"Meister der Erinnerung" : Maler Anselm Kiefer erhielt Leo-Baeck-Medaille

Guido Westerwelle (r) verlieh die Ehrung in New York an den Künstler Anselm Kiefer. Foto: dpa
Guido Westerwelle (r) verlieh die Ehrung in New York an den Künstler Anselm Kiefer. Foto: dpa

Avatar_shz von
13. Dezember 2011, 11:02 Uhr

"Es gibt keinen Künstler, der diese Medaille mehr verdient hätte", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bei einer Gala am späten Montag (Ortszeit) im Waldorf Astoria Hotel und würdigte den Maler und Bildhauer Anselm Kiefer in New York als einen "Meister der Erinnerung."
Kiefer sei es mit zu verdanken, dass Deutschland seine Vergangenheit aufgearbeitet habe, auch den Holocaust, sagte Westerwelle bei der Verleihung der Leo-Baeck-Medaille an Kiefer in New York.
US-Preis für Deutsch-Jüdische Aussöhnung
Die Medaille erinnert an den von den Nazis verfolgten Rabbiner und Philosophen Leo Baeck. Sie wird seit 1978 von dem gleichnamigen Institut in New York an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um die deutsch-jüdische Aussöhnung verdient gemacht haben. "Ich war überrascht, als ich hörte, dass ich die Auszeichnung bekomme", sagte Kiefer.
Zum ersten Mal wurde bei der Gala auch der Moses Mendelssohn Sonderpreis vergeben, der an den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger (88) ging. "Henry Kissinger hat Deutschland niemals im Stich gelassen", sagte Westerwelle. Kissinger sei "ein Garant für die transatlantische Freundschaft."
Unbequemer Aufarbeiter
Der 66-jährige Künstler aus Donaueschingen hat sich intensiv mit dem Grauen des Nazi-Terrors auseinandergesetzt. Kiefers Arbeiten - unter anderem Selbstporträts, auf denen er mit Hitlergruß posiert - lösten teils heftige Diskussionen aus und wurden auch stark kritisiert. "Seine Kunst war nie bequem", sagte Westerwelle.
Vor kurzem hatte Kiefer für Furore, als er in einem Interview erwähnte, er wolle den Atommeiler Mülheim-Kerlich - oder wenigstens den Kühlturm davon kaufen. "Dieses Atomkraftwerk ist so phantastisch, wunderbar, das ist mein Pantheon", sagte Kiefer dem Magazin Spiegel. Sein großes Thema ist und bleibt das Erinnern.
Seit 1993 lebt Kiefer in Frankreich, wo er sich mehr mit kosmologischen Fragen beschäftigte. 2008 wurde ihm als erstem bildenden Künstler der "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" verliehen. Im Vorjahr hatte der langjährige Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur (84) die Medaille erhalten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen