Vermögen und Ehefrau verloren : Freispruch für Dominique Strauss-Kahn

Im Prozess um wilde Sexpartys hat das Gericht in Lille ein Urteil gefällt.

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12. Juni 2015, 12:57 Uhr

Lille | Dominique Strauss-Kahn ist vom Vorwurf der Zuhälterei freigesprochen worden. Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe sich durch seine Teilnahme an Sexpartys mit Prostituierten nicht strafbar gemacht, entschied ein Gericht in Lille am Freitag. Für wichtige Zutaten der Affäre hat Dominique Strauss-Kahn selbst gesorgt: Sex, Gewalt, Ruhm, viel Geld. Ob auch der kriminelle Anteil auf seine Kappe ging - das sollte der Prozess um illegale Sexpartys mit Prostituierten klären. Nun hat Das Gericht in der nordfranzösischen Stadt Lille sein Urteil verkündet.

Trotz des Freispruches hat der weithin als DSK bekannte Mann bereits so ziemlich alles verloren, was Anerkennung verspricht: Job, Frau, politische Zukunft und jede Menge Geld. Wegen einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe musste Strauss-Kahn 2011 seinen Posten als IWF-Chef räumen. Mit der betroffenen Angestellten eines New Yorker Hotels einigte er sich außergerichtlich. Über angeblich millionenschwere Details wurde Stillschweigen vereinbart. Nach der Affäre trennte sich seine wohlhabende Frau, die bekannte Journalistin Anne Sinclair, von Strauss-Kahn.

In der „Carlton“-Affäre - benannt nach einem Luxushotel in Lille, von wo aus die Zusammenkünfte organisiert worden sein sollen - hat Strauss-Kahn seine Teilnahme an den freizügigen Partys stets eingeräumt. Zwölfmal zwischen 2008 und 2011 wurde in Paris, Brüssel oder Washington gefeiert. Auch während des Prozesses im Februar leugnete Strauss-Kahn aber jede Kenntnis, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren. Er habe sich „weder ein Vergehen noch ein Verbrechen“ vorzuwerfen.

Das Gericht glaubte Strauss-Kahn offenbar, von Geld gegen Sex nichts gewusst zu haben. Normalerweise wird Zuhälterei als Straftat in Frankreich deutlich weiter ausgelegt als in Deutschland und kann mit bis zu zehn Jahren Gefängnis und bis zu 1,5 Millionen Euro Geldstrafe geahndet werden. Sie umfasst zum Beispiel auch Prostitution, die von Dritten bezahlt oder bei Sexpartys organisiert wird.

Das Verfahren in Lille wollte die Staatsanwaltschaft bereits 2013 mangels Beweisen einstellen. Ermittlerrichter sahen Strauss-Kahn aber als Mittelpunkt eines Prostitutionsrings. Nach französischem Recht können ermittelnde Richter Anklage auch gegen den Willen der Staatsanwälte erheben. In Deutschland hieße das: zum Jagen tragen.

Wenig überraschend forderte Staatsanwalt Frédéric Fèvre in Lille „schlicht und einfach“ Freispruch für Frankreichs prominentesten Angeklagten. Es gehe nicht um ein mafiöses Netzwerk, sondern um eine Gruppe von Freunden, die ihre Partys gefeiert hätten. Gleichzeitig seien die beteiligten Frauen zu Lustobjekten degradiert worden. Die Staatsanwaltschaft arbeite aber „mit dem Strafgesetz, nicht mit einem Moralkodex“. Auch Gerichtspräsident Bernard Lemaire hatte während der Verhandlung betont, im Prozess gehe es um Rechtsfragen, nicht um Moral.

Strauss-Kahn sprach von Libertinage - die französische Umschreibung für sexuelle Freiheit, unkomplizierten Umgang mit Moral und Sitten.

Die Verhandlung geriet in Frankreich und international vor allem dann in die Schlagzeilen, wenn es um Sexualpraktiken ging, die Prostituierte vor Gericht teils unter Tränen schilderten. Strauss-Kahn sagte dazu, er habe vielleicht „ein groberes Sexualverhalten als der Durchschnitt der Männer“. Er räumte ein, „dass manche Frauen es nicht schätzen“.

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