens» bezeichnet.

«Vor allem bei jungen Leuten war MDW sehr beliebt», erinnert sich Horn. Doch für die Serie, die besonders für Plattenbauwohnungen ins Leben gerufen worden war, kam 1991 nach etwa einem Vierteljahrhundert das Aus. «MDW erging es damals wie vielen DDR-Produkten nach der Wende. Sie wollte keiner mehr haben», sagt der gelernte Tischler.

30 Jahre lang lehrte der Möbeldesigner als Professor an der Kunsthochschule auf der Burg Giebichenstein. In seiner Leipziger Wohnung stehen immer noch die Möbel, die er selbst in den 50er Jahren entworfen hat. «Warum soll ich sie austauschen, wenn sie noch funktionieren?», fragt der Designer, der deutlich jünger aussieht als er ist. Täglich treibe er Sport. Nur das Joggen habe er nun aufgegeben. Auch geistig hält er sich fit, schreibt Beiträge für Bücher und Aufsätze und zeichnet. «Ein Urenkel ist auch schon da, den zweiten will ich noch erleben.»

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