Nach dem Tod von Udo Jürgens : Merci Udo: Vom Grand Prix zum Kult-Star

Mit Udo Jürgens stirbt einer der wichtigsten deutschsprachigen Kult-Musiker. Ein Rückblick auf sein Leben in Bildern und Videos.

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22. Dezember 2014, 13:14 Uhr

Gerade erst hatte er seinen 80. Geburtstag gefeiert – am Sonntag starb Udo Jürgens überraschend an Herzversagen. Jahrzehntelang war er das Herzstück des deutschen Showbetriebs. Blickt man zurück auf das Leben des Künstlers wird klar: Udo Jürgens hat vieles richtig gemacht.

Am 30. September 1934 wird Jürgens im österreichischen Klagenfurt als Udo Jürgen Böckelmann geboren. Seine Mutter, eine gebürtige Schleswig-Holsteinerin (ursprünglich aus Prasdorf im Kreis Plön stammend) und sein Vater, ein aus Moskau stammender Landwirt fördern seine musikalische Gegabung schon früh: 1939 schenken sie ihm eine Mundharmonika, 1942 ein Akkordeon – sein sehnlichster Wunsch. Bereits mit zwölf Jahren komponiert Udo Jürgens sein erstes Lied. Was die Eltern nicht wissen konnten: Ein Jahr vor dem Abitur bricht Jürgens die Schule ab. Er will Musiker werden.

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Seinen ersten Erfolg feiert Jürgens jedoch als Komponist. Mit Mitte 20 schreibt er für die britische Sängerin Shirley Bassey das Lied „Reach for the Stars“. Der Song wird zum bekannten Welthit.

Sein Filmdebut feiert Jürgens 1961 im österreichischen Schlagerfilm „...Und du mein Schatz bleibst hier“. Viele weitere Film- und Fernsehauftritte folgen.

Udo Jürgens Schicksal als Sänger soll sich wenige Jahre später auf dem Grad Prix de la Chanson Eurovision entscheiden. Nachdem er 1964 mit „Warum nur, warum?“ für Österreich den fünften Platz belegt, schafft er es beim zweiten Anlauf in Neapel mit „Sag' ihr, ich laß sie grüßen“ auf Platz 4. Der Durchbruch kommt 1966, als er es mit „Merci Cherie“ in Luxemburg auf Platz eins schafft.

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picture alliance / dpa

Über Nacht wird Jürgens zum international gefeierten Star. Dabei scheut er sich nicht, auch kontroverse Themen in seinen Liedern anzuschneiden. Mit seinem gesellschaftskritischen Lied „Lieb Vaterland“ regt Jürgens 1971 die öffentliche Diskussion um politische Missstände in der BRD an.

In den Folgejahren spielt Udo Jürgens ausgedehnte Tourneen in aller Welt und nimmt einige seiner Kompositionen in verschiedenen Sprachen auf. Eine besondere Beziehung baut Jürgens 1972 zum japanischen Publikum auf, als er seinen Hit „Was ich dir sagen will“ unter dem Titel „Wakare no asa“ auf Japanisch singt. Der Song steigt auf Platz eins der japanischen Hitparade, Jürgens bleibt bis heute in Japan ein Kult-Star.

1975 veröffentlicht Jürgens mit „Griechischer Wein“ einen seiner größten Hits. Unter dem Titel „Phile kerna krassi“ wird das Lied auch ins Griechische übersetzt und mausert sich dort zu einer Art Volkslied. Zu Jürgens Ehrung wird er vom damaligen griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis in Athen empfangen.

Zum größten Schallplattenhit in Udo Jürgens' Karriere wird der Song „Buenos Dias, Argentina“, den er 1978 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Einstimmung auf die WM in Argentinien aufnimmt. Nach zwei Monaten erreicht die Platte Platin-Status.

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dpa

Zwei Mal ist Udo Jürgens verheiratet: Von 1964 bis 1989 mit dem ehemaligen Fotomodel Erika Meier und von 1999 bis 2006 mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Corinna Reinhold. Dabei ist er nach eigener Aussage nicht immer treu. Aus seiner ersten Ehe hat Udo Jürgens zwei Kinder: John und Jenny, die beide inzwischen selbst Künstler sind. Außerdem hat Jürgens noch zwei uneheliche Töchter.

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imago/Future Image

Sein Markenzeichen: Für die Zugabe schlüpft Jürgens oft in einen weißen Bademantel. Das Ritual wird 1969 zu Beginn einer Europa-Tournee geboren. Nach dem Auftakt-Konzert in Hamburg will der Applaus einfach nicht abebben. Jürgens, bereits umgezogen, betritt noch einmal die Bühne – nur in einen Bademantel gehüllt.

In den rund 60 Jahren seiner Karriere komponiert Jürgens über 1000 Songs, veröffentlicht mehr als 50 Alben und verkauft über 100 Millionen Tonträger. Bei seinen unzähligen Tourneen erleben ihn Millionen Menschen live, Songs wie „Aber bitte mit Sahne“, „Immer wieder geht die Sonne auf“ und „Ich war noch niemals in New York“ haben bis heute Kultstatus. Bis zuletzt steht der leidenschaftliche Musiker auf der Bühne. Nach einer Weihnachtspause wollte Jürgens seine Tournee im Februar fortsetzen.

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